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Digitale Revolution im Auto:Die Branche steht vor einem Systemwechsel

Das Autofahren wird so schnell nicht aussterben. Aber die Branche steht vor einem Systemwechsel, der dem Übergang von der Schreibmaschine zum Computer oder vom Festnetztelefon zum Mobilfunk gleicht: Autoentwickler sind daran gewöhnt, in Innovationszyklen von mehreren Jahren zu denken. Computer- und Smartphone-Nutzer erwarten dagegen alle 18 Monate neue Modelle und Software-Updates. Durch das App-Konzept lassen sich permanent neue Funktionen ins Auto bringen, ohne dass Veränderungen an der Hardware vorgenommen werden müssen.

Dabei versuchen die Fahrzeughersteller allerdings, ihren bislang exklusiven Zugang zu Wagen und Fahrer zu verteidigen. Zwar werden mit Webradio, Google lokale Suche oder Facebook die Dienste Dritter in aktuellen BMW- und Mini-Modellen mit der entsprechenden Sonderausstattung angeboten. Doch die Schnittstellen zum Auto und der Funktionsumfang der Apps werden in eigenen App-Entwicklungszentren in München, Mountain View (USA) und Shanghai definiert.

Richtig in Fahrt kommen die mobilen Datendienste aber erst mit dem neuen Breitband-Netz LTE. Das vielfach höhere Sende- und Empfangsvolumen erlaubt eine noch schnellere Kommunikation zwischen Autos und der Welt um sie herum. Damit wäre auch Videostreaming im Fahrzeug möglich - also der Live-Empfang von Filmen für die Beifahrer. Schon heute lässt sich der Wagen zum Hotspot für mehrere mobile Empfänger machen. Künftig, so unken einige Experten, könnte die Nachfrage nach Übertragungskapazitäten schneller wachsen, als sie durch LTE befriedigt werden könne. Dann würde www wieder wie in den Anfangszeiten des Internets bedeuten: warten, warten, warten.