Telematik-Tarife bei Kfz-Versicherungen Durch das selbstfahrende Auto wird es weniger Schäden geben

"Die Autos sammeln schon heute sehr viele Daten und künftig noch mehr", sagt HUK-Coburg-Vorstand Klaus-Jürgen Heitmann. "Jetzt stellt sich für die Versicherer die große Frage, ob sie mit der Nutzung dieser Daten die Risiken noch besser einschätzen können." Ähnlich argumentiert sein Konkurrent Alexander Vollert, Vorstand bei der Allianz. "Der eCall wird 2018 europaweit eingeführt, dafür wird viel Technologie im Auto verbaut", sagt Vollert. Die könne man nutzen. "Damit satteln die Telematiktarife auf dem eCall auf, also auf dem Sicherheitsaspekt."

Noch ein anderer Trend lässt die Autoversicherer unruhig werden: die Automatisierung der Autos. "Es wird eine Weile dauern bis zum vollautomatischen Auto", sagt Christian Mumenthaler, Vorstand beim Rückversicherer Swiss Re, dessen Experten sich intensiv mit dem Thema befassen. "Möglicherweise kommt es 2030", erwartet er. "Aber in der Zeit bis dahin wird es einzelne Automatisierungsschritte geben, wie das autonome Fahren auf der Autobahn", sagt Mumenthaler. "Der Autopilot kommt."

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Die Daten zeigen, ob der Fahrer oder das Auto verantwortlich ist

Die Folge: Der Schadenaufwand geht zurück, Swiss Re erwartet bis 2035 einen Rückgang der Unfallzahlen um mehr als 70 Prozent. Entsprechend sinken die Prämien. "Gleichzeitig wird die Telematik eine gewaltige Bedeutung bekommen", sagt Mumenthaler. So wird nach einem Unfall mit Hilfe der Telematik-Daten entschieden, ob der Fahrer selbst oder sein halbautomatisches System für den Schaden verantwortlich ist - und damit auch, wer zahlen muss: Der Autoversicherer oder der Haftpflichtversicherer des Herstellers. Mancher Versicherer dürfte gar nicht in der Lage sein, diese Veränderungen mitzumachen. "Wir erwarten, dass es neue Anbieter geben wird", sagt Mumenthaler. "Sie werden 30 Prozent bis 50 Prozent unter den normalen Preisen liegen."

Im ersten Schritt heißt es jetzt, Erfahrungen zu sammeln. Da bieten sich die jungen Fahrer an. "Das Segment der Fahrer unter 25 Jahren ist sehr unfallträchtig", sagt Allianz-Manager Vollert. Junge Menschen seien eher bereit, gegen Rabatte Daten über ihr Fahrverhalten preiszugeben.

Das Thema Datenschutz wird immer unwichtiger

Ohnehin scheint der Datenschutz, bislang das wichtigste Gegenargument sowohl bei vielen Versicherern als auch bei Verbraucherschützern, an Bedeutung zu verlieren. "Wir sehen auch eine zunehmende Akzeptanz in der Bevölkerung generell, was das Thema Datenschutz angeht", sagt Vollert, und das heißt wohl: Es ist dem Kunden schnuppe. Immerhin kommt die Allianz dem Kunden entgegen, sie informiert nach eigener Aussage immer aktiv darüber, welche Daten sie wie nutzt.

Wie schnell der Markt dreht, darüber sind sich die Experten uneinig. Barbara Schick, Vorstand bei der Versicherungskammer Bayern, ist skeptisch: "Die Pilotprojekte sind noch nicht sehr überzeugend." Schick bezweifelt, dass Kunden solche Tarife heute schon in großem Umfang annehmen würden. "Aber letztendlich entscheidet der Kunde, und wenn der es will, sind wir jederzeit handlungsfähig."