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Fahrrad-Test Van Moof S3:Design oder nicht sein

Die Zielgruppe von Van Moof dürfte klar sein: Vor allem in Metropolen dürfte sich das Pedelec gut verkaufen.

(Foto: Van Moof)

Mit dem S3 will das niederländische Start-up Van Moof Großstädter aufs Pedelec locken. Doch das stellt manchmal Form vor Funktion.

Die Fahrradhändler können sich vor Nachfrage gerade kaum retten. Nachdem die Läden Corona-bedingt wochenlang geschlossen waren, kaufen die Deutschen jetzt wie wild Fahrräder, berichten Branchenvertreter. Wohl auch, weil viele den Weg zur Arbeit vorerst nicht mehr mit Bus und Bahn antreten wollen, sondern auf dem Rad - dann aber gern mit elektrischer Unterstützung. Wie passend, dass das niederländische Start-up Van Moof gerade die dritte Generation seiner Pedelecs vorgestellt hat.

Das S 3 und das technisch identische Schwestermodell X 3 richten sich gezielt an Städter, die jeden Tag zur Arbeit pendeln, dort aber nicht verschwitzt oder außer Atem ankommen wollen. Und die zugleich nicht sofort erkennen lassen wollen, dass mehr als nur Muskelkraft sie voranbringt. So sind bei Van Moof die Akkus und Steuer-Elektronik in den dicken Rohren des Rahmens verborgen, der Motor, kaum größer als ein gewöhnlicher Dynamo, sitzt an der Vorderrad-Nabe und unterstützt den Fahrer inzwischen fast geräuschlos. Kaum ein Summen verrät noch den E-Biker.

250 Watt leistet das Triebwerk in der Einstellung für den europäischen Markt. Zusammen mit den gut 500 Wattstunden im vollgeladenen Akku verspricht Van Moof damit eine Reichweite von bis zu 150 Kilometern. Ein Wert, der nach einigen Tagen Testfahrt durch die Stadt realistisch erscheint. Damit bietet das S 3 deutlich mehr Reichweite als ähnlich schicke Modelle wie etwa das E-Bike des belgischen Herstellers Cowboy. Und das zum selben Preis: knapp 2000 Euro.

Bessere Bauteile, günstigerer Preis

Mehr als 1000 Euro ist das S 3 damit billiger sein Vorgänger - obwohl viele Bauteile spürbar verbessert wurden. Die Scheibenbremsen arbeiten jetzt hydraulisch und packen dadurch noch besser zu. Und die alte mechanische Zwei-Gang-Automatikschaltung wurde durch eine elektronisch gesteuerte Vier-Gang-Automatik ersetzt. Bei Van Moof sind sie stolz darauf, dass sie alle Komponenten am Rad, von der Elektronik über die Mechanik bis hin zum Sattel, selbst entworfen und konstruiert haben. Die Fertigung der Komponenten und zum Teil auch die Endmontage sind ausgelagert. Deshalb und weil der Vertrieb fast ausschließlich übers Internet läuft, könne man die Räder günstiger anbieten.

Elektrofahrrad VanMoof X3

Die Akkus versteckt im Rahmen, der Motor kaum größer als ein gewöhnlicher Vorderrad-Nabendynamo: Das S3 verbirgt seine Pedelec-Gene.

(Foto: Van Moof)

Neben dem Preis trieb die Van-Moof-Gründer Taco und Ties Carlier vor allem an, dass sie nun bis ins Detail über das Aussehen ihrer Räder bestimmen können. Die beiden Brüder sind Designer, keine Ingenieure. Und ihr Aufwand hat sich gelohnt: Die Räder sind immer noch unverwechselbar mit dem markanten Ober- und Unterrohr und den integrierten Scheinwerfern. Trotzdem ist das S 3 gefälliger als seine Vorgänger, eleganter. Optisch wirkt es stimmig und feiner verarbeitet, die Leitungen sind besser versteckt, das Display sitzt im Oberrohr und liefert nur die nötigsten Informationen, vor allem Geschwindigkeit und Ladestand. Funktionen wie Licht, Schloss, Alarmanlage samt Ortung oder Fahrtenbuch werden vor allem über die App gesteuert. So stören weder Schalter noch Anbauteile die betont "cleane" Optik.

Weder weich noch hart

Wer so schön sein will, muss allerdings ein bisschen leiden. Auch auf dem Rad. So sind Lenkerstange und Vorbau inzwischen eins. Das sieht gut aus, allerdings lässt sich der Neigungswinkel des Lenkers nun auch nicht mehr einstellen. Und der Sattel passt in seinem Minimalismus zwar gut zum Rad, ist aber weder wirklich weich noch richtig hart und lässt sich in der Neigung nicht verstellen. Wer die passende Position so nicht findet, kann ihn aber nicht einfach tauschen, er ist fest auf der Sattelstütze montiert. Genauso wie die Akkus im Rahmen. Gibt es in der Garage oder im Keller keine Steckdose - was im S 3-Revier Großstadt ziemlich oft vorkommt - muss das ganze, 19 Kilogramm schwere Rad zum Laden in die Wohnung, schmutzig wie es ist.

Auch die Automatikschaltung ist Geschmackssache. Zwar kann der Fahrer in der App einstellen, bei welcher Geschwindigkeit geschaltet wird. Die Gänge krachen aber noch immer bisweilen unvermittelt und recht ruppig ins Pedal, vor allem dann, wenn gerade viel Zug auf der Kette liegt.

Freude macht am Van Moof dagegen nach wie vor der Motor: Der wurde für das S 3 noch einmal überarbeitet und hat nun mehr Drehmoment. Im Normalbetrieb unterstützt er sanft den Fahrer, immer gerade so viel, dass es entspannt, aber zügig vorangeht. So lange, bis er den kleinen Knopf rechts am Lenker drückt: den "Boost-Button". Der aktiviert schlagartig die volle Leistung, der Motor zieht dann mit 59 Newtonmetern so kräftig am Vorderrad, dass es auf losem oder nassem Untergrund schon mal leicht durchgehen kann. Ein bisschen Gefühl im "Gasfinger" ist also ratsam, soll es in der nächsten engen Kurve nicht plötzlich in Richtung Asphalt gehen. An der Ampel aber ist das S 3 damit kaum zu schlagen: Da lässt das Neue von Van Moof so ziemlich alle anderen hinter sich, sogar seine älteren Geschwister. Und das versüßt den Weg ins Büro dann tatsächlich.

Hinweis der Redaktion

Ein Teil der im "Mobilen Leben" vorgestellten Produkte wurde der Redaktion von den Herstellern zu Testzwecken zur Verfügung gestellt und/oder auf Reisen präsentiert, zu denen Journalisten eingeladen wurden.

© SZ vom 16.05.2020
Judith Prockl

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