Autoprojekt:Enger Austausch mit BMW

Apple hat schon vor zwei oder drei Jahren seine Fühler zunächst in Richtung Detroit ausgestreckt, ist bei den Lowtech-Anbietern aber nur bedingt fündig geworden. Auch in Europa sind die Kalifornier seit geraumer Zeit in Sachen iCar unterwegs; zuletzt hat man im Februar kurz vor dem Genfer Salon die Runde gemacht.

Es gibt natürlich keine offizielle Bestätigung, aber nach Aussage mehrerer Quellen fühlt sich der IT-Gigant bei BMW besonders gut aufgehoben. Demnach hat es den Amerikanern vor allem der i3 angetan, der als reines E-Mobil und mit Range Extender angeboten wird. Vergangenen Herbst reiste der komplette BMW-Vorstand nach Cupertino, Anfang 2015 gab's den Gegenbesuch in München.

Gegenseitiger Lernprozess

Doch wer glaubt, dass Apple jetzt in China nach iPhone-Muster eine Großserienfertigung des i3 aus dem Boden stampfen wird, der dürfte sich irren. Was die Beziehung zwischen den zwei starken Marken bislang beherrscht, ist vielmehr ein gegenseitiger Lernprozess. BMW hat verstanden, dass Software-Entwickler auch in der Autowelt immer öfter die Schlagzahl vorgeben, indem sie zum Beispiel das autonome Fahren vorantreiben. Apple hat verstanden, dass man ein Auto nicht im Minutentakt zusammennageln kann wie ein Handy. Mehr noch: In Cupertino weiß man jetzt, dass Kerneigenschaften wie Fahrdynamik, Sicherheit und Effizienz das Resultat langjähriger Erfahrung sind. Probleme gibt es noch mit der Anpassung der stark unterschiedlichen Tempi, die beide Branchen in Sachen Forschung und Entwicklung an den Tag legen.

Noch ist nichts in trockenen Tüchern, aber es gibt zumindest erste Trends. Apple wird sich ab sofort noch stärker einbringen ins Automobilgeschäft. Und zwar mit klassischen Stärken wie Design, Materialität, Bedienoberflächen, Vernetzung und in letzter Konsequenz kompletten Cockpitmodulen. Was die IT-Giganten (noch) nicht können, ist Karosserie, Fahrwerk, Antrieb, Sicherheit, Prozesse, Vertrieb.

BMW-Chef Reithofer sieht auch deshalb Apple eher als Chance denn als Gefahr. Erstere besteht darin, als erster die besten Systeme in seinen Fahrzeugen anbieten zu können und damit Technologieführerschaft zu beweisen. Das Risiko besteht darin, dass Apple als Marke die Marke BMW aussticht, was Gift wäre für eine paritätische Partnerschaft.

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