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Agrarbericht:Landwirte im Glück

Michael Kaniber Landwirtschaftsministerin

Agrarministerin Michaela Kaniber lobte die bayerischen Bauern: Ihre Höfe seien kreativer und zukunftssicherer als viele Großbetriebe.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Trotz Wetterkapriolen sind die Bauern bislang mit Ertrag zufrieden. Wie auch die Ministerin. Die Opposition sieht das anders

Von Christian Sebald

Nein, Stephan Kreppold, kann nicht klagen. "Der Weizen steht gut da", sagt der Biobauer aus dem schwäbischen Aichach und man hört ihm die Freude an, "das gilt auch für den Roggen, den Dinkel und den Hafer auf unseren Feldern." Kreppolds Freude ist nur zu verständlich. Denn 2018 war bislang ein schwieriges Jahr für die Bauern. Vor allem der April. Er war der wärmste und trockenste April, seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1881. "Diesen April gab es Bauern, die haben gedacht, wenn sie jetzt nicht schnell ihre Feldern wässern, vertrocknet ihnen die ganze Aussaat", sagt Markus Peters vom Bayerischen Bauernverband (BBV). Dann die vielen lokalen Wetterkapriolen seither. "Da gibt es Orte, in denen haben Unwetter und Starkregen die Äcker verwüstet, während sie schon im Nachbarort wieder sehr gut dastehen", sagt Peters.

Insgesamt freilich, da sind sich Kreppold und Peters einig, sind die Bauern in Bayern dieses Jahr relativ gut weggekommen. "Aufs Land gesehen, rechnen wir mit einer leicht unterdurchschnittlichen Getreideernte", sagt Peters. Dass die Ernte bei Weitem nicht so schlecht ausfällt, wie anfangs befürchtet, liegt an der fast konstant feucht-warmen Witterung seit Mai. "Sie tut der Vegetation gut", sagt Peters. "Außerdem haben die zahlreichen lokalen Gewitter und Starkregenfälle vielerorts die anfängliche extreme Trockenheit kompensieren können." Auch dass die Ernte dieses Jahr wieder deutlich früher beginnt als gewöhnlich, ist aus Peters' Sicht nicht wirklich ein Problem. "Anders als in Norddeutschland, wo die Kollegen wegen der Trockenheit Noternten einfahren, ist bei uns das Getreide schon ausgereift", sagt er. Kreppold bestätigt das. "Seit den Neunzigerjahren hat sich die Vegetationsperiode gut zwei Wochen nach vorne verschoben", sagt er. "Das ist der Klimawandel."

Nach Überzeugung von Agrarministerin Michaela Kaniber steht die bayerische Landwirtschaft auch ansonsten einigermaßen stabil da. Das sagte die Ministerin am Mittwoch bei der Präsentation des Agrarberichts 2018 im Landtag. Dem Bericht zufolge geben nur 1,1 Prozent der Bauern pro Jahr ihren Hof auf, der Strukturwandel liege auf niedrigem Niveau. "Das zeigt, dass unsere kleinen und mittleren Betriebe kreativer, zukunftssicherer und krisenfester sind als viele Großbetriebe", sagte die Ministerin. Es gibt freilich auch gravierende Ausreißer: So geben inzwischen jedes Jahr fast fünf Prozent der Milchbauern und gut sechs Prozent der Schweinehalter auf - und zwar obwohl die Erlöse in der Landwirtschaft wieder angezogen haben. Alles in allem gibt es laut Agrarbericht in Bayern 106 700 Bauernhöfe. Darin sind freilich auch Höfe mit keiner oder nur sehr wenig Agrarfläche eingerechnet. In der amtlichen Statistik werden seit Jahren nur Höfe ab einer Betriebsgröße von fünf Hektar erfasst. Setzt man diese Norm an, dann gibt es in Bayern nur noch 82 000 Bauernhöfe.

Die Opposition übte scharfe Kritik an der bayerischen Agrarpolitik. Die Grünen-Abgeordnete Gisela Sengl nannte den Bericht eine "Dokumentation der Versäumnisse". Denn, so Sengl, "wir verlieren weiter massiv Betriebe". Der SPD-Politiker Horst Arnold zeigte sich bestürzt über den Schwund an Nebenerwerbsbauern. Ihre Zahl ist zwischen 2014 und 2016 von 63 000 auf etwa 44 000 gesunken. "Das wird gravierende Auswirkungen auf die Landwirtschaft und unsere Landschaft haben", sagte er. Die Freien Wähler forderten einen Zukunftsplan für die Landwirtschaft. Trotz aller Anstrengungen stünden die Bauern weiter unter Druck, erklärte der FW-Abgeordnete Leopold Herz. "Bayern braucht endlich ein Umdenken in der Agrarpolitik."

© SZ vom 05.07.2018
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