Neues Kältemittel Fahrzeuginsassen und Helfern drohen schwerste Verletzungen

Gravierend sind nicht nur das drohende Feuer im Fahrzeug, sondern auch der hochgiftige Fluorwasserstoff, der sich während der Brandversuche bildete. Bei dem eingangs geschilderten Test wurde die Windschutzscheibe der Mercedes B-Klasse großflächig verätzt. Die Fahrzeuginsassen oder Helfer würden bei einem realen Unfall schwerste Verletzungen riskieren. Vergleichbare Experimente mit dem bisherigen Kältemittel R134a hatten keine Entflammung oder Bildung von ätzendem Giftgas zur Folge.

Der Hersteller von R1234yf hält die Bedenken für übertrieben: "Umfassende und umfangreiche Studien, die in Europa, den USA und Japan durchgeführt wurden, kamen übereinstimmend zu dem Schluss, dass R1234yf für die Verwendung in Kraftfahrzeugen sicher ist", betont Ian Shankland, der bei Honeywell Performance Materials and Technologies für die Entwicklung des neuen Kältemittels verantwortlich ist.

Aufgrund der alarmierenden Testergebnisse hat das Kraftfahrt-Bundesamt die Autohersteller allerdings aufgefordert, Nachweise für die Unbedenklichkeit des neuen Kältemittels vorzulegen. Mercedes hat die Einführung von R1234yf bereits gestoppt. Weitere Hersteller wie Toyota schließen den Einsatz der Chemikalie bei den meisten Modellen ebenfalls aus. Allerdings erhalten seit dem 1. Januar 2011 nur diejenigen Fahrzeuge eine Typgenehmigung, deren Klimaanlagen mit einem umweltfreundlichen Kältemittel befüllt sind.

Der ADAC spricht sich ohnehin für Kohlendioxid als besonders umweltfreundliche und sichere Alternative zur Kühlung aus. Mit umfangreichen Versuchen hatte der Automobilclub bereits 2008 nachgewiesen, dass CO2 als Kältemittel praxistauglich ist. Allerdings stufen US-amerikanische Behörden Kohlendioxid als atemhemmenden Stoff ein, der in Folge eines Unfalls in den Fahrzeuginnenraum gelangen könnte. Deshalb hatte sich die deutsche Automobilindustrie zunächst dem internationalen Votum für R1234yf angeschlossen.