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Oldtimer-Fund im Schwarzwald:Rostiges Blech für Millionen

Immer wieder tauchen seltene Auto-Klassiker auf, die anscheinend von ihren Besitzern vergessen wurden. So wie dieser Lamborghini Miura, der in den vergangenen Jahrzehnten kaum seine Garage verlassen hat.

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Quelle: Peter Singhof ©2019 Courtesy of; RM Sotheby's

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"Scheunenfund" ist ein Begriff, bei dem Oldtimer-Fans zusammenzucken. Es ist das, wovon jeder Anhänger klassischer Automobile träumt. Einmal im Urlaub auf eine verlassene Garage stoßen, eine Fabrikhalle oder eben eine Scheune, die Tore öffnen, und Tada! - steht dort ein längst verschollener Ferrari, Jaguar oder Rolls-Royce.

So selten ist das übrigens nicht. Vor etwas mehr als einem Jahr berichtete eine US-Studentin auf dem Portal Reddit, wie sie beim Aufräumen des Gerümpels in der Garage ihrer Oma einen Lamborghini Countach und einen Ferrari 308 fand. Der Großvater hatte sich nach der Pleite seines Unternehmens geweigert, die Autos zu verkaufen. Im Januar dieses Jahres wurden 81 Oldtimer versteigert, die in Frankreich in einer Lagerhalle entdeckt wurden. Darunter Raritäten wie ein Jaguar E-Type oder ein Porsche 356 Coupé. Im März tauchte ein äußerst seltener Mercedes Flügeltürer bei einem Autohändler in Florida auf.

All diese Fahrzeuge eint: Meist sind sie in einem desolaten Zustand. Und wenn die Öffentlichkeit davon erfährt, ist es meist schon zu spät - die Autos sind bereits bei den üblichen Auktionshäusern gelandet. Wie zum Beispiel auch dieser Lamborghini Miura, der im Schwarzwald entdeckt wurde und den RM Sotheby's am 24. Oktober in London versteigert.

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Quelle: Peter Singhof ©2019 Courtesy of; RM Sotheby's

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Dort soll der Lamborghini Miura P 400 S, Baujahr 1969, nach dem Tod seines Besitzers mindestens drei Jahre gestanden haben. Davor nutzte der ihn nur für "gelegentliche" Ausfahrten. Was der Tachostand bestätigt: 29 020 Kilometer steht dort, gerade einmal 580 Kilometer pro Jahr.

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Quelle: Peter Singhof ©2019 Courtesy of; RM Sotheby's

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Was schade ist, gilt der Miura doch als einer der großen Sportwagenklassiker. 1966 in Turin vorgestellt, setzte er Maßstäbe bezüglich der Extreme, die ein Auto zu leisten vermag.

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Quelle: Peter Singhof ©2019 Courtesy of; RM Sotheby's

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350 PS produziert der quer hinter dem Fahrer eingebaute Zwölfzylinder. Was Konsequenzen hat: In der Fahrerkabine ist es nicht nur infernalisch laut, der Motor heizt zudem den Innenraum auf wie eine Sauna.

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Quelle: Peter Singhof ©2019 Courtesy of; RM Sotheby's

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Trotzdem war der Miura seiner Zeit weit voraus: Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 274 km/h begründete er die Ära der Supersportwagen. Einige Exemplare sollen sogar über 300 km/h schnell gewesen sein. Testfahrer Bob Wallace schaffte der Legende nach auf einem Autobahnabschnitt zwischen Mailand und Modena eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 268 km/h - im öffentlichen Verkehr wohlgemerkt. Eine lebensmüde Höllenfahrt, die heute wohl nur noch Entsetzen auslösen dürfte.

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Quelle: Peter Singhof ©2019 Courtesy of; RM Sotheby's

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Die Käufer schreckte das nicht ab, die rissen sich geradezu um den Sportwagen. Frank Sinatra und Dean Martin gehörten zum erlauchten Kundenkreis, Rod Stewart bestellte gleich zwei Exemplare. Was auch an den Werbe-Aktionen des Firmen-Chefs Ferrucio Lamborghini gelegen haben dürfte. Der fuhr 1966 mit dem Miura zum Formel 1 Grand Prix von Monaco und parkte direkt vor den Hotel de Paris. Der Menschenauflauf war so groß, dass fast der Verkehr zusammenbrach.

