Flugchaos in Europa:Alle Geschwindigkeit hat sich nivelliert

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In ein paar Tagen wird sich die Summe der ausgefallenen Flüge in Europa auf rund 80.000 summiert haben. Nach nur sechs Tagen Flugstillstand sind Bus und Bahn, auch die wenigen Fähren, die in Europa eingesetzt werden können, hoffnungslos an ihren Kapazitätsgrenzen angelangt. Der Eurostar, der den Ärmelkanal unterquert und sonst zuverlässig unterhalb jeglicher Rentabilitätsgrenzen unterwegs, ist auf Wochen hinaus völlig ausgebucht.

Europas Mobilitätsquerelen haben die Euphorie des technisch Machbaren auf den Boden der Nachhaltigkeit geholt. Ein einziger Vulkan hat gereicht, um alle Geschwindigkeit zu nivellieren.

Dass der erzwungene Stopp vieler Aktivitäten so gewaltsam wirkt, hat auch mit den Gegebenheiten der Gegenwart zu tun: Nie zuvor waren Menschen mit solchen Geschwindigkeiten unterwegs, nie zuvor konnten so viele Menschen gleichzeitig miteinander kommunizieren, nie zuvor mussten Menschen so viele Dinge auf einmal tun, nie zuvor war auch die Wirtschaft so sehr vernetzt.

Das heißt natürlich auch: Es gibt keinen Weg zurück. Damit steht fest, dass wir unsere Mobilität in Zukunft anders steuern, vernetzen und organisieren müssen. Erste positive Ansätze sind ja schon länger zu verzeichnen - zum Beispiel bei Managern, die sich mittels Videokonferenzen austauschen und damit einige Dienstreisen überflüssig machen. Manche Menschen genießen einfach nur den Stillstand und erinnern sich an Zeiten, in denen es den autofreien Sonntag gab.

Andere wiederum entdecken eine lange nicht mehr benötigte Fertigkeit des Menschen neu: die Kunst des Improvisierens. Der Fall des Reisenden, der gerade mit einem Heißluftballon nach England fuhr, mag ein Extrem sein, dennoch gilt in diesen Tagen für viele: Wie komme ich weiter, wie weit komme ich überhaupt, wo werde ich schlafen? Und siehe da: Gemeinsam, mit der Hilfe anderer Menschen, kommt man dann doch ganz schön weit.

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