Contra: Autonomes Fahren Der Steuerzahler darf nicht für die Konzerne blechen

Automobilindustrie Contra: Autonomes Fahren

Konzerne wünschen sich, dass der Staat in den Ausbau der Infrastruktur für das autonome Fahren investiert.

(Foto: Andre Benz/Unsplash; Bearbeitung SZ)

Autohersteller und Technologiekonzerne versprechen viel beim autonomen Fahren - und fordern Unterstützung. Doch wer am Ende profitieren will, von dem darf man erwarten, dass er am Anfang selber investiert.

Kommentar von Marco Völklein

Es ist ein großartiges Versprechen, das Automobilhersteller und Technologiekonzerne da machen: Wenn erst mal alle Autos autonom und vernetzt fahren, wird es keine Unfälle mehr geben. Verschwinden werden die Verkehrstoten aus der Statistik und die Staus von den Straßen. Wer von A nach B will, wird sich per Knopfdruck ein Robotaxi ordern, das ihn dann, wie von Geisterhand gelenkt, zum Ziel bringt. Steigt der Fahrgast aus, ist das Robofahrzeug sofort bereit für den nächsten Kunden. Parkplatznöte? Auch das ein Problem aus der Vergangenheit!

So schön diese Zukunft auch klingt, sie wird noch lange auf sich warten lassen. Und um sie überhaupt irgendwann erreichen zu können, sind Milliardeninvestitionen nötig, nicht nur in die Fahrzeuge selbst, auch in die Mobilfunktechnik. Die Frage ist: Wer zahlt all das? Schon rufen diejenigen, die von der autonomen Zukunftsmobilität träumen, laut nach dem Staat. Der müsse die Netze aufrüsten - schließlich profitierten ja alle von sinkenden Unfallzahlen und weniger Staus.

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Doch am Ende werden vor allem die Unternehmen und deren Aktionäre profitieren. Die wollen mit den Robotaxi-Visionen vor allem eines: Geld verdienen. Das ist ihr gutes Recht und dazu sind Unternehmen ja da. Nur wer am Ende verdienen will, von dem kann man am Anfang erwarten, dass er in seine Geschäftsidee investiert - und diese Aufgabe und das damit verbundene Risiko nicht einfach mal so mit einem großen Heilsversprechen an die Allgemeinheit delegiert.

Hinzu könnte eine fatale Langfristwirkung kommen: Robotaxis werden zunächst nur dort angeboten, wo die Auslastung groß ist, also in den Innenstädten. Dort aber werden sie den öffentlichen Verkehrsmitteln Nutzer wegschnappen. Der öffentlichen Hand werden Einnahmen fehlen, um auch im weiteren Umfeld der Städte und auf dem Land genügend Busse und Bahnen anzubieten. Um es klar zu sagen: Robotaxis können dabei helfen, die Verkehrsprobleme zu lindern. Aber es ist verkehrspolitisch sinnvoll, den Markt zu regulieren und Rosinenpickerei zu unterbinden. Die Möglichkeit dazu bietet sich: In diesem Jahr steht die Novellierung des Personenbeförderungsgesetzes (PBefG) an. Dort lassen sich solche Regeln gut einweben.

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