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Druck auf Daimlers Flaggschiff:Was die neue S-Klasse leisten muss

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Die neue S-Klasse von Mercedes hat viele Aufgaben zu lösen.

(Foto: WGO)

Das neue Modell der S-Klasse soll das beste Auto der Welt sein. Wie immer. Doch diesmal ist das nicht genug, der Druck auf Daimlers Flaggschiff ist hoch. Denn Mercedes hat viele Probleme. Bringt die S-Klasse den Befreiungsschlag?

Mercedes muss liefern. Daimler-Chef Zetsche ist angeschlagen, die Imagewerte liegen deutlich unter denen der deutschen Konkurrenz von Audi und BMW und die Akzeptanz im absatzstarken chinesischen Markt ist gering. Die S-Klasse als das wichtigste Fahrzeug der Palette von Daimler ist deshalb ein gewichtiger Indikator dafür, ob der Befreiungsschlag der Marke gelingen kann.

Mercedes rüstet sein Flaggschiff dazu mit zahlreichen technischen Innovationen aus und geht auch beim Design andere Wege als noch beim Vorgänger. Lesen Sie hier mehr über die Formensprache der neuen S-Klasse. In den folgenden Gebieten muss sich die Mercedes-Limousine außerdem behaupten:

Kernkompetenzfeld der Sicherheit verteidigen

Vor allem Universitäts-Dozenten für Kommunikation und PR an Universitäten sind dankbar für den missglückten Elchtest der A-Klasse im Jahr 1997. Noch heute gilt der umgekippte Kompaktwagen als Musterbeispiel dafür, wie eine schlechte Krisenkommunikation aussehen kann. Doch Mercedes hat darauf reagiert, an sich gearbeitet und sich als Referenzgröße für sichere Fahrzeuge etabliert. Die schlechten Ergebnisse für den Minivan Citan im vergangenen Mai haben das wieder relativiert - und Mercedes blamiert. Will Mercedes nicht endgültig seine Kernkompetenz verlieren, muss die neue S-Klasse Maßstäbe setzten. Und das tut sie. Mit einer beinahe unüberschaubaren Fülle an Sicherheitsinnovationen demonstriert die Luxuslimousine, wie sicher man aktuell ein Auto bauen kann. Die S-Klasse denkt für andere Verkehrsteilnehmer mit, überwacht ständig ihre Umgebung und schützt die eigenen Insassen vorbildlich. Das ist momentan konkurrenzlos.

Mercedes S-Klasse

So selbständig fährt Daimlers Luxuslimousine

Daimler als grünen Autobauer manifestieren

"Das Beste oder nichts": Der Mercedes-Werbeslogan muss auch für die Umweltverträglichkeit der Modellpalette gelten. Doch die Vorherrschaft beim Hybridantrieb ist schon seit Jahren fest in den Händen japanischer Hersteller. Und im Hinblick auf Elektroautos hatte bisher nur BMW den Mut, seine ambitionierten Pläne zu verwirklichen. Als Konsequenz gehen die E-Modelle i3 und i8 nun in Serie. Mercedes kann da nur nachziehen. Die erfreulich niedrigen Verbrauchswerte bei einer ersten Testfahrt im angebotenen Diesel-Hybrid der S-Klasse machen Hoffnung, dass die Schwaben ihre Öko-Offensive wahr machen. Allerdings muss man Fortschritt und spektakuläre Innovationen beim selbsternannten besten Auto der Welt voraussetzen. Und für einen ganz großen, spektakulären Wurf vom Schlage eines reinen Elektro-Luxuswagens oder der konsequenten Abschaffung von Motoren mit mehr als vier Zylindern fehlte Mercedes offenbar der Mut. Schließlich folgt der Autobauer dem Markt, den jeweiligen Absatzchancen. Die sind momentan in China und den USA am größten. Und dort ist Leistung statt Öko gefragt. So wird die S-Klasse nur bedingt zum Botschafter einer neuen, grünen Mobilität.

China zurückerobern

China ist für deutsche Premium-Hersteller der Markt der Zukunft. Fast eine Million Autos setzten BMW, Audi, Mercedes und Porsche im Jahr 2012 dort zusammen ab. Das soll sich fortsetzten, es muss. Denn in Europa stagnieren die Absatzzahlen von Jahr zu Jahr. Während BMW und Audi in China jährliche Wachstumsraten in zweistelliger Höhe verzeichnen, verkaufte Mercedes dort 2012 nur zwei Prozent mehr als im Jahr zuvor. Dass das zu wenig ist, weiß auch Zetsche. Er kündigte an, den Absatz bis 2015 um 30 Prozent zu erhöhen. Für Automarkt-Forscher Stefan Bratzel entscheidet sich dort, ob Mercedes den Kampf der Luxuskarrossen verliert: "Wenn Daimler hier nicht aufholt, schaffen sie es gar nicht mehr." Daimler habe China verschlafen, sagt Bratzel. Nun haben die Schwaben darauf reagiert und konstruieren die S-Klasse zum ersten Mal anhand der Langversion, die in China und auch den USA so gefragt ist. Die Variante mit kurzem Radstand wurde aus der Chauffeursversion lediglich abgeleitet. In Kombination mit dem frischeren und weniger opulenten Design geht Mercedes offensiv wie nie auf China zu. Ob die Maßnahme zu spät kommt, wird der Absatz zeigen.