Rennstrecke Solitude Landstraßen-Rennstrecken sind rar geworden

Es gibt nicht mehr viele solcher Landstraßen-Rennstrecken in Deutschland, das Schleizer Dreieck in Thüringen zum Beispiel wird noch regelmäßig befahren; ansonsten ist Motorsport eine eher geschlossene Gesellschaft auf sehr sicheren Rundkursen abseits der Straßen. Immer stumpf im Kreis herum, wie Niki Lauda mal so schön gesagt hat.

Der letzte Formel-1-Grand-Prix in Solitude, 18.-19. Juli 1964: Jim Clark im Lotus 33 Climax führte im Regenrennen - und gewann.

(Foto: Imago)

Vielleicht erklärt das ein wenig die Sehnsucht nach solchen Anachronismen wie der Solitude. Und so gab es in diesem Jahr ein sogenanntes Revival auf der rund zwölf Kilometer langen Strecke durch den Glemswald, nach mehr als vier Jahrzehnten Pause. Mit Hunderten Autos, Oldtimern, Sport- und Rennwagen am Start, organisiert wurde das Ganze von dem 2001 gegründeten Solitude Revival Verein.

Ein Korso auf der Strecke feierte das Jubiläum "125 Jahre Automobil", und die Fahrer der Rallye "Bosch Boxberg Klassik" drehten auch ihre Runden auf dem Kurs. Es waren ein paar Tage wie in einer Zeitmaschine. Und wie das heute so ist, sind die ganzen Rennen festgehalten auf unzähligen YouTube-Filmen im Netz.

Plötzlich ist die Solitude wieder ein Begriff. Auch ein neues Buch feiert in diesem Herbst die alte Zeit in den schwäbischen Hügeln. Es heißt "Racing at Solitude 1949-1965". Es bietet eine Unmenge von Bildern und eigentlich fast überflüssig viele Zahlen, doch man kann nur schwer aufhören zu blättern, weil das Buch von Thomas Mehne (Petrolpics Verlag) Geschichte in Bewegung festhält. In jeder Kurve, an jedem Regen- und Sonnentag der Wettfahrten.

Zum Revival der Rennstrecke im Sommer dieses Jahres war alles abgesperrt; die Ampeln am Weg, sie waren ohne Bedeutung, an der Kurve hinter Start und Ziel standen Tausende Menschen, auch noch hinauf auf die kleine Anhöhe, die Elend heißt, waren sie mitgekommen. Sie standen hinter Strohballen, alles war so wie früher.

Nur dass hier in diesem Jahr keiner schneller als 80 Kilometer pro Stunde fahren durfte, nicht die alten Formel-1-Autos, nicht die Tourenwagen, die Motorräder und die Vorkriegsmodelle. So lautete die Vorgabe der Behörden, an manchen Stellen war sogar nur Tempo 40 erlaubt.

Es gab viel Kritik an der Entscheidung. Und es heißt, weitere Neuauflagen der Solitude-Rennen könnten daran scheitern, dass auf der Strecke nicht jeder so schnell fahren darf wie er will. Aber ist das wirklich wichtig? Wahrscheinlich ist der Streit um Geschwindigkeitsbegrenzungen einfach so klassisch deutsch, wie die alte Rennstrecke es ist.

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