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Mercedes S-Klasse:Innovation mit Makel

Die neue Luxuslimousine spricht, sie erkennt die Körpersprache, sie verwandelt die Fahrbahn in ein Navigationssystem. Nur sonderlich umweltfreundlich ist die S-Klasse noch immer nicht.

Von Felix Reek

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Weltpremiere der neuen S-Klasse von Mercedes-Benz

Quelle: dpa

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Es ist schon beeindruckend, was die neue S-Klasse alles kann. Sprechen, selbst fahren, die Insassen vor Gefahren warnen. 77 Seiten lang ist allein die Presseinfo zur Luxuslimousine, um all das zusammenzufassen, was das Flaggschiff des Daimler-Konzerns ab Dezember seinen Kunden für eine sechsstellige Summe bieten wird. Entsprechend stolz und breit grinsend posierte Vorstandsvorsitzender Ola Källenius bei der Premiere am 2. September neben der Limousine.

Daimler: Eröffnung der 'Factory 56'

Quelle: dpa

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Vorgestellt wurde die S-Klasse in einer völlig neuartigen Fabrik, dem gar nicht so heimlichen Star der Premiere. Die Bilder der "Factory 56" zeigen Arbeitsplätze wie aus einem Science-Fiction-Film. Über ein eigenes 5G-Netzwerk sind alle Maschinen und die Menschen, die an ihnen arbeiten, miteinander verbunden. Das gilt auch für weitere 30 Werke und rund 2000 Zulieferer.

Weltpremiere der neuen S-Klasse von Mercedes-Benz

Quelle: dpa

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Ein Teil des Stroms wird über Solarfelder auf dem Dach produziert und in umfunktionierten Autobatterien gespeichert. So soll die Factory 56 ein Viertel weniger Strom verbrauchen als die anderen Daimler-Werke.

Lewis Hamilton in der neuen S-Klasse

Quelle: Daimler AG

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Das kann allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass es bei der S-Klasse einen Makel gibt. Aktuell gibt es nur Benziner und Diesel. Bereits der kleinste Motor, der S350d mit 286 PS, stößt mindestens 169 Gramm CO2 pro Kilometer aus. Das Topmodell S500 mit 500 PS 181 Gramm CO2. Der europäische Flottengrenzwert in diesem Jahr liegt für beide in unerreichbarer Ferne: Er beträgt 95 Gramm CO2 pro Kilometer.

Der Plug-in-Hybrid, der bis zu 100 Kilometer rein elektrisch schaffen soll, folgt erst im nächsten Jahr, ebenso wie die neue vollelektrische Luxuslimousine EQS, die auch in der Factory 56 produziert wird. Das bedeutet aber nicht das Ende für noch größere Spritfresser: Eine S-Klasse mit V8-Motor ist ebenso bereits bestätigt wie eine 5,50 lange V12-Maybach-Limousine. Da passende Testimonial dazu hat Mercedes bereits: Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton.

Innenraum der neuen S-Klasse

Quelle: Daimler AG

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Die zur Markteinführung fehlenden elektrischen Varianten sind umso ärgerlicher, angesichts all der technischen Möglichkeiten abseits des Antriebs, die Mercedes mit der S-Klasse präsentiert. Wer im Inneren Platz nimmt, wähnt sich im Verkaufsraum eines Tablet-Herstellers. Bis zu fünf Bildschirme gibt es in der siebten Generation der Limousine. Im Fond alleine sind es bis zu drei Displays. Zwei sind an den Rückenlehnen der Vordersitze befestigt, in der Mittelkonsole sitzt ein Tablet, das als Fernbedienung fungiert.

Cockpit der neuen S-Klasse

Quelle: Mercedes-Benz AG - Global Commun; Daimler

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Der Fahrer vorn blickt auf den mittlerweile Standard gewordenen Digital-Tacho in der Oberklasse. Das Zentraldisplay, das die meisten Funktionen steuert, ist nun wie bei Tesla und Volvo hochkant ausgerichtet.

