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Leslie Mandoki:Ein Mann für alle Klänge

Sehnsucht nach Freiheit / Ein Film von Leslie Mandoki

Leslie Mandoki arbeitet seit vielen Jahren als "Musical Director" für die Marken von Volkswagen und komponiert neben der Musik für Präsentationen auch Fahrzeug-Klänge.

(Foto: Red Rock Production)

Für die Deutschen wird Leslie Mandoki wohl immer der Mann in den bunten Hosen in "Dschinghis Khan" bleiben. Er komponierte aber auch das Fahrgeräusch der neuen Elektroautos von VW. Ein Besuch in seinem Studio am Starnberger See.

"Sssssssssss", schallt es aus den Lautsprechern eines Privatkinos am Starnberger See. Ein flirrender Klang, leicht und luftig, zugleich mit einer gewissen Schwere. Dann: "Sssssswwwwwwww" Die Tonhöhe verlagert sich, das Geräusch klingt langsamer. Es erinnert an Science-Fiction-Filme, Raumschiffe, die zur Landung ansetzen, die Zukunft. Leslie Mandoki lehnt sich zufrieden im Sessel zurück. Er hat diesen Sound komponiert. Zwei Wochen allein haben er und sein Team daran gearbeitet, alte Synthesizer ins Studio geschleppt, um die richtige Klangästhetik zu schaffen. Das Ergebnis mit einer Antenne in verschiedene Autos übertragen, sind um den Block gefahren, um die kurze Sequenz erneut anzupassen. Viel hängt von diesem Klang ab. Es ist das Fahrgeräusch des neuen VW ID3. Das Auto, das den Elektroantrieb endlich im deutschen Massenmarkt etablieren soll.

Für Mandoki ist es eine erstaunliche Entwicklung. Die Deutschen kennen den Mann mit dem markanten Hufeisenbart und den langen Haaren vor allem als Mitglied des Ralph-Siegel-Projekts Dschinghis Khan. 1975 flüchtet der gebürtige Ungar durch einen Eisenbahntunnel von Jugoslawien nach Österreich, will aber weiter über Schweden in die USA. In Dänemark wird er aufgegriffen, abgeschoben und landet wieder in Deutschland. Im München der späten Siebzigerjahre will der Schlagzeuger als Studiomusiker durchstarten. Die Schwabinger Szene floriert, die Rolling Stones haben hier aufgenommen, Freddy Mercury lebt in der Stadt. Siegel bietet ihm einen Job in seiner Truppe an, Mandoki hofft, dass er im Gegenzug ein Jazzrock-Album aufnehmen kann. Dafür muss er sich in grelle Kostüme zwängen und Tanzchoreografien einstudieren. Der Erfolg überrascht ihn: Dschinghis Khan belegen 1979 den vierten Platz beim "Grand Prix Eurovision de la Chanson", die erste Single ist vier Wochen auf Platz eins der deutschen Charts. Er selbst nennt die Zeit in der Band einen "Ausrutscher", einen "sozialen Abstieg". Über Jahre hinweg schickte er Journalisten vorab ein Fax, in denen er ihnen einbläut, keine Fragen zu diesem Thema zu stellen. Heute sieht er das gelassener. Er tourte um die Welt und konnte überall Kontakte knüpfen. Was sich für seine späteren Engagements als Vorteil erweisen sollte.

Dschinghis Khan bei einem Auftritt 1979

Leslie Mandoki bei einem Auftritt mit Dschinghis Khan 1979.

