Motorrad-Helfer bei Radrundfahrt Kleine Wehwehchen und große Dramen

Sanitäter im Einsatz bei der BR-Radltour 2018

(Foto: M. Völklein)

1000 Radler strampeln eine Woche lang quer durch Bayern, Stürze sind an der Tagesordnung. Acht Helfer des Arbeiter-Samariter-Bundes sind ständig in Bewegung, um den Unfallopfern zur Seite zu stehen.

Von Marco Völklein

Ein paar Kilometer vor dem kleinen Örtchen Frontenhausen knarzt es im Funkgerät. "Ein Sturz", meldet ein Polizist. Und gleich darauf schaltet sich Motorradsanitäter Andreas Täuber ein: "Ich bin vor Ort." Einsatzleiter Michael Kunzmann und seine Kollegin Franziska Hahn im Einsatzleitwagen arbeiten sich trotzdem möglichst schnell an den vielen Radfahrern vorbei nach vorne. Um dem Kollegen und dem Gestürzten rasch zu Hilfe zu eilen.

1100 Radfahrer sind bei der BR-Radltour unterwegs, einmal quer durch den Freistaat führt die Tour, organisiert vom Bayerischen Rundfunk. In diesem Jahr startete sie in Mühldorf in Oberbayern, am Freitag endete sie nach 475 Kilometern im unterfränkischen Marktheidenfeld. Mit dabei sind auch acht ehrenamtliche Helfer vom Arbeiter-Samariter-Bund (ASB). Sie sorgen dafür, dass Unfallopfer nach einem Sturz schnell versorgt werden. Dass Menschen mit Kreislaufproblemen geholfen wird. Oder dass nach einem Wespenstich ein kühlendes Gel aufgetragen wird. Sie sind also für kleine Wehwehchen da wie auch bei den großen Dramen.

In weniger als 90 Sekunden am Unfallort

Wichtig ist dabei, dass sie mobil sind. Schließlich rollen die Radler mit einem Durchschnittstempo von 20 Kilometer pro Stunde quer durch Bayern. Kommt einer zu Fall, halten die anderen nicht an. Die ASB-Helfer teilen sich daher auf: Zwei Personen fahren in der Regel im Rettungswagen dem Feld hinterher, ebenso die Notärztin in einem Pkw und ein weiterer Retter. Etwa in der Mitte des Radlerfeldes halten sich Kunzmann und Hahn im Einsatzleitwagen auf. Und im vorderen sowie im hinteren Bereich des Feldes ist jeweils ein Helfer des ASB auf einem Motorrad unterwegs. So können die Retter locker im Pulk der Radler mitschwimmen, aber auch schnell bei einem Teilnehmer sein, sollte der unterwegs Hilfe benötigen. Von "Eintreffzeiten von weniger als 90 Sekunden" spricht dann auch Einsatzleiter Kunzmann. "Das ist sensationell."

Als Kunzmann und Hahn kurz nach dem Funkspruch den gestürzten Mittfünfziger übernehmen, eilt denn auch Motorradsanitäter Täuber gleich wieder weiter. Blut tropft dem Gestürzten von der Stirn, er scheint benommen und hat Hautabschürfungen an Beinen und Armen. Professionell versorgen Hahn und Kunzmann seine Wunden, kurz darauf kommt auch noch Notärztin Dorothea Hartmann dazu. Gemeinsam laden sie den Patienten in den Rettungswagen, an einem Punkt entlang der Radlerstrecke ein paar Kilometer weiter vereinbaren sie ein Treffen mit einem örtlichen Rettungswagenteam vom Roten Kreuz. Das bringt den Patienten in die Klinik nach Dingolfing. Nur in besonders akuten Fällen, etwa wenn jemand reanimiert werden muss, fahren die ASB-Leute den Patienten direkt in die Notaufnahme eines Krankenhauses. "Ansonsten bleiben wir bei den Radlern", sagt Kunzmann.

Motorradsanitäter Täuber ist da schon längst wieder losgedüst, hält den Anschluss ans Radlerfeld. Sollte dort ein weiterer Zwischenfall passieren, könnte er eingreifen. Ausgerüstet sind auch die Motorradhelfer mit allem, was man als Retter so braucht: Beatmungsgerät, Verbandsmaterial, Infusionen, Pulsoximeter und Defibrillator. Auch andere Organisationen wie die Johanniter und das Rote Kreuz unterhalten solche Staffeln. Die Motorradretter sind nicht nur bei Veranstaltungen gefragt: Regelmäßig absolvieren sie an den Ferienwochenenden Streifendienste auf stark frequentierten Autobahnabschnitten. Und sind dort in vielen Fällen schneller bei einem Unfall als der reguläre Rettungsdienst.

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