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Elektroautos:Die Autobranche sieht den Kunden am Zug

Das Abrücken vom Millionenziel kommt bei den zuständigen SPD-Ministerinnen auch deshalb nicht gut an. E-Mobilität sei für Industrie und Umwelt in Deutschland "von herausragender Bedeutung", sagten Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries und Umweltministerin Barbara Hendricks am Dienstag. "Unsere ambitionierten Ziele für die Elektromobilität in Deutschland sollten wir deshalb nicht einfach aufgegeben, sondern lieber überlegen, wie wir Deutschland zum Leitmarkt und Leitanbieter für Elektromobilität machen." Sonst seien sowohl der Auto-Standort Deutschland als auch Umweltziele in Gefahr. Die Kanzlerin habe "seit Jahren ihre schützende Hand über den Diesel" gehalten, was der Elektromobilität eher schade, statt sie zu fördern, kritisierte Grünen-Fraktionsvize Oliver Krischer.

Die Branche selbst sieht vor allem den Kunden am Zug. "Der Tipping Point bei Elektromobilität ist dann erreicht, wenn das Produkt aus Kundensicht wettbewerbsfähig ist", sagt Daimler-Chef Zetsche. Wenn also Leistung und Preis stimmten, dann drehe sich die Nachfrage - weg von Verbrennungsmotoren, hin zu Elektroautos. Irgendwann im Jahr 2025 sei es wohl so weit, glaubt er. Andere gehen schon heute weiter. Seit Einführung der E-Auto-Prämie hätten sich die Absätze der BMW-E-Autos verdoppelt, sagt BMW-Vertriebsvorstand Ian Robertson. Aber von sehr wenig auf wenig, das reicht eben noch nicht für eine Erfolgsgeschichte.

VW will Weltmarktführer bei E-Autos werden

Die Branche versucht, sie dennoch herbeizureden. BMW will in diesem Jahr immerhin auf 100 000 Fahrzeuge kommen. Damit bliebe der Konzern wohl der drittgrößte Elektrohersteller der Welt. Und Volkswagen, der Dieselsünder, plant gleich ganz groß: Weltmarktführer bei E-Autos solle die Kernmarke VW werden, kündigte Markenchef Herbert Diess an. Allerdings auch nicht vor 2025.

"Reichweitenangst" nennen Verkehrspsychologen das größte Problem für die Elektromobilität: Die Sorge, irgendwo liegen zu bleiben. Wer Benzin im Tank hat und alle paar Kilometer an einer Tankstelle vorbeifährt, kennt diese Angst nicht. Wer mit einer Batterie fährt, die nach 150 Kilometern leer ist - oder auch schon früher, je nach Jahreszeit und Heizgewohnheit des Fahrers -, der kennt sie schon. Denn Ladepunkte und Tankstellen für die leisen Gefährte sind bisher rar.

Wieder will die Regierung helfen. Rund 300 Millionen Euro steckt allein der Bund in den nächsten Jahren in den Aufbau von 15 000 öffentlich zugänglichen Ladesäulen. Zielmarke der jüngsten Pläne? 2020.

© SZ vom 17.05.2017/harl
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