(Foto: picture-alliance / Jazz Archiv)

Ziemlich beste Freunde

"Hier bin ich mit meinem Freund Phil Collins, hier mit meiner Soulsister Chaka Khan, hier mit meinem Freund Michail Gorbatschow, hier mit Markus Söder, bei seinem Besuch in unseren Studios...", sagt Leslie Mandoki, während er durch seine Red Rock Studios führt, auf Bilder zeigt, alles dahin genuschelt in einem beiläufigen Ton, als habe er das schon viele hunderte Male getan. Es ist schnell klar, er ist ein Kontakter, einer, der gut mit Menschen kann, der weiß, wie wichtig Netzwerke sind. Das zahlt sich 2001 aus, als in seinem Studio das Telefon klingelt: "Ich sitze hier mit Jennifer Rush, ich nehme sie gerade auf, produziere damals meinen Freund Lionel Richie, da ruft der Vorstandsvorsitzende von Mercedes an", erzählt Leslie Mandoki, vornübergebeugt auf der Couch seines Büros mit Blick auf den See. So in etwa beginnen viele seiner Geschichten. Als wären sie nur ein glücklicher Zufall.

Jürgen Hubbert sucht einen Song für die Premiere des neuen SL in Hamburg. "Emotionalisierung" heißt das im Werbesprech. Musik für ein Auto, das ist Neuland für den Schlagzeuger. Aber weil Lesli Mandoki eben Lesli Mandoki ist und Lionel Richie gerade auch im Studio, schreibt er für den Soul-Star und die deutsche Sängerin Juliette das Duett "The One". Fünf Tage später ruft Audi an. Sie wollten auch etwas von dieser "Emotionalisierung". Und so wird Mandoki zum Hauskomponisten des Volkswagen- und Audi-Konzerns. Jobtitel: "Musical Director".

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"Meine Generation muss sich schämen"

Mandoki schreibt die Musik zu Produktvideos, für Präsentationen, er komponiert eine Sinfonie zum 100-jährigen Jubiläum von Audi, spielt Konzerte mit vielen seiner berühmten Freunde. Bis der Abgasskandal 2015 aufliegt. VW hat über alle Baureihen hinweg mithilfe einer Software seine CO₂-Werte manipuliert. "Natürlich ist man enttäuscht über solche Dinge", sagt er. Seine Tochter ist Umweltschützerin, engagiert sich unter anderem im Hambacher Forst, er selbst beschäftigt sich auf dem neuen Album seines Projekts "Soulmates" mit den Folgen des Klimawandels. Zur Fridays-for-Future-Bewegung sagt er: "Meine Generation muss sich schämen, dass unsere Kinder das jetzt einfordern müssen." Trotzdem führt er sein Engagement für Volkswagen weiter. Einer der Gründe sei der neue Chef Doktor Herbert Diess, dessen Namen er immer genauso ausspricht, mit seinem vollen akademischen Titel: "Doktor Herbert Diess". Der sei ein "großartiger Intellektueller", "die Personifizierung der Integrität". Mandoki wiederholt das Mantra-artig im Laufe des Gesprächs. Er unterstützt Diess' Plan das Unternehmen auf die Produktion von Elektroautos auszurichten. "Ich will Teil dieses Wandels sein", erklärt Mandoki.

Doch zuerst hat Diess noch eine andere Aufgabe für die Red Rock Studios. "Dazu müssen wir nach draußen gehen", sagt Mandoki. Wieder vorbei an den dicht mit Fotos behangenen Wänden, Jack Bruce, Al Di Meola, die No Angels, Ian Anderson von Jethro Tull, Peter Maffay. Er schließt seinen Audi A8 auf, setzt sich hinein. Mandoki dreht die Anlage auf, eine kurze Begrüßungsmelodie ertönt gewaltig aus den Boxen. Eine "Qualitätsanmutung" nennt das der Musiker, sie signalisiert, "Ich bin angekommen". Für Mandoki ist es nicht weniger anspruchsvoll als das Komponieren seiner eigenen Lieder: "Das ist wie das Schreiben eines Popsongs", erklärt er. "Es muss beim ersten Mal hängen bleiben." "Ein akustisches Logo", nennt es das Marketing. Die kurze Sequenz entscheidet mit, ob sich der Kunde im Auto wohl fühlt und daraus resultierend - ob er es kauft. Es wird bald in jedem neuen Audi ertönen.