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Ferngesteuerte Elektroautos:Der Faktor "Digital Rights Management"

Andererseits hat es dem Batterie-Hersteller Renault aber auch gefallen, seinen Batterien das mitzugeben, was man bereits für CDs und DVDs herstellerseits eingeführt hat: Die Technik des DRM - des "Digital Rights Management".

Man erinnere sich: Ende des vergangenen Jahrtausends, die erste illegale Kopier-Welle digitaler Inhalte, meist Musik und Software, später auch Filme, rollte gerade durchs Netz, da erfand die Medienindustrie NICHT ihr bequem zu nutzendes legales Gegenangebot, sondern den Kopierschutz für Daten. Man sieht den Film, aber man besitzt ihn nicht. Aus Sicht von Endnutzern wird das DRM oft als Beschränkung der Nutzungsmöglichkeiten begriffen. Und das gibt es jetzt auch bei Autos.

Tatsächlich bedeutet DRM bei Renault, dass der Hersteller das Laden SEINER Batterie per Remotebefehl unterbinden kann. Etwa, wenn der Vertrag ausgelaufen ist. Oder die monatliche Zahlung der Batterie-Miete nicht beglichen wird. Oder der Wagen an einen Dritten ohne die erteilte Zustimmung des Batterie-Eigentümers verkauft wird.

Im Netz wurde ein Dokument gepostet, welches der von der Renault Bank ausgestellte Originalvertrag sein soll. Darin finden sich Passagen, die lauten: "Die Vermieterin (der Batterie, Red.) ist berechtigt, zur Erhärtung ihrer Ansprüche die Auflademöglichkeit (der Batterie, Red.) ... zu sperren, so dass das Elektrofahrzeug nicht mehr mit Batteriestrom versorgt und angetrieben werden kann." An anderer Stelle heißt es: "Die Vermieterin darf die Leistung über die Batterie einstellen ... Im Falle der vorzeitigen Kündigung wird die Vermieterin die Auflademöglichkeit der Batterie sperren (...) Die Vermieterin ist (...) berechtigt, die Stromversorgung des Elektrofahrzeugs über die Batterie zu unterbrechen bzw. zu sperren."

Die Sperrung der "Auflademöglichkeit" erfolgt nun nicht so, dass ein Mechaniker beim Batteriemieter persönlich vorbeischauen und händisch in den Batterie-Raum eingreifen muss. Nein, sie erfolgt über die Renault-Zentrale per Remotebefehl. Eine Anfrage hierzu bei Renault Deutschland wird von einer Referentin in der Unternehmenskommunikation erst telefonisch, dann schriftlich so beantwortet: "Wir hatten bereits darüber gesprochen, dass es machbar ist, die Auflademöglichkeit der Batterie des ZOE zu sperren, falls ein Kunde nach mehrfacher Aufforderung seinen Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommt. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir darüber hinaus zum Thema Daten keine weitere Aussage treffen können."

Renault behält sich also vor, im Bedarfsfall auf seine Fahrzeuge zuzugreifen. Und tut das auch.

Da gibt es etwa den Auto-Direktimporteur "Global Car Trading" (GCT), der Autos in die Schweiz importiert. So auch den Renault Zoe über einen französischen Zwischenhändler. Für die Umschreibung des Batterievertrages forderte RCI Finance, die Finanzierungsfirma von Renault in der Schweiz, von GCT 600 Schweizer Franken pro Fahrzeug. Schließlich sollte er 1500 Schweizer Franken pro Fahrzeug kosten. GCT zahlte erst einmal nicht, sondern fragte nach. Darauf kam die etwas sperrige Antwort, man werde nun den "Prozess der Inhibition der Batterie starten". Das hätte bedeutet, dass die Käufer eines Renault Zoe ihr Auto gar nicht mehr hätten benützen können. Daraufhin beugte sich GCT dem Druck, zahlte, ersuchte aber rechtlichen Beistand. Wie der Key Account Manager von GCT Schweiz, Xavier Kilchmann, auf Anfrage bestätigt, läuft das Verfahren. Schweizer Medien berichteten schon darüber (auch hier.)

Es sind nicht die Elektro-Autos der Firma Renault allein, auf die ihre Hersteller offenbar jederzeit zugreifen können. Im "Tesla-Krieg", den die New York Times Anfang des Jahres nach einem Testbericht des "Model S" von Tesla ausfocht, beschwerte sich Tesla-Chef Elon Musk nach dem für sein Produkt desaströsen Testergebnissen mit einem Blog-Eintrag. Darin veröffentlichte er die sogenannten "Vehicle Logs", also die Logdateien des genutzten Testfahrzeugs, um zu demonstrieren, dass der Wagen schneller als in der New York Times angegeben gefahren wurde, dass er kürzere Zeit als angegeben geladen wurde, dass die Klima-Anlage höher als angegeben eingestellt wurde; wo der Tester, John M. Broder, erfuhr, das er bald tanken müsse und wie weit er dann trotzdem weiterfuhr.

Broder antwortete, dass man ihm schon WÄHREND der Testfahrt erklärt habe, dass man den Zustand der Batterie aus der Ferne einsehen könne, dass man sowieso "bestimmte Dinge" einsehen könne und dass man "typische diagnostische Information" speichern und einholen könne.

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