Neue Enthüllungen:Millionenschulden bei Tochterfirma des ADAC

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Der ADAC bestreitet die Anschuldigungen des Insiders vehement. Es gäbe verschiedene Stufen der Qualitätssicherung, erklärt ein Sprecher, so würden dreimal bei verschiedenen Händlern Reifen geordert, um zu verhindern, dass man auf Spezialanfertigungen treffe. Zuletzt kaufe man kurz vor der Veröffentlichung des Tests noch einmal nach, um Manipulationen vorzubeugen. Es sei hochgradig unwahrscheinlich, dass ein Hersteller all dies erfahre, und dann auch noch seine Produktion daraufhin umstelle.

Was der ADAC einräumt, ist, dass die Hersteller über das sogenannte Testdesign informiert sind. Wie die nächsten Reifentests aussähen, würde nicht vom ADAC allein entschieden, sondern von allen Kooperationspartnern im Testkonsortium, darunter die Stiftung Warentest und andere europäische Automobilclubs, per "Mehrheitsbeschluss". Allerdings erführen die Hersteller genau nicht, für welche genaue Reifengröße man sich entscheide, insofern sei auch an dieser Stelle "Manipulation ausgeschlossen", erklärt ein Sprecher des ADAC.

Aber nicht nur die Reifentests setzen dem ADAC weiter zu. Am Mittwochabend wurden im ARD-Politmagazin "Report Mainz" auch Vorwürfe anderer Art publik. Danach hat der ADAC bei seinem Versuch, in der Türkei ein weiteres Standbein zu gründen, vor allem eines hinterlassen: Millionenschulden.

Der ADAC hatte 2008 eine Tochterfirma in der Türkei gegründet und über externe Dienstleiter eine eigene Flotte mit Pannenhelfern aufgebaut. Die Idee war, türkische Autofahrer langfristig für einen eigenen türkischen Automobilklub zu gewinnen, einen ADAC Türkei sozusagen. Allerdings blieb es bei der Idee: Im Jahr 2010 ging die türkische Tochterfirma pleite. Die ADAC-Partner gerieten in Existenznot. Eine Reihe von ihnen behauptet nun "Report Mainz" zufolge, ihnen seien über Monate Rechnungen nicht mehr bezahlt worden. Etwa zehn Millionen Euro sollen offen sein.

Besondere Brisanz erhält die Sache, weil der ohnehin angeschlagene ADAC-Präsident Peter Meyer persönlich involviert gewesen, oder zumindest seit Jahren Bescheid gewusst haben soll. Meyer soll die Türkei-Expansion mit betrieben haben.

"Report Mainz" liegt ein Brief vor, den Meyer 2011 an die türkische Botschaft schrieb. Darin bestreitet er nicht, dass es offene Forderungen gebe, gleichzeitig gibt er an, er sehe "keinen Weg zu einer Regulierung der Verbindlichkeiten." Außerdem seien türkische Mitarbeiter mitverantwortlich für die finanziellen Probleme. Der ADAC lässt dazu erklären: "Wir bedauern ..., dass türkische Unternehmen aufgrund der Insolvenz der ADAC Service A. S. Forderungsausfälle zu beklagen haben." Die Vorwürfe würden derzeit von "unabhängigen, externen Prüfern untersucht und aufgeklärt".

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