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Citröen Multicity:Vermitteln ja, Haften nein

Ende Mai 2012 schaltet Citröen sein neues Reiseportal im Internet frei. Als erster Autobauer gehen die Franzosen diesen Schritt. Das Konzept wirkt schlüssig. Doch bei Stornierungen oder Umbuchungen hat der Kunde ein Problem.

Multicity kommt nach Deutschland. Dabei handelt es sich nicht um ein Fahrzeug. Multicity ist eine Homepage, ein Reiseportal. Laut dem französischen Hersteller soll das nun viel übersichtlicher und schneller gehen als je zuvor, zumal er der erste Automobilhersteller überhaupt ist, der sich in diesem Sektor bewegt. In Zukunft will das Portal auch Carsharing mit Elektrofahrzeugen der Marke mit dem Doppelwinkel anbieten. Citröen versucht mit dem Angebot die sinkenden Verkaufszahlen bei jüngeren Kunden in den Städten aufzufangen.

Der Unterschied zu Portalen wie dem von der Deutschen Bahn, regionalen Verkehrsbetrieben oder Fluglinien besteht darin, dass Multicity verschiedene Konzepte vereint und vergleicht. So erscheinen beispielsweise nach der Eingabe der gewünschten Route von Ulm nach Hamburg die drei verschiedenen Optionen Flugzeug, Zug und Auto. Gleichzeitig wird dem User aufgezeigt, wie lange die jeweilige Option dauert, wie umweltfreundlich und teuer sie ist und wie viel Prozent der Reise zum Arbeiten genutzt werden können. Da sich während einer Autofahrt beide Hände stets am Lenkrad befinden und der Blick geradeaus gerichtet sein sollte, steht dort folgerichtig stets eine Null. Die jeweilig besten Eigenschaften werden durch kleine Grafiken wie dem Eurozeichen, einer Uhr, einem Laptop oder einer Pflanze optisch hervorgehoben.

Nur in Deutschland wird die von www.bahn.de bekannte Suchoption von Tür zu Tür verfügbar sein. Fußwege und Wartezeiten bis zum Abflug am Flughafen und nach der Landung werden dabei ebenso berücksichtigt wie mögliche Mietwagenstationen und in Zukunft das Carsharing, das noch im Herbst dieses Jahres in Berlin mit dem Elektrofahrzeug Citröen C-Zero realisiert werden soll. Als Mietwagenanbieter steht lediglich Sixt zur Auswahl. Etwas breiter ist das Fluglinienangebot, doch befinden sich Low-Cost-Airlines wie Easyjet oder Ryanair laut Citröen aus technischen Gründen nicht im Portfolio.

Geht etwas schief, hat der Kunde das Problem

Das jeweilige Angebot kann schließlich auf der Multicity-Seite auch gebucht werden. Hier beginnt der mühselige und teils auch unverständliche Abschnitt der Urlaubsplanung. Anders als das Reisebüro ums Eck oder die großen Reiseanbieter im Internet übernimmt Citröen keine Haftung für eventuelle Unpässlichkeiten wie einen verpassten Flug oder die Stornierung einer Übernachtung. Der Unterschied zu anderen Anbietern ist die Tatsache, dass der User von Multicity die Verträge mit den Kooperationspartnern der Reiseplattform schließt und die Franzosen somit bei Stornierungen oder verpassten Anschlüssen nicht in Haftung genommen werden können.

Es steht zwar eine kostenpflichtige Hotline zu 14 Cent pro Minute parat, doch wird diese den Kunden lediglich zum Reisepartner weiterleiten. Trotzdem verzeichnet das Portal in Frankreich, wo es im März 2011 unter www.multicity.citroen.fr an den Start ging, nach einem Jahr über zwei Millionen Aufrufe und knapp 17.000 getätigte Buchungen. Ende Mai soll die deutsche Seite zur Verfügung stehen.

© süddeutsche.de/pi/goro/rus

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