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Concours d'Lemons:Gegendemo der Auto-Zombies

Oldtimer-Gegenveranstaltung in Pebble Beach

Diese Rostlaube wurde bei der Oldtimer-Gegenveranstaltung in Pebble Beach präsentiert.

(Foto: Georg Kacher)

Am Pebble Beach in Kalifornien werden jedes Jahr im August die schönsten und teuersten Oldtimer gezeigt. Nicht weit davon entfernt treffen sich die Fans von Rostlauben zur Gegenveranstaltung.

Selten und wertvoll müssen die Autos sein, die Mitte August beim Schaulaufen in Pebble Beach nahe San Francisco präsentiert und prämiert werden. Gleich um die Ecke setzt der Concours d'Lemons einen kuriosen Kontrapunkt zum Hype der Hautevolee. Die Superreichen ersteigern per Handbewegung einen ganz besonderen Ferrari für knapp zehn Millionen Euro und feiern den Kauf anschließend in der Viert-Villa direkt am Strand. Die anderen nächtigen im Camper, lassen den Boulevard der auf Hochglanz polierten Eitelkeiten links liegen und pilgern stattdessen am Samstagmorgen nach Seaside zum Concours d'Lemons, wo sich Skurrilitäten auf zwei Beinen und vier Rädern ein Stelldichein geben. Manchmal tun es auch nur zwei Räder, wie im Fall von Doug Flaherty, der seinen Triumph-Eigenbau mitgebracht hat - inklusive zwei Handvoll Salz des Salzsees in Bonneville, in dem sich der 70-Jährige über die vollen zwei Meilen im Sattel seiner Blackline Custom hielt. "Das Salz war zu weich. Deshalb waren 88 Meilen pro Stunde das Höchste der Gefühle. Aber wenigstens kein Abwurf..."

Andrea Enthal ist das dritte Mal mit von der Partie. Für 2019 hat sich die Dame eigens ein Kleid genäht, das mit Motiven ihres 1960er Ford Edsel bedruckt ist. Der Edsel war ein legendärer Flop: "Nur die eigene Mutter kann dieses Autos lieben", sagt Andrea Enthal und fischt nach dem dritten Donut. "Meine Mutter hat die resedagrüne Limousine damals neu gekauft, und ich würde mich für kein Geld der Welt von dem Wagen trennen." Gleiches behauptet William Hughes von seinem 73er "Vomit Comet", für dessen Kür er und seine Frau Phoebe sich stilgerecht in Schale geworfen haben. Der Spitzname "Vomit Comet" trifft den Nagel auf den Kopf, denn diese Rostlaube würde jedem TÜV-Beamten nachhaltig auf den Magen schlagen. Noch extremer ist der nicht einmal ansatzweise als Nissan Altima erkennbare Zombie Response Bomber von Benjamin Brandt im Fortnite-Outfit und Freundin Suzie mit den lila Haaren. "Ich fahre mit dem Ding jeden Tag in die Arbeit", erzählt Captain Crazy. "Kürzlich hatten wir links vorne, wo jetzt der Totenkopf sitzt, einen kleinen Crash. Der Nissan hat sich kurz geschüttelt, der BMW war Schrott."

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Der Concours d'Lemons parodiert den Concours d'Elegance. Während samstags der Eintritt frei ist, kostet die Parade am Sonntag ohne Kost und Logis mindestens 800 Dollar. Was beide Veranstaltungen eint, sind die aufgebrezelten Preisrichter in Blazer und Panamahut. Im Gegensatz zur Profi-Jury in Pebble Beach interessiert sich die Zitronen-Polizei nicht einmal ansatzweise für Originalität und Erhaltungszustand. Statt dessen gibt's aus dem Bauch heraus zum Beispiel die volle Punktzahl für einen waidwunden Yugo, der über Außenlautsprecher den Marschfehl von Josip Broz Tito in Endlosschleife unters Volk bringt. Durchaus angetan waren die Prüfer auch vom flächendeckend mit Flokati ausgelegten Dodge-Van samt achteckigem Holzlenkrad und Henry-Moore-Schaltknauf. Ein weiterer Kandidat für die Trophäe der übelsten Karre auf dem Platz war der "Robot Transporter" auf Basis eines altersschwachen Packard. Der im Schutzanzug angetretene Kommandant Asher Schlusselberg wurde nicht müde, das Volk mit verzerrter Stimme vor "jederzeit austretender Radioaktivität" zu warnen - großes Kino auf kleinem Raum.

