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Kirche und Entlohnung:Katholiken wollen Bischöfe selbst bezahlen

Bis jetzt zahlt das Land Bayern das Gehalt der katholischen Bischöfe. Nun will die Kirche die Entlohnung selbst übernehmen. Bei der evangelischen Konkurrenz ist man schon weiter.

Offensichtlich ist die katholische Kirche zunehmend peinlich davon berührt, dass ihr immer wieder vorgeworfen wird, sie lasse sich ihr Führungspersonal aus Steuergeld bezahlen. "Es sieht so aus, als würden wir vom Staat bezahlt", sagte der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller der Süddeutschen Zeitung und warf damit ein Licht auf die innerkirchliche Debatte. Dabei handele es sich bei dem Geld nur um die Renditen aus den im Jahr 1803 enteigneten Kirchengütern. Da sich aber kaum noch ein Bürger an jene Zeiten erinnert, halten auch andere Bischöfe die Praxis staatlicher Alimentation für kirchliche Würdenträger nicht mehr für zeitgemäß.

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"Es sieht so aus, als würden wir vom Staat bezahlt", sagte der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller der SZ. Bei dem Geld handele es sich jedoch nur um die Renditen aus den im Jahr 1803 enteigneten Kirchengütern.

(Foto: ddp)

Die katholische Kirche in Bayern will deshalb so schnell es geht die Bezahlung der Bischöfe durch den Staat beenden und die Oberhirten durch die Bistümer selbst besolden lassen. Der Leiter des Katholischen Büros in Bayern, Lorenz Wolf, sagte der Süddeutschen Zeitung, er sei darüber bereits in Verhandlungen mit dem zuständigen Kultusministerium. "Das liegt uns auf dem Herzen. Aber wir können das nicht mit dem Hackebeil machen", sagte Wolf. Natürlich müsse es dann vom Staat Kompensationen geben. Kultusminister Ludwig Spaenle sagte, man sei bei der Bischofsbesoldung in Verhandlungen. "Dafür aber muss man kein Konkordat ändern. Und an so einer Änderung haben wir auch kein Interesse."

Der Freistaat zahlt den Bischöfen und leitenden Mitgliedern der Domkapitel der sieben bayerischen Bistümer jedes Jahr Gehälter in Höhe von 8,4 Millionen Euro. Ende 2009 verständigten sich die katholische Kirche und der Freistaat Bayern zumindest, dass die Kirche die Wohnungen der Bischöfe zurück erhält - gegen Leistungen von 14,5 Millionen Euro.

Offensichtlich will die katholische Kirche die verzwickten Beziehungen zwischen Kirche und Staat weiter entflechten. Ein erstes Treffen zwischen dem Vertreter des Katholischen Büros und den zuständigen Beamten im Kultusministerium gab es bereits. Im Herbst soll ein zweites stattfinden. Für die Verhandlungen über die Bischofswohnungen waren drei Jahre nötig, bei den Bischofsgehältern könnte es sich wieder hinziehen. "Der Teufel steckt im Detail", sagt Kirchenmann Wolf. Regensburgs Bischof hatte gesagt, in "fünf Jahren" könne man eine solche Regelung ordentlich hinbekommen. Denn immer muss auch der Vatikan in Rom zustimmen.

Die evangelische Kirche ist da schon weiter: "Unsere Kirche zahlt den Bischof selbst", sagt Kirchenrat Dieter Breit. Das wurde so im Staatskirchenvertrag von 1924 festgelegt. Der Freistaat zahle lediglich einen Zuschuss für die Kirchenleitung. Anders als bei der katholischen Kirche sind auch die Besitzverhältnisse an den Pfarrhäusern geregelt. "Unsere 1300 Pfarrhäuser gehören alle der evangelischen Kirche", sagt Breit - bis auf drei, und die werden auch demnächst von der Kirche übernommen. Bei den Kirchenbauten sei das anders. Da stehe die evangelische Kirche auf dem Standpunkt, dass zumindest die denkmalgeschützten Kirchen wie zum Beispiel Sankt Lorenz in Nürnberg auch vom Staat erhalten werden müssten.

Die Verteilung dieser sogenannten Baulast, also der Kosten für Erhalt und Renovierung der Kirchen, ist auch eines der schwierigen Themen bei den Katholiken. Die katholische Kirche löst nach und nach die Pfarrhäuser mit einer Pauschale aus dem Besitz des Staates ab und übernimmt sie. "Immer wenn ein neuer Pfarrer einzieht, übernehmen wir wieder ein Pfarrhaus", sagt Lorenz Wolf. Bei den Kirchen dagegen ist es wild gemischt: Manche evangelische Kirche gehört der Kirche, jeder katholische Dom dem Staat. Selten war es für Kirchenmänner schwerer, bibeltreu zu handeln, nach dem Jesus-Wort: Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist.

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