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Porsche Cayenne S E-Hybrid:Ist der elektrisch oder kann der weg?

Porsche Cayenne S E-Hybrid im Fahrbericht

Der Elektromotor des Porsche Cayenne S E-Hybrid funktioniert einwandfrei. Weit kommt man damit aber nicht.

(Foto: WGO)

Rein elektrisch wollen wir den Porsche Cayenne im Test fahren. Doch das ist schwieriger als gedacht. Dem Plug-in-Hybriden fehlt es schon am passenden Ladekabel.

Von Felix Reek

"Er ist voll aufgeladen", sagt der Fahrer des Überführungsdienstes von Porsche und drückt mir den Schlüssel in die Hand. Er hat den Cayenne S E-Hybrid in der Tiefgarage geparkt, direkt neben dem Stromanschluss für Elektroautos. Ich drücke den Startknopf, die Anzeige erscheint: 17 Kilometer Reichweite. Aha. Der erste Dämpfer. Die Zukunft des Autofahrens ist elektrisch, heißt es überall. Bei Porsche endet sie bereits nach 17 Kilometern. Trotzdem will ich versuchen, das SUV in den nächsten Tagen nur mit dem E-Motor zu fahren.

Die Grundidee des Plug-in-Hybrids ist einleuchtend: Zwei Motoren arbeiten in dem SUV, ein Benziner mit 333 PS und ein Elektromotor mit 95 PS. In der Stadt fährt man emissionsfrei, auf der Autobahn übernimmt der Benziner. Ist der Strom verbraucht, springt der herkömmliche Motor an. Aufgeladen werden kann durch Bremsen während der Fahrt oder an der Steckdose. Letzteres probiere ich direkt aus.

Tag 1

Im Kofferraum erwartet mich eine ganze Reihe unterschiedlicher Kabel und Stecker, dazu ein circa 30 Zentimeter großes Designstück, das aussieht wie eine Stereoanlange für ein iPhone. Das soll die richtige Stromladung zwischen Auto und Ladesäule kontrollieren. Doch kein Stecker passt in die Ladesäule. Seltsam, die entspricht eigentlich dem Typ 2, der in Europa seit 2014 Standard ist. Ich ziehe einen Kollegen hinzu, wir probieren alle vorhandenen Stecker aus, ohne Erfolg. Also muss der handelsübliche Schukostecker her, den man aus dem Haushalt kennt. Ladezeit ungewiss.

Sechs Stunden später ziehe ich den Stecker. Die Reichweite hat sich um genau vier Kilometer erhöht. Die Begeisterung ist gedämpft. Eigentlich verspricht Porsche 36 elektrische Kilometer. Die sollten zumindest in sechs Stunden Ladezeit zu erreichen sein. Ich starte den Cayenne und ein leise sirrendes Geräusch ist zu hören. Der Elektromotor läuft und funktioniert tadellos, doch wenn man rabiater aufs Gas tritt, schaltet sich sofort röhrend der Benziner dazu.

Nach knapp acht Kilometern quer durch den Münchner Berufsverkehr steuere ich die nächstgelegene Ladesäule zu meiner Wohnung an, Entfernung etwa 700 Meter Luftlinie. Drei Mal fahre ich im Dunkeln die Straße, in der der Anschluss zu finden sein soll, hoch und wieder runter. Eine Ladesäule ist weit und breit nicht zu sehen. Das Navi des Porsche hilft auch nicht weiter. Statt Lademöglichkeiten in der Nähe zeigt es mir das Generalkonsulat von Italien und das Honorarkonsulat von Togo an. Schöne Gebäude, aber tanken lassen werden die mich nicht.

Ich ziehe eine Suchmaschine im Netz zu Rate. Die nächstgelegene Station ist nicht mehr in Betrieb, weitere 1,2 Kilometer in die entgegengesetzte Richtung gibt es eine Ladesäule. Ich mache mich auf den Weg.

Grün leuchtet sie am Straßenrand einer Seitenstraße. Endlich! Ich parke und wühle mich durch die Kabelvielfalt des Porsche. Das nützt wenig. An der Ladesäule der Stadtwerke München gibt es zwei Steckdosen. Zwei Mal der gleiche Anschluss wie in der Tiefgarage. Und den passenden Stecker dazu habe ich nicht.

Für den ersten Tag gebe ich auf, ich steuere meine Wohnung an. Die elektrische Reichweite beträgt nur noch zwei Kilometer. Der Benzinmotor springt an und durchschneidet die angenehme Stille. Die letzte Möglichkeit wäre jetzt, eine Verlängerungsschnur aus dem dritten Stock meiner Wohnung herabzulassen. Aber das hier ist München, 22 Uhr. Hier findet niemand einen Parkplatz vor seiner eigenen Haustür.

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