S-Klasse: Front-Display im Cockpit

Quelle: Mercedes-Benz AG - Global Commun; Daimler

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Eigentlich wird das aber kaum noch benötigt. Der bekannte Sprachassistent wurde verbessert und versucht sich nun als Mercedes' Variante von Apples Siri. Er reagiert auf indirekte Befehle wie "Mir ist kalt" und beantwortet Fragen zu Allgemeinwissen. Oder einfach, wo sich der Verbandskasten im Auto befindet.

Das alles ist Teil des sogenannten MBUX, kurz für "Mercedes-Benz User Experience". Die umfasst auch eine Interpretation der Körpersprache des Fahrers. Blickt der über die Schulter gen Heckscheibe, öffnet das System das Sonnenrollo. Sucht er im Dunkeln etwas auf dem Beifahrersitz, geht das Licht an. Sicherheitsfunktionen gehören ebenso dazu: Erkennen die Sensoren beim Aussteigen einen Radfahrer, der sich von hinten nähert, blinkt die Innenraumbeleuchtung rot auf.

S-Klasse: Scheinwerfer projizieren Symbole auf die Fahrbahn

Quelle: Daimler AG

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Doch damit geht es in der neuen S-Klasse erst los. Über die Frontscheibe zieht sich gegen Aufpreis ein bis zu 77 Zoll großes Display mit Augmented-Reality-Inhalten. Das projiziert zum Beispiel Informationen des Navigationssystems wie Abbiegepfeile direkt auf die Fahrbahn.

Die Scheinwerfer besitzen eine ähnliche Funktion. Sie können fehlende Fahrbahnmarkierungen und Warnsymbole auf die Straße strahlen. Radfahrer und Fußgänger, die im Dunkeln verborgen sind, ortet das System und macht sie mit einem Scheinwerfer erkennbar.

Mercedes-Benz S-Klasse, V 223, 2020  Mercedes-Benz S-Class, V 223, 2020

Quelle: Daimler AG

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Eine weitere Sicherheitsfunktion ist unter anderem ein System, das einen Seitenaufprall voraussieht. Es hebt das Fahrwerk bei einer drohenden Kollision um acht Zentimeter an, so dass die Energie in den stabileren Unterboden geleitet wird. Eine Weltneuheit im Automobilbau sind Airbags im Fond. Sie öffnen sich aus den Rückseiten der Vordersitze.

Mercedes-Benz S-Klasse, V 223, 2020  Mercedes-Benz S-Class, V 223, 2020

Quelle: Daimler AG

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Selbst steuern muss der Besitzer einer S-Klasse übrigens nur bedingt. Die Limousine verfügt über autonomes Fahren auf Level 3, das heißt, der Fahrer muss zwar in der Lage sein, das Lenkrad zu übernehmen, darf aber auf der Autobahn beispielsweise Zeitung lesen. Zumindest theoretisch. Erlaubt ist das System erst ab Sommer 2021. Bis zu einer Geschwindigkeit von 60 km/h. Wenn es weder schneit, noch Eis auf der Fahrbahn ist. Im Prinzip handelt es sich zur Zeit also um einen ziemlich teuren Staupiloten.

Weltpremiere der neuen S-Klasse von Mercedes-Benz

Quelle: dpa

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Gewachsen ist die Luxuslimousine natürlich auch. Sie misst jetzt 5,18 Meter, in der Langversion, von der die meisten Exemplare abgesetzt werden, 5,29 Meter. Fahren soll sich sie trotzdem wie eine A-Klasse. Die Hinterachse lenkt mit und verkleinert den Wendekreis um zwei Meter. Beim Einparken schlägt sie um bis zu zehn Prozent gegenläufig ein. Gerade in Großstädten mit begrenztem Angebot an Stellplätzen ein nicht zu unterschätzender Vorteil. Der bei den Dimensionen der neuen S-Klasse auch dringend nötig sein dürfte.

© SZ.de/cku

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