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Vergleich:Harter Hobel gegen komfortablen Roadster

Audi TT oder der BMW Z 4 - welches Auto ist das bessere Sportcabrio? Welches ist also geeigneter für ausgiebige Touren an sonnigen Tagen? Ein Streitgespräch.

Felix Reek: Es gibt Autos, da setzt sich der Fahrer rein und weiß: Das passt. Hier fühle ich mich wohl. Genauso muss es sein. Nichts daran würde ich ändern. Beim Audi TT Roadster geschieht genau das. Tür auf und hineinkriechen. Er ist klein, eng, hart, der Hintern sitzt mehr oder weniger direkt auf der Straße. Keine überflüssigen Anzeigen, keine Wand aus Displays, auf denen getoucht, geswiped oder was auch immer getan wird. Das ist schließlich kein Smartphone, sondern ein Roadster. Motor anlassen, das Verdeck öffnen, los geht's.

Christina Kunkel: Wenn man aber im Audi TT Roadster auch nach mehreren Versuchen keine Sitzeinstellung findet, bei der Rückenschmerzen nicht programmiert sind, nützt das auch nichts. Früher war es vielleicht normal, sich bei der Fahrt über die Landstraßen bei jeder kleinen Unebenheit durchrütteln zu lassen. Heute nicht mehr. Selbst wenn die meisten Roadster eher Spaßautos sind, können sie durchaus mit der Zeit gehen. Gute Dämpfer haben noch keinem Auto geschadet. Wer einen alten, harten Hobel will, kann sich gleich einen Oldtimer kaufen. Der BMW Z4 hingegen, das ist ein Cabrio der Neuzeit. Natürlich sind auch seine Sportsitze keine Loungesessel, aber dennoch bequem. Und Touchdisplays haben durchaus Vorteile - wenn sie sinnvoll eingesetzt werden.

Audi TT Roadster, Copyright Audi, Online-Rechte frei.

Im Duell der Cabrios tritt der Audi TT Roadster an...

(Foto: Audi)

Reek: Gut, die Bedienung des Audi ist ein wenig fummelig. Alles wird über das Digital-Display gesteuert, das die Armaturen ersetzt. Selbst das Radio ist nicht an gewohnter Stelle. Das kostet Nerven. Bis irgendwann die Einsicht kommt: Hey, das ist ein Cabrio, ich wollte einen Ausflug in die Berge machen. Wenn ich Musik hören will oder Wert auf die Farbe der Ambiente-Beleuchtung lege, verbringe ich den Abend besser in einem Club.

Kunkel: Der ganze Innenraum-Kram ist eh vergessen, wenn der Motor des BMW Z4 startet. Das ist Musik! Auch wenn es nur ein Vierzylinder mit 258 PS ist, klingt er herrlich brummelig.

Reek: Bei brummelig denke ich vor allem an Johnny Cash und nicht an einen Roadster. Aber ja, der Z4 klingt eindeutig besser. Zumindest für den Fahrer. Die Nachbarschaft dürfte das laute Knallen des Zwischengases des BMW weniger euphorisierend finden. Ist das bei einem "Roadster der Neuzeit" wirklich noch nötig? Zumal der Klang bei beiden Autos aus dem Computer kommt. Der Z4 ist Ruhestörung auf Bestellung. Es geht doch ums Fahren! Das kann der TT, ganz ohne lautes Bollern und Fauchen. Es ist wie in einem Go-Kart, alles so schön direkt hier. Die Lenkung, die Bremse, die siebenstufige Automatik, so geht Roadster! Der BMW Z4 ist bei weitem nicht so agil. Irgendwie fühlt sich das Auto immer schwer an. Das war beim Vorgänger schon so. Dabei wiegen beide Roadster etwa gleich viel - um die 1,5 Tonnen.

BMW Z4 Roadster, Copyright BMW, Online-Rechte frei.

...gegen den BMW Z4 Roadster.

(Foto: Bernhard Limberger/BMW)

Kunkel: Man könnte auch sagen, der Z4 ist die bessere Kombination aus Fahren und Wohlfühlen. Sobald man mit dem Vierzylinder in die Kurve sticht, zeigt der BMW, was er kann. Die Lenkung ist wahnsinnig feinfühlig, man fährt wie auf Schienen. Gleichzeitig hat man nie das Gefühl, dass das Heck gleich wegrutscht. Der Z4 ist idiotensicher.

Reek: Das ließe sich auch über den Porsche 718 sagen. Den sieht BMW als eigentlichen Konkurrenten des Z4. Die Porsche-Kunden haben auch mehr Geld in der Tasche. Der Z4 kostet zum Beispiel mindestens 40 950 Euro, der TT 39 250 Euro. Mit ein paar Extras oder einem stärkerem Motor können beide schnell die 60 000-Euro-Grenze knacken. Das ist der Bereich, wo es beim Porsche 718 losgeht.

Kunkel: Geld dürfte bei diesen Autos eher eine untergeordnete Rolle spielen. Alltagsautos sind sie alle nicht. Das geöffnete Stoffdach des BMW Z4 nimmt zwar nicht allzu viel Platz im Kofferraum weg. Doch wo eh nicht viel ist, kann auch nicht mehr viel schrumpfen. 281 Liter kann man höchstens verstauen. Das sind gerade mal zwei mittelgroße Taschen. Und zwischen Kofferraum und Sitzen ist auch nicht wirklich viel Platz.

Reek: Beim TT sind es sogar nur 270 Liter. Aber das hat unseren Eltern auch gereicht, um in den Urlaub zu fahren. Heute ist das offensichtlich nicht mehr möglich. Es braucht ein zwei Tonnen schweres SUV mit Dachbox, um gen Süden zu reisen. Wir halten also fest: Spaß machen sie beide, für den Alltag taugen sie nur bedingt. Aber welches ist das bessere Auto?

Hinweis der Redaktion

Ein Teil der im "Mobilen Leben" vorgestellten Produkte wurde der Redaktion von den Herstellern zu Testzwecken zur Verfügung gestellt und/oder auf Reisen präsentiert, zu denen Journalisten eingeladen wurden.

Kunkel: Der Z4! BMW hat aus den Fehlern des Vorgängers gelernt - statt des unnötig schweren Blechdachs gibt es wieder ein Stoffmützchen. Und die Münchner haben gezeigt, dass es nicht unbedingt sechs Zylinder braucht, um Freude am Fahren zu vermitteln. Dazu ist der neue Z4 auch beim Interieur und dem Infotainment auf dem allerneuesten Stand. Hat man die Wahl zwischen dem neuen Z4 und dem Audi TT - der in seiner aktuellen Version seit 2016 auf den Markt ist - dann liegt der BMW vorne.

Reek: Der Z4 mag vielleicht schnittiger aussehen und irgendwie moderner, der TT ist trotzdem mehr Roadster, als es der BMW je sein wird. Argument Nummer zwei für den TT: Audi stellt den TT ein. Das ist die letzte Chance, ihn zu kaufen. Stattdessen soll es ein SUV mit faltbaren Verdeck geben - möglicher Name: "TTQ". Das braucht nun wirklich niemand.