Genfer Autosalon "Sie dürfen nie das machen, was alle machen"

"Als wir anfingen, groß ins Billigsegment einzusteigen, meinten viele: ,Ah, jetzt macht der auf billig'", sagt er. "Die lagen falsch. Sie dürfen nie das machen, was alle machen. Und wenn, dann müssen Sie der Beste sein, vor allem bei den Kosten." Irgendwie hatte er da schon den richtigen Riecher. Billig, sagen die Autoexperten, geht gut, vor allem in Schwellenländern. Genauso wie teuer. Wie Porsche, Audi, BMW oder Mercedes. Nur in der Mitte, da drückt es. Da, wo die europäische Mittelschicht einkauft. In Japan verehren Sie ihn, dort hat er eine Manga-Rolle bekommen, eine Comicfigur. Darunter geht es in Japan nicht, wenn einer wie er den heimischen Autohersteller Nissan aufgepäppelt hat.

Jetzt aber hat der Manga-Held Probleme. Renaults Absatz in Europa war 2012 eingebrochen. Es ist in Europa auch die neue Konkurrenz, die ihm zu schaffen macht. Die Koreaner von Hyundai verkaufen in Frankreich von Jahr zu Jahr mehr Autos. Und es sind auch seine Marktanteile, die da Tag für Tag wegrutschen. Wie viele Autobauer werden die Krise in Europa überleben, wie viele nicht? "Keine Ahnung. Aber Sie können wetten, dass es weniger werden." Natürlich wird er nicht dabei sein, wenn es kracht. Viele Kollegen reden in diesen Tagen über die Krise, über ihre Absatzprobleme, über Rabattschlachten, die außer Kontrolle sind. Preiskrieg? Ghosn bleibt cool. "Rabatte waren schon immer da, das ist doch nichts Neues. Sie müssen Ihre Kosten wettbewerbsfähig halten, dann werden Sie damit fertig. Preiskriege gehören zu unserem Geschäft."

Zuletzt tauchte er mit seinem Freund, dem Daimler-Chef Dieter Zetsche, beim Pariser Autosalon auf. "Willkommen zur Carlos- und Dieter-Show", sagte er. Stuttgarter und Franzosen-Japaner wollen zusammen kleine Vierzylindermotoren entwickeln. Wie immer, wenn so unterschiedliche Autokonzerne wie Daimler und Renault so etwas machen, geht es ums: Sparen. Und hier irgendwie auch um: die Carlos- und Dieter-Show.

90 Minuten Autos, Europa und die Welt

90 Minuten dauert ein Abendessen mit Carlos Ghosn. Mehr Zeit hat er nicht, und mehr Zeit braucht er auch nicht. Französische Krise? "Jedes Land hat seine Traditionen und Gewohnheiten." Euro-Krise? "Es gibt zurzeit keine Balance zwischen Sparen und Wachstum." Die Elektroauto-Offensive von Renault: "Der Film hat gerade erst begonnen." 90 Minuten Autos, Europa und die Welt. Das Problem vieler Manager ist: Sie laden zum Essen ein und reden viel. So viel, dass sie am Ende nichts mehr essen und nichts mehr trinken können. Am Ende sind die Aufnahmegeräte der Journalisten voll. Die Teller aber auch.

Ghosn ist da anders. Er isst, und zwar mit Vergnügen. Tartare de crevettes, Filet de boeuf, Parfait, Kekse. Er trinkt Rotwein. Während die anderen fragen, arbeitet er sich konzentriert an seinem Teller ab. In die Pausen dazwischen schiebt er seine Antworten.

Renault 5 wird 40

Ein Großer unter den Kleinen