Mini Superhelden sollt ihr sein

Fünf Modelle soll es bei Mini weiterhin geben: den Clubman, den klassischen Mini (im Bild), ein SUV, ein Cabrio und einen noch nicht näher definierten "Joker".

(Foto: bild@me.com; BMW Group)

BMW will die Modellvielfalt beim Mini reduzieren. Stattdessen sollen es jetzt "Superheroes" richten. Das besondere Flair der Marke, so die Angst der Manager, könnte ansonsten verloren gehen. Denn weniger Autos verkaufen will man natürlich nicht.

Von Thomas Fromm

"Superheroes" sind in der US-amerikanischen Comic-Literatur jene Figuren, die nicht nur über übernatürliche Kräfte verfügen. Meistens sind sie auch die Guten im Duell mit dem Bösen. Spiderman, Superman, Batman - kuriose Helden im ewigen Kampf gegen Aliens, Gangster, Nazis und andere Dämonen. Wenn ein BMW-Vorstand also von "Superheroes" spricht, sagt das auch schon eine Menge über seine Autos und die Welt als solche aus. Peter Schwarzenbauer, in München zuständig für die Marke Mini mit zurzeit sieben Modellvarianten, sagt also folgenden Satz: "Wir werden uns künftig auf fünf Superheroes konzentrieren." Eigentlich hätte er auch sagen können: Wir haben zu viele Modelle, zwei davon lassen wir jetzt mal sein.

Man hatte sich daran gewöhnt, dass es immer mehr Minis gab, dass Minis immer größer wurden, und im Konzern war längst die Rede davon, dass man genauso gut auch zehn statt der sieben verschiedenen Varianten machen könne. Aber Schwarzenbauer hat Angst, dass die alte urbritische Marke, die seit 2001 zu BMW gehört, irgendwann ihr besonderes Flair verlieren könnte. Oder, wie die Marketing-Leute bei BMW sagen: Dass man die Marke "verwässert".

Was es in Zukunft geben soll, liegt auf der Hand: die Familienkutsche Clubman, einen über vier Meter langen Geländewagen wie den Countryman, den klassischen kleinen Mini, einen Cabrio - und, so heißt es bei BMW, einen "Joker". Was das sein könnte, bleibt offen - ein sportlicherer Mini, ein Kleinwagen, sogar ein Bus sei im Gespräch. Fest steht nur: Nicht mehr als fünf Superhelden bis zum Jahr 2020 - aber die müssen es dann bringen.

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"Ich glaube, dass wir in der Autoindustrie zu oft in Volumen denken"

Man könnte es so interpretieren: Schwarzenbauer, der Philosoph der Superheroes, will den Sack nun zu machen. Lange Zeit hatte man in München überlegt, ob mit der Marke Mini nicht doch noch viel mehr geht - Hauptsache Wachstum, Hauptsache Absatz. Alle möglichen Coupés, Roadster, Limousinen. So wie es andere Autokonzerne mit ihren Modellen vormachen. Nicht alle bei BMW sahen es offenbar so wie der Mini-Chef, hinter den Kulissen wurde lange um die richtige Zukunftsstrategie gerungen. Der, der sich am Ende durchsetzte, sagt nun: "Ich glaube, dass wir in der Autoindustrie zu oft in Volumen denken."

Das heißt nicht, dass man jetzt weniger Autos verkaufen will. Gerne würde er mehr Minis verkaufen als die gut 300 000 vom vergangenen Jahr. Aber profitabel soll es sein, und die Marke klar erkennbar. Und ob man dann 400 000 oder 500 000 Minis verkaufe - zweitrangig.

Es geht um die Geschichte eines Autos. Mini, so Schwarzenbauer, sei eine der wenigen Marken, die keine "Hierarchien" darstelle und kein "Statussymbol" sei, sondern ein "Spiegelbild der Gesellschaft". Superhelden aus der Mitte der Gesellschaft sozusagen.