Ein Hauptsponsor der Anti-Establishment-Treffens, das sich permanent selbst auf die Schippe nimmt, ist Meguiars. Der Lackpflege-Hersteller verleiht seinen Sonderpreis nur an Exponate, die mangels Lack jenseits jeder Pflegestufe rangieren. In diesem Jahr ging die Plakette an einen durchgängig vergilbten VW Karmann Ghia. Auch Hagerty, Amerikas größter Versicherer klassischer Automobile, macht für die Show der Seltsamkeiten regelmäßig eine Handvoll Dollar locker. Der Gründer des Kuriositäten-Kabinetts, ein gewisser Alan Galbraith, ist inzwischen auf den Geschmack gekommen und hat seine Guerilla-Events an vier weiteren Orten etabliert. Für Nachschub ist gesorgt, "aber die wirklich grottigen Autos werden leider immer seltener. Deshalb suchen wir aktuell gezielt nach Detroiter Fehlfarben wie Eagle Premier, Buick Rendezvous oder Cadillac Cimarron. Auch fragwürdige Sonderkarosserien werden gerne genommen - dieses Jahr ist das eine Mercedes SSK-Stretchlimousine auf Basis eines dreimal verlängerten Ford Pick-Up. Je verrückter, desto besser".

Auf den Schärpen der Juroren, die sich in Grüppchen ihren Weg durch den Jurassic Car Park bahnen, prangt in großen goldenen Lettern die Botschaft "Bestechungsgelder werden gerne angenommen". Den übelsten Rostkübeln droht der kauzige Platzwart augenzwinkernd die sofortige Quarantäne an, eine eigene Kategorie ist diesmal dem "selbstgefälligsten KrauttenWagen" gewidmet (es gewinnt ein ausgeweideter Bitter SC), in der Klasse "der unnötig komplizierten Italo-Autos" schießt der auf LaFerrari getrimmte Pontiac Fiero mit Fake-V12-Motor den Vogel ab, unter dem "Blech, für das England sich schämen sollte" sticht ein vom Zahn der Zeit zernagter Triumph GT6 hervor. Der große Preis für unmögliches Tuning geht an Phil und Susan Carey, die in ihren einst vierzylindrigen AMC Pacer einen fünfmal so starken Corvette-Achtzylinder transplantiert haben. Warum? "Weil der Gesichtsausdruck der anderen beim Ampelstart unbezahlbar ist."

Die seit 2006 grassierende Zitronitis schlägt immer neue Kapriolen. Besonders populär ist das 24-Stunden-Rennen mit Autos, die nachweislich nicht mehr als 500 Dollar gekostet haben dürfen. Für die Teilnehmer des 2019er Lemons LeMans ist in Seaside Halbzeit. Nach 300 Meilen durch die bis zu 40 Grad heiße Wüste in seinem für 300 Dollar erstandenen Hudson Commodore löscht Tim Deuce erst mal einen aufflackernden Vergaserbrand, füllt in etwa die gleiche Menge Öl und Benzin nach, beantwortet den fragenden Blick des Beobachters mit einem knappen Hinweis auf seine Mitgliedschaft bei der Befreiungsbewegung für Langhub-Kolben (#pistonliberationfront). Nein, man muss nicht verrückt sein, um den Auftritt der Korrosions-Chaoten gut zu finden. Aber es hilft.

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