Katholische KircheSieben Bischöfe, sieben Temperamente

Einer trägt den Duft der 68er, einer gilt als sittenstreng - und dann gibt es noch den Strippenzieher aus München: Bayerns Bischöfe in Bildern.

Der Streitbare: Gerhard Ludwig Müller, Regensburg

Jüngst hat Regensburgs Bischof Müller wieder einmal seine Sicht der Dinge auf der Internetseite des Bistums dargelegt. "Willkommen im Club", ist die Meldung überschrieben. Danach ist Folgendes zu lesen: "Nach der sogenannten Initiative 'Wir sind Kirche', der NPD, der Frankfurter Rundschau und den Grünen ist jetzt auch die Priesterbruderschaft Sankt Pius X. dem illusteren Club derjenigen beigetreten, die den Rücktritt Bischof Gerhard Ludwig Müllers fordern."

Anlass für die lakonische Auflistung war der jüngste Vorwurf der rechtslastigen, ultrakonservativen Piusbruderschaft, Müller stelle christliche Glaubenswahrheiten in Frage. Die von ihm selbst dokumentierte "Gegnerschaft" zeigt indes deutlich: Müller streitet gern, und zwar mit allen über alles - und ist stolz darauf. Seit seinem Amtsantritt in Regensburg im Jahr 2002 rebellieren die Laien immer wieder gegen sein autoritäres Amtsverständnis, Kritik der Medien stellt der Bischof gerne in die Nähe von Nazi-Hetze.

In Vergessenheit gerät angesichts der überdrehten Konfliktbereitschaft, dass Müller in mancher Hinsicht nah an den Menschen ist. Seit seinen scharfen Protesten gegen rechtsextreme Veranstaltungen sind die Regensburger wachsamer geworden. Im Jahr 2007 half er mit, die Abschiebung einer syrischen Familie zu verhindern. Und die Theologie Müllers - mittlerweile Mitglied der vatikanischen Glaubenskongregation - ist, schaut man über die Entgleisungen gegen seine vermeintlichen Gegner hinweg, kirchenpolitischer Mainstream, manchmal sogar reformorientiert: Mit Gustavo Gutiérrez, dem Vater der Befreiungstheologie, veröffentlichte er 2004 das Werk "An der Seite der Armen".

hm

Bild: ag.ddp 27. Juni 2010, 14:022010-06-27 14:02:56 © SZ vom 26.06.2010/afis