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Nach fast zehn Jahren Bauzeit:Türkei eröffnet Bahntunnel unter dem Bosporus

Das Marmaray-Projekt verbindet Europa und Asien: 56 Meter unter dem Meer hat die Türkei den ersten Transkontinental-Tunnel der Welt eröffnet. Vorerst können die Fahrgäste allerdings nur mit der S-Bahn zwischen den Kontinenten pendeln.

Nach mehr als neunjähriger Bauzeit sind Europa und Asien jetzt durch einen Bahntunnel auf dem Meeresgrund verbunden. Die türkische Regierung und internationale Ehrengäste haben das als "Jahrhundertprojekt" bezeichnete Bauwerk in Istanbul eingeweiht. Die Fahrtzeit zwischen den beiden Kontinenten beträgt nur vier Minuten. Die Züge der "Marmaray"-Verbindung sollen bis zu 75.000 Menschen pro Stunde durch den Bosporus befördern.

Der Tunnel durchquert die Meerenge in 56 Metern Tiefe und auf einer Länge von 1,4 Kilometern. Er soll dazu beitragen, den Verkehrsinfarkt in Istanbul abzuwenden. Zu dem Projekt gehört eine Schienenstrecke quer durch Stadtteile auf beiden Kontinenten. "Marmaray war 150 Jahre lang ein Traum und ist nun wahr geworden", sagte der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan bei der Zeremonie.

Fernverkehr von 2015 an

Zunächst soll an der Unterquerung der Meerenge eine S-Bahn in Betrieb gehen. Von 2015 an soll der Tunnel auch für den Fernverkehr von Zügen genutzt werden und dann die erste normalspurige Verbindung zwischen Europa und Asien sein. Das 13,6 Kilometer lange Bauwerk - wovon 1,4 Kilometer unter Wasser verlaufen - zählt zu den weltweit größten Infrastrukturprojekten der vergangenen Jahre. Die türkische Regierung hofft, den Bahntunnel später als Teil einer "eisernen Seidenstraße" betreiben zu können, über die Verkehr zwischen China und Europa laufen könne.

Das "Marmaray"-Projekt kostete mehr als 2,5 Milliarden Euro und wurde von einem japanisch-türkischen Konsortium verwirklicht. Der Tunnel ist nach Angaben der Konstrukteure auch bei schweren Erdbeben noch sicher, woran unabhängige Experten allerdings zweifeln. Istanbul ist stark erdbebengefährdet. Der Bau des Tunnels verzögerte sich um mehrere Jahre, weil bei Arbeiten an U-Bahnhöfen wichtige archäologische Funde gemacht wurden.

"Marmaray" ist ein Kunstwort aus Marmara, dem in den Bosporus übergehenden Binnenmeer, und "ray", dem türkischen Wort für Gleis. Zur Eröffnung des Tunnels reiste auch der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe an. Siemens lieferte die gesamte Signal- und Leittechnik für "Marmaray". BASF steuerte ein Zusatzmittel für einen Spezialbeton bei.