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Scooter mit Strommotor:Die Idee

Im Dezember 2008 sitzt Patrik Tykesson, damals 26, mit zwei Freunden in einer Kneipe in Antwerpen und trinkt Bier. Tykesson ist mit dem BWL-Studium fertig, es gibt ein gutes Jobangebot. Aber eigentlich will er viel lieber ein Unternehmen gründen wie der Vater. Nur die Idee fehlt. Der Abend ist feuchtfröhlich. Irgendwann wird China zum Thema. Da fahren massenweise Elektroroller in den Städten herum, erzählt einer der Freunde, Schätzungen zufolge 140 Millionen. Warum nicht in Deutschland - eine Marktlücke?

Am nächsten Tag beginnt er, im Netz zu recherchieren. Er knüpft Kontakte zu Produzenten, fliegt schließlich einige Monate später nach China. Größtes Problem: Die chinesischen Roller sind hässlich, uncool. Ein Retrodesign muss her, wobei möglichst wenig Teile verändert werden dürfen, um den Preis nicht in die Höhe zu treiben. Ein befreundeter Designer hilft. Die örtlichen Banken geben Kredit. Dann nur noch der Name: Kumpan, wie der treue Begleiter. 1954, das Geburtsjahr seiner Eltern. Klingt irgendwie retro.

Zur selben Zeit wird in Darmstadt der Ökostromanbieter Entega Sponsor des Bundesligaaufsteigers Mainz 05. Öko ist hip. Klimaneutrales Erdgas, Strom ohne Atomenergie, das sind damals neue Ideen, mit denen man Kunden gewinnen will. Thomas Martin, 31, arbeitet im Marketing von Entega. Gerade hat das Unternehmen in einem Feldversuch Elektroroller an Testfahrer ausgeliehen, sehr erfolgreich. Die meisten wollten ihren Roller gar nicht wieder abgeben.

Martin und seine Kollegen bringt das auf eine Idee: Zu Marketingzwecken soll ein Elektroroller her. Im schicken Retrolook, made in Germany, alles öko. Zielgruppe sind Lifestyle-bedachte Großstädte. Entega beschließt, mehrere Millionen Euro zu investieren. Die Entwicklung übernimmt ein Automobilzulieferer aus Baden-Württemberg: Xtronic ist auf elektronische Systeme für Autos spezialisiert.

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