Autohandel in den USA Obszöne Einladung zum Geldverdienen

Testfahrt im "Porsche Experience Center" in Atlanta, USA.

(Foto: AP)

Der Markt für Neuwagen in den USA ist gewaltig, die Kunden wissen genau, was sie wollen. Porsche geht darauf ein. Mit kühl kalkuliertem Verständnis für die Mentalität - und einem neuen Hauptquartier.

Von Oskar Weber

Es ist ja nicht so, dass der Begriff Eiszeit ausschließlich für meteorologische Großwetterlagen reserviert wäre. Manche Kulturkreise sind einfach aus ihrem gewachsenen Selbstverständnis heraus gnadenlos cool. Die Vereinigten Staaten von Amerika zum Beispiel kennen Abertausende Eiszeiten. Jedes öffentlich genutzte Gebäude wird hier grundsätzlich auf Kühlhaustemperatur herunter klimatisiert. Einfache Regel: Je wärmer es draußen ist, desto kühler muss es drinnen sein. Typisch Amerika. Man tickt anders, spielt anders, dealt anders.

Das Autobusiness zum Beispiel, dieser gewaltige Marktplatz - 16,5 Millionen Neuwagen-Zulassungen im vergangenen Jahr -, ist eine fast schon obszöne Einladung zum Geldverdienen. Die Eintrittskarte heißt allerdings Kulturverständnis, Marktkenntnis, Kundenakzeptanz. Es gibt sie, die Großstädter, die gerne auch mal mit dem Golf flirten. Aber draußen im weiten Land wollen sie mit dem Wolf tanzen, Bären jagen, frei sein.

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Auch hier in diesem leuchtend weißen Gebäudekomplex am One Porsche Drive im Süden Atlantas laufen die Klimaanlagen auf Hochtouren. Drüben hinterm Zaun landen im Dreißig-Sekunden-Takt die Boeings und die Airbusse. Und im selben Rhythmus steigen sie auch wieder auf, vollgepackt mit Passagieren, Gütern, Fracht. Fünf Pisten für 930 000 Starts und Landungen pro Jahr machen den Hartsfield-Jackson Atlanta International Airport zum größten Flughafen der Welt: 196 Gates, 95 Millionen Passagiere, 650 000 Tonnen Frachtgutumschlag.

Die Amerikaner lieben das Auto, weil sie es brauchen

Die Distanzen sind groß in Amerika, der öffentliche Personenverkehr ist jenseits der Flughäfen ein Desaster. Die Amerikaner lieben das Auto, weil sie das Auto brauchen. "80 Prozent unserer nordamerikanischen Kunden erreichen den Atlanta International in maximal zweieinhalb Stunden Flugzeit", sagt PCNA-Chef Detlev von Platen und zeigt mit dem ausgestreckten Arm hinüber zum Mega-Airport. Vom Ankunftsgate sind es mit dem Auto nur ein paar Minuten ins neue Porsche-Nordamerika-Headquarter.

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PCNA, das ist die firmeneigene Tochter Porsche Cars North America für das Porsche-Geschäft in den USA und Kanada. One Porsche Drive ist die Adresse für die neue PCNA-Zentrale am nordöstlichen Rand des Hartsfield-Jackson Airports: 100 Millionen Dollar Investitionssumme auf elf Hektar Grund, Büros für 450 Mitarbeiter, 1200 Quadratmeter Konferenz- und Eventflächen, Mechaniker-Schulungszentrum, Oldtimer-Restaurierungswerkstatt, Museum, Gästekasino 356 - das Restaurant mit dem dankbarsten aller Namen für einen Porsche-Beherbergungsbetrieb auf amerikanischem Boden.

Das neue Hauptquartier von Porsche in Nordamerika.

(Foto: AP)

Die Ziffernfolge steht für den Urmeter aller Serien-Porsche - und für das erste wirklich tragfähige Fundament einer erstaunlichen Unternehmens- und Markengeschichte. Der Untergang Nazi-Deutschlands lag gerade einmal fünf Jahre zurück, als der Autohändler Max Hoffman in New York die reichlich kühne Idee hatte, mit dem US-Import des spartanisch ausgestatteten und relativ schwachbrüstigen Porsche 356 Geld zu verdienen. Heute pflegen 175 Clubs mit 110 000 Mitgliedern die Porsche-Markenkultur in Nordamerika. Der Porsche Club of America (PCA) ist mit 141 Regionalklubs der größte Porsche-Club der Welt. Jährlich rund 3500 Veranstaltungen organisiert der PCA im Schnitt. Die Porsches wissen das zu schätzen. Bei jedem wichtigen Event repräsentiert ein Familienmitglied persönlich Marke und Unternehmen. Und noch eine Zahl: Im 356 Registry treffen sich rund 7500 amerikanische Enthusiasten, die bis heute einen frühen Porsche der ersten Baureihe fahren und pflegen.