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Artenschutz:Kiesgrube statt Flussaue

Ein Beitrag zur Biodiversität.

Die Gelbbauchunke wird selten in Bayern, deswegen gibt es nun ein Bündnis zu ihrem Schutz.

(Foto: Privat)

Naturschützer und Baustoffindustrie kooperieren für Amphibien

Die Gelbbauchunke war einst weit verbreitet in Bayern. Überall in den Bach- und Flussauen traf man die drei bis fünf Zentimeter großen Amphibien mit der markant gelb-schwarz gefleckten Unterseite an. Sie besiedelten dort die Tümpel, Lachen und Wassergräben. Inzwischen zählen Gelbbauchunken zu den bedrohten Arten. Der Grund: 90 Prozent der Bäche und Flüsse sind begradigt worden, die Auen sind trockengelegt, es gibt kaum noch Tümpel, Lachen und Wassergräben. Das soll sich nun ändern. Der Vogelschutzbund LBV und die Bayerische Baustoffindustrie wollen beim Amphibienschutz zusammenarbeiten. In Neusäß bei Augsburg besiegelten jetzt LBV-Chef Norbert Schäffer, Oliver Klauser vom Bayerischen Industrieverband Baustoffe, Steine und Erden und Andreas Thaler vom gleichnamigen Kiesunternehmen eine Kooperation zum Amphibienschutz. Sie soll Vorbild sein für ähnliche Projekte in ganz Bayern.

Für viele Naturschützer sind Kooperationen mit der Industrie, noch dazu mit der Baustoffindustrie, ein regelrechter Graus. Denn aus ihrer Sicht zählt diese zu den Naturzerstörern Nummer eins. Der LBV sieht das anders. Er verfolgt seit jeher einen sehr pragmatischen Ansatz. "Rohstoffgewinnung und Naturschutz sind keine Gegensätze mehr", sagt LBV-Chef Schäffer. "Für Amphibien können Kiesgruben genau die Lebensräume sein, die sie sonst fast nirgendwo mehr haben." Denn in Kiesgruben gibt es große Pfützen, die schon fast Lachen oder Tümpel sind, und tiefe Baggerspuren, die kleinen Wassergräben ähneln - so wie Gelbbauchunken sie brauchen. In der Fachwelt nennt man solche neuen Lebensräume deshalb "zivilisatorische Ersatzbiotope".

Mit Kooperationen wie im schwäbischen Neusäß will der LBV nun Baustofffirmen ermuntern, sich im Amphibienschutz zu engagieren. Dem Verband geht es dabei nicht nur um die Gelbbauchunke. Sondern auch die Geburtshelferkröte, die Knoblauchkröte, die Kreuzkröte, den Kammmolch und den Laubfrosch. Die Lebensräume all dieser Amphibienarten sind in den modernen Landschaften so gut wie verschwunden. Als Ersatz stehen ihnen praktisch nur Kies-, Sand- und Lehmgruben und der eine oder andere Steinbruch zur Verfügung. "Unser Ziel ist es", sagt LBV-Chef Schäffer, "dass bayernweit hundert Baustoffunternehmen mit uns eine Kooperation zum Schutz bedrohter Amphibienarten eingehen."