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Quelle: Peter Singhof ©2019 Courtesy of; RM Sotheby's

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Bei dem im Schwarzwald entdeckten Miura handelt es sich allerdings um die zweite Generation des Sportwagens, den P400 S. Der leistet mit 370 PS sogar noch 20 PS mehr als der Vorgänger.

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Quelle: Peter Singhof ©2019 Courtesy of; RM Sotheby's

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1971 kaufte ein deutscher Werbe-Manager den P400 S, behielt ihn aber nur drei Jahre. 1974 übernahm ihn ein Amateurrennfahrer aus dem Schwarzwald, der ihn nur gelegentlich fuhr. Über 40 Jahre blieb er in seinem Besitz, wurde von ihm penibel gepflegt, bis er 2015 verstarb. Das alles ist in den Papieren des Lamborghini detailliert dokumentiert, was den Wert des Sportwagens erhöht. RM Sotheby's erwartet einen Preis von bis zu 1,1 Millionen Euro.

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Quelle: Robin Adams ©2019 Courtesy of R; RM Sotheby's

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"Gepflegt" ist etwas, das sich von diesem Exponat nicht behaupten lässt. Die eigentliche blaue Farbe muss sich den Platz auf dem Bleck mit großen Rostflecken teilen, der Innenraum sieht aus, als habe eine Horde Marder darin einen Junggesellenabschied gefeiert. Trotzdem soll er bis zu 625 000 Euro bei seiner Versteigerung während der Monterey Car Week erzielen.

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Quelle: Robin Adams ©2019 Courtesy of R; RM Sotheby's

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Bei dem Oldtimer handelt es sich um einen raren Maserati 5000 GT aus dem Jahr 1961, von dem nur 35 Exemplare hergestellt wurden. Ein Luxus-Spielzeug der Superreichen. 70 400 D-Mark kostete es 1963, das siebzehnfache eines VW Käfers.

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Quelle: Robin Adams ©2019 Courtesy of R; RM Sotheby's

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Insgesamt bauten acht Karosseriebauer unterschiedliche Aufbauten für den Maserati 5000 GT, darunter berühmte Unternehmen wie Bertone, Pininfarina und Ghia, die jeweils nur ein Exemplar herstellten. Bei dem von RM Sotheby's versteigerten Maserati handelt es sich um das Unikat von Ghia.

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Quelle: Robin Adams ©2019 Courtesy of R; RM Sotheby's

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Die Idee zum Maserati 5000 GT hatte ursprünglich der Schah von Persien. Er liebte den bis 1966 gebauten 3500 GT, doch der war ihm nicht exklusiv genug. Er wünschte sich den V8-Motor aus dem Sportwagen 450 S, mit dem unter anderem Juan Manuel Fangio und Stirling Moss Rennen bestritten.

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Quelle: Robin Adams ©2019 Courtesy of R; RM Sotheby's

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Maserati erfüllte seinem wohlhabenden Kunden den Wunsch und baute die Luxusreihe zwischen 1959 und 1964. Bei dem Exemplar in Monterey handelt es sich um den neunten 5000 GT, der ausgerechnet für Ferdinando Innocenti entworfen wurde. Der hatte mit dem Lambretta-Motorroller für viele den preisgünstigen Einstieg in die Mobiltät möglich gemacht. Es gehört bis heute zu den meistgebauten Zweirädern der Welt.

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Quelle: Robin Adams ©2019 Courtesy of R; RM Sotheby's

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In den Siebzigerjahren kaufte der Auto-Sammler Rubayan Alrubayan den Maserati und importierte ihn nach Saudi-Arabien. Sonderlich viel schien er von dem Coupé nicht zu halten. Er parkte es die nächsten Jahrzehnte im Freien.

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Quelle: Robin Adams ©2019 Courtesy of R; RM Sotheby's

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Erst nach seinem Tod sorgten seine Erben für einen besseren Stellplatz. Da sah der Maserati allerdings schon so aus wie heute. Fast wäre er sogar in einer Schrottpresse gelandet, weil die Hinterbliebenen von Alrubayan keinen Käufer für das arg mitgenommene Coupé fanden. Diese Gefahr dürfte nun nicht mehr bestehen. In restauriertem Zustand ist der 5000 GT weit über eine Million Euro wert.

© SZ.de/cku

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