Nach tödlichem Unfall Tesla: Autopilot hielt Lastwagen-Anhänger für hohes Schild

Verbraucher und Industrie sind vom ersten tödlichen Unfall mit einem selbstfahrenden Auto verunsichert. Nun muss sich der betroffene Hersteller Tesla rechtfertigen.

(Foto: dpa)
  • In Florida starb im Mai der Fahrer eines Tesla Model S bei einem Verkehrsunfall, bei dem der Autopilot eingeschaltet war.
  • Dass das Fahrassistenz-Systems nicht reagierte, liegt Tesla zufolge daran, dass es den Lastwagen mit einem hochhängenden Schild verwechselte.

Nach dem ersten tödlichen Unfall mit einem vom Computer gesteuerten Auto rücken die Fähigkeiten des Fahrassistenz-Systems "Autopilot" von Tesla in den Mittelpunkt. Am Freitag war bekannt geworden, dass im Mai der Fahrer eines Tesla mit eingeschalteter Autopilot-Funktion bei einem Zusammenprall mit einem Lastwagen ums Leben gekommen war. Der Elektroauto-Hersteller erklärte am Wochenende, das System habe den querenden Lastwagen-Anhänger, unter den der verunglückte Tesla raste, für ein hochhängendes Straßenschild gehalten.

"Bei diesem Unfall führte die hohe weiße Seitenwand des Anhängers zusammen mit einer Radar-Signatur, die der eines hochhängenden Straßenschilds sehr ähnlich war, dazu, dass keine automatische Bremsung ausgelöst wurde", heißt es in einer Stellungnahme des Unternehmens. Tesla greife mit seinem "Autopilot"-System auf eine Kombination von Technologien verschiedener Anbieter zurück, um Hindernisse auf der Fahrbahn zu erkennen. Bei dem Umfall im Mai haben diese offenbar nicht korrekt ineinandergegriffen.

"Autopilot" macht Autos nicht zu selbstfahrenden Wagen

Der Fahrer eines Tesla Model S kam im Mai bei einer Fahrt mit eingeschaltetem Autopilot in Florida ums Leben. Das hat die US-Verkehrsaufsichtsbehörde NHTSA bestätigt. Der Wagen des Mannes kollidierte mit einem Lastwagen. Nach Angaben der Polizei traf die Unterkante des Anhängers die Windschutzscheibe des Tesla. Der Wagen sei zunächst weitergefahren, kam dann jedoch von der Fahrbahn ab und traf einen Strommast.

Tesla hatte stets betont, dass das "Autopilot"-System seine Fahrzeuge nicht zu selbstfahrenden Wagen mache, sondern nur ein Fahrassistenz-System sei, bei dem die Fahrer jedoch den Verkehr im Blick behalten sollten. Zugleich gab es im Netz seit der Einführung des Systems im vergangenen Herbst immer wieder Videos zu sehen, auf denen Fahrer sich mit anderen Dingen beschäftigten.

Die amerikanische Verkehrsaufsicht NHTSA untersucht jetzt das "Autopilot"-System. Ziel sei es, herauszufinden, ob das technische System wirklich kontinuierlich eingeschaltet gewesen sei, wie Tesla am Wochenende bekannt gab, oder ob es möglicherweise zu einem Ausfall gekommen war.

Die Autopilot-Funktion ist bei den Model S-Fahrzeugen standardmäßig ausgeschaltet. Tesla-Chef Elon Musk hatte in der Vergangenheit mehrfach erklärt, dass es sich um eine Betaversion handele. Die Fahrer werden dazu aufgefordert, das Lenkrad nicht loszulassen. "Der Autopilot wird zunehmend besser, aber er ist nicht perfekt und bedarf eines Fahrers, der aufmerksam ist", heißt es im Blogbeitrag.

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