Neue Vorwürfe gegen den ADAC:Per Rettungsflieger in den Urlaub

Lesezeit: 3 min

ADAC Zentrale München

Die Schlagzeilen über den ADAC reißen nicht ab. Im Bild: Die Fassade der Deutschland-Zentrale des ADAC in München.

(Foto: dpa)

Was tun, wenn man das Flugzeug in den Urlaub verpasst hat? Den ADAC rufen! Das funktioniert, zumindest für eine hochrangige Managerin des Vereins. Die schickte offenbar ihren Sohn mit dem Ambulanz-Jet nach Ägypten.

Von Felix Reek

Der eigentliche Job des ADAC ist es, Menschen in Not zu helfen. Daran sollte man vielleicht erinnern - denn die Schlagzeilen, die gar nicht mehr abreißen wollen, sprechen eine andere Sprache über das Selbstverständnis des größten Automobilclubs Europas. Fast jeden Tag tauchen neue Vorwürfe auf, immer tiefer rutscht der Verein in die Negativschlagzeilen. Der neueste Fall: ein Privatflug mit einem der Ambulanz-Jets des "Aero-Dienstes".

Am Dienstagabend hatte "Frontal 21" berichtet, aber nur Hintergründe genannt. ADAC-Präsident Peter Meyer erklärte in dem ZDF-Magazin, dass "die erforderlichen Konsequenzen" gezogen worden seien. Die betreffende Person habe demnach im Februar 2013 ihre Kündigung eingereicht.

"Bild" legte heute mit den Details nach, inklusive Privat-Foto der Beschuldigten und ihrem Kündigungsschreiben. Die damalige Geschäftsführerin der ADAC-Service-Gesellschaft soll 2012 ihren Sohn und seinen Freund mit dem Rettungsflugzeug in den Urlaub geschickt haben. Die beiden hatten kurz zuvor ihre Maschine nach Ägypten verpasst. Die Jets des "Aero-Dienstes" transportieren sonst weltweit medizinische Notfälle.

Präsident Meyer kündigt "grundlegende" Reformen an

Die öffentliche Reaktion des ADAC ist, wie in den vergangenen Tagen auch, die Ankündigung von Reformen. Präsident Peter Meyer erklärte, dass diese "grundlegend" sein müsse, um "die aktuellen Schwachstellen beheben zu können". Man sei "von den aktuellen Ereignissen tief betroffen und überzeugt, dass nur ein umfassendes Maßnahmenpaket die Glaubwürdigkeit des ADAC wieder herstellen kann". Die Struktur des Vereins und dessen wirtschaftliche Aktivitäten wolle man überprüfen, die Mitglieder mehr einbinden. In einer außerordentlichen Hauptversammlung im Mai in Saarbrücken, der ersten seit 1948, solle die Neuausrichtung beschlossen werden.

Die Zweifel indes mehren sich, ob Meyer, der seit 2001 Präsident des ADAC ist, dieser Reformer sein kann. Bereits 2004 hatte das "Manager Magazin" unter dem plakativen Titel "Moloch ADAC - die zweifelhaften Geschäfte des Automobilclubs" kritisiert, dass Meyer wisse, dass der ADAC moderner werden müsse, die vorhandenen Pläne zur Verbesserung der Struktur der Organisation aber nicht umsetze. Rücktrittsforderungen, wie die von Renate Künast in der "Stuttgarter Zeitung", ignoriert Meyer bisher.

Zuletzt war auch der Präsident in die Kritik geraten, weil er Rettungshubschrauber des ADAC für dienstliche Aufträge nutzte. "Die Präsidiumsmitglieder sind als offizielle Organe dazu berechtigt", erklärte er dem "Stern". Das sei "in den letzten zehn Jahren weniger als 30 Mal von Mitgliedern des Präsidiums in Anspruch genommen" worden. An diesem Mittwoch berichtete das Magazin, dass nicht nur die Präsidiumsmitglieder sondern auch die 18 Vorsitzenden der Regionalclubs mit den gelben Rettungshubschraubern abhoben. Der ADAC räumte ein, das sei "im Zusammenhang mit der Außendarstellung der Luftrettung" möglich gewesen. "Allerdings nicht, um damit von A nach B zu fliegen."

Transparenz ist alles?

Es knirscht an allen Ecken und Enden in der Struktur des ADAC. Mit jedem neuen Vorwurf leidet das Ansehen des Vereins. Obwohl die Schwachstellen des Automobilclubs, seine Nähe zur Industrie, sein Lobbyismus seit Jahren bekannt sind, scheint erst jetzt der breiten Öffentlichkeit bewusst zu werden, wie marode das System ADAC ist. Auf der einen Seite die Pannenhelfer mit ihrer unermüdlichen Arbeit, auf der anderen Seite die Funktionäre, die etwa 18 Millionen Mitglieder nutzen, um politischen Druck auszuüben, indem sie sich selbst zum Sprachrohr der deutschen Autofahrer erklären. Getrennt werden sollen diese Bereiche offenbar nicht.

Auf Facebook verkündete Präsident Peter Meyer: "Dass der ADAC vorrangig ein leistungsstarker Automobilclub sein muss, der für die Interessen seiner Mitglieder eintritt, gleichzeitig aber auch ein erfolgreiches, unabhängiges Wirtschaftsunternehmen, ist für uns unabdingbar." Der ADAC müsse nur transparenter werden.

Die passende Antwort bekam er dort umgehend von einem seiner Mitglieder in Anspielung auf die jüngsten Ereignisse: "Ich würde gern für heute Nachmittag einen Hubschrauber bestellen. Das macht ihr ja auch, habe ich gehört?! Mein Auto ist nämlich in der Werkstatt und ich habe keine Lust auf Öffis. Kurze Rückmeldung wäre gut, wann ihr da sein könnt!"

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB