bedeckt München
vgwortpixel

Pick-ups in den USA:Darf es etwas mehr sein: sechs Liter Hubraum

In solchen Boomzeiten darf es auch gern ein mächtiger Motor sein. So arbeiten unter den meisten Pick-ups noch immer riesige Achtzylinder-Benziner, teils mit Hubräumen von mehr als sechs Litern. Schließlich wollen drei Tonnen Gewicht (und mehr) souverän bewegt und ein cw-Wert, vergleichbar einer Schrankwand, erfolgreich gegen den Fahrtwind gedrückt werden. Ein Verbrauch von 20 bis 25 Liter auf 100 Kilometer wird dabei klaglos hingenommen.

Chevrolet rühmt sich auf seiner Internetseite, für den Silverado den "sparsamsten Achtzylinder zu haben, der jemals in einen Pick-up eingebaut wurde", ein 5,3-Liter-Small-Block. Verbrauch im entspannten Highway-Modus: 23 Meilen pro Gallone, das bedeutet 10,3 l/100 km. Drehmomentstarke und effiziente Dieselmotoren tauchen im Silverado-Programm nicht auf. Einzig Dodge, eine Marke von Chrysler, hat ein Selbstzündermodell im Programm. Wenigstens bei Konkurrent Ford bemüht man sich um klimatische Schadensbegrenzung und bietet den F150 auch mit Erd- und Flüssiggasantrieb an.

Den Ford F150 gibt es zumindest auch mit Erdgasantrieb.

Den Ford F150 gibt es zumindest auch mit Erd- und Flüssiggasantrieb.

(Foto: Ford)

Die US-Marken dominieren den Pick-up-Markt

Wie sehr der Pick-up-Markt von den vier US-Marken Ford, Chevrolet, GMC und Dodge dominiert wird, zeigen die Zulassungszahlen der Importeure. Toyota kommt mit seinem nicht minder mächtigen Tundra-Truck gegenüber Ford auf weniger als ein Sechstel. Ganz nach hinten durchgereicht wird der Nissan Titan, der es auf mickrige zwei Prozent im Vergleich zur F-Serie bringt. Autoexperten sehen den Grund in der überdurchschnittlich konservativen Klientel. Besonders in den zentralen US-Bundesstaaten steht man Importmarken wenig aufgeschlossen gegenüber. "Buy American" gehört dort zur unerschütterlichen Lebensphilosophie.

Dies registriert man auch in Wolfsburg. Und hält sich daher zurück, den Amarok in Amerika anzubieten. Nicht nur weil der VW-Laster von der Größe her - immerhin 5,25 Meter lang - eine Klasse tiefer angesiedelt ist und im sogenannten Midsize-Truck-Segment fährt. Deren Verkaufskurve zeigte in den vergangenen Jahren kontinuierlich nach unten. General Motors versucht nun, diese Klasse wiederzubeleben und zeigte jüngst auf der Los Angeles Auto Show den "all-new 2015" Chevrolet Colorado, modellpolitisch so etwas wie der kleine Bruder des Silverado. Der Colorado kommt im Herbst 2014 zu den Händlern (erstmals auch mit Diesel). Bei Erfolg könnten andere nachziehen, auch Volkswagen.

Bis zu neun Personen passen in einen Supersize-SUV

Tröstlich, dass die Autobauer wenigstens im SUV-Segment das Downsizing-Prinzip weiter vorangetrieben haben. Das jahrzehntelange Motto "Bigger is better" scheint etwas an Dynamik zu verlieren. Klar, es gibt sie noch, die ganz dicken Brocken vom Schlage der Cadillac Escalade, Ford Expedition, Lincoln Navigator, GMC Yukon oder Chevrolet Suburban, die heute die einst beliebten Großkombis (Estates) aus den 60er- und 70er-Jahren ersetzen. Manche der Supersize-SUV können bis zu neun Personen transportieren sowie vier Tonnen schwere Hänger hinter sich herziehen. Es wundert daher wenig, dass Medien in den USA Modelle wie den Porsche Cayenne oder VW Touareg nur als "Compact SUV" einstufen.

Doch immer mehr Amerikaner scheinen die Zeichen der Zeit zu erkennen und wechseln zu kleinen Sport Utility Vehicles - auch zu jenen der Importeure. So liefern sich bei den Neuzulassungen derzeit Honda mit dem CR-V jeden Monat ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem Ford Escape (in Europa: Kuga) um die Pole-Position. Beide kommen auf jeweils knapp 300 000 Einheiten pro Jahr. Weit abgeschlagen: die deutschen Hersteller. Der dem Escape vergleichbare VW Tiguan schafft gerade einmal ein Zehntel davon, weniger als ein Kia Sportage. Das reicht für Rang 124 (November). Den größten Gefallen finden die Amerikaner nach wie vor am BMW X5 und an der Mercedes M-Klasse. Ein wenig mag da sicher auch zu beitragen, dass die beiden Premium-SUV in den USA gebaut werden.