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Rolls-Royce 102EX:Geben Sie Strom, James!

Luxusflüsterer: Der Rolls-Royce 102EX macht im Fond genauso viel Spaß wie auf dem Fahrersitz. Schade eigentlich, dass die Briten eine Serienfertigung des einzigartigen Elektro-Kreuzers kategorisch ausschließen. Wir sind den E-Rolls zumindest einmal gefahren.

Werner Zagler macht sich keine Illusionen: "Der durchschnittliche Rolls-Royce-Kunde interessiert sich nicht so sehr für Technik", sagt der Entwickler. Zwar sind die Zeiten vorbei, als die PS-Leistung eines Rolls nur mit "ausreichend" angegeben wurde, doch Mylord und Mylady sind immer noch eher auf die Farbe des Leders oder die Maserung des Wurzelholzes neugierig als auf Motor und Getriebe. Dass im Maschinenraum genügend Kohlen für standesgemäßen Vortrieb parat stehen, ist für den Kunden ebenso selbstverständlich wie das reichliche Vorhandensein derselben auf dem eigenen Konto.

Rolls-Royce 102EX

Luxusflüsterer

So bleibt genügend Muße, das kastanienbraune Corinova-Leder zu ertasten und sich über die metallisch schimmernden Knöpfe zu freuen. Den Antrieb erlebt man eher nebenbei. Wenn man den Wahlhebel am Lenkrad auf D zieht, setzt sich der Wagen aus völliger Stille heraus in Bewegung.

Die Fahrt verläuft wie in Watte gepackt. Wenn man ein elektrisches Surren vernehmen möchte, muss man schon die Lüftung ausstellen und auf einer leeren Straße ohne Verkehrslärm aus dem Stand heraus Vollgas geben. Der Rolls schiebt sich in knapp acht Sekunden von 0 auf 100 Km/h. Im normalen Verkehrsgeschehen dringt nicht das kleinste bisschen Elektro-Sound durch die doppelverglasten Scheiben. Selbst beim Maximaltempo von 160 km/h bleibt der Wagen so stoisch ruhig und gefasst wie ein britischer Butler mit 50 Jahren Berufserfahrung.

Beim Gaswegnehmen und Bremsen gewinnt der Rolls Batterieenergie zurück. Mit einem Knopfdruck am Lenkrad kann man diese Rekuperation verstärken. Der Akku hat eine Kapazität von 71 kWh, das ist mehr als dreimal soviel wie bei den meisten gängigen Elektroautos. "Wir nutzen davon aber nur 56 kWh", sagt Rolls-Royce-Entwickler Stephan C. Schmidt. "Eine Vollladung bis in die letzte Spitze würde zuviel Energie benötigen, eine Tiefentladung wiederum könnte den Akku beschädigen", erklärt der Diplom-Physiker.

Bei einem Batteriestand von 30 Prozent schaltet das System daher in einen reduzierten Modus, bei 20 Prozent fährt der Wagen nicht mehr weiter. Die Reichweite in der Praxis beträgt knapp 190 Kilometer. Geladen wird per Stecker, doch auch eine kabellose Induktionsladung ist möglich: Man rollt auf dem Ladeplatz so weit vor, bis eine Lampe in der Mittelkonsole aufleuchtet. Der Tank-, das heißt: der Ladevorgang geschieht dann vollautomatisch. Der Chauffeur muss nicht einmal die weißen Handschuhe ausziehen.

230 Kunden der Nobelmarke haben das elektrifizierte Einzelstück 102EX bereits auf dem ganzen Globus Probe gefahren - in Peking, Singapur, Paris oder Genf. Allein deren Urteil ist für die Briten maßgeblich, ob ein Stromer mit der "Spirit of Ecstasy" auf der Haube überhaupt denkbar ist.

Rolls-Royce EX102

Strom für Emily