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Sportwagen-Vergleich:So gleich und doch verschieden

Der neue Porsche 911 GTS.

Der Grundpreis des neuen Porsche 911 Carrera GTS liegt bei 117 549 Euro.

(Foto: WGO)

Mercedes-AMG GT-S gegen Porsche 911 GTS: Im direkten Duell zeigen die beiden Coupés, auf welch unterschiedliche Weise Sportwagen faszinieren können.

Der Soundcheck definiert die Charaktere. Hier das heisere Hochdreh-Kreischen des 3,8-Liter-Sechszylinder-Boxers. Dort das kehlige Brabbeln des 4,0-Liter-Biturbo-V8. Unterschiedlicher können Motorenkonzepte kaum sein. Diese Polarität der Prinzipien findet in anderen Bereichen ihre Fortsetzung. Der neue Mercedes AMG GT-S ist ein Front-Mittelmotorcoupé in Transaxle-Bauweise mit Getriebe an der Hinterachse, zwei Sitzen und großer Heckklappe. Die GTS-Version des 911 ist ein 2+2-Sitzer mit hochdrehendem Saugmotor, der seine Marktlücke zwischen Carrera S und GT3 sucht und findet.

Der 510 PS starke Mercedes GT-S (es gibt auch einen günstigeren GT mit 462 PS) ersetzt nicht nur den SLS, er übernimmt vom Flügeltürer auch das technische Layout und die breite, aber kurze Fahrgastzelle. Der 430 PS starke Neunelfer vermittelt GT3-Flair - freilich ohne wuchtigen Heckspoiler, Brutalo-Sitze, Oropax-reife Geräuschkulisse und dem deutlich höheren Einstandspreis. Das neue Modell kostet 117 549 Euro. Es ist damit 12 375 Euro teurer als der Carrera S mit 400 PS, aber wiederum 23 700 Euro günstiger als der GT3 mit 476 PS. Klingt gut, wird jedoch problemlos getoppt durch den Mercedes. Der steht als GT mit 115 430 Euro und als GT-S mit 134 351 Euro in der Liste. Wer sich einen über 500 PS starken 911 in die Garage stellen möchte, muss mehr als 30 000 Euro drauflegen.

Der neue Mercedes-AMG GT-S.

Der Mercedes-AMG GT-S kostet mindestens 134 351 Euro.

(Foto: Daimler AG)

Eindrucksvolle Zahlen auf beiden Seiten

Der GT-S ist extrovertiert, laut, grell, selbstbewusst und sehr schnell. Von null auf 100 km/h sprintet der Mercedes in nur 3,8 Sekunden. Nach 12,0 Sekunden ist die 200 km/h-Marke erreicht; erst bei 310 km/h wirft der Begrenzer das Handtuch. Mit optionalem Doppelkupplungsgetriebe und im Launch-Control-Modus schafft der 911 den Spurt in vier Sekunden, knackt 9,8 Sekunden später die 200 km/h-Schallmauer und läuft 304 km/h Spitze. Eindrucksvolle Werte - doch der Vorsprung gegenüber dem Carrera S ist mit 0,1 Sekunden und zwei km/h kaum messbar.

Trotzdem lohnt das GTS-Paket, denn es kombiniert eine Extraportion Flair mit einer klar umfangreicheren Ausstattung. Die Aerokit-Anbauteile, das Alcantara-Interieur, die schwarzen 20-Zoll-Räder, die schaltbare Abgasanlage und das Sport-Chrono-Paket relativieren den Mehrpreis. Die zusätzlichen 30 PS spürt man freilich nur zwischen 6300 und 7800/min, wenn der zweite Ansaugkanal aufmacht und den Gemischdurchsatz verbessert.

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Mercedes-AMG GT-S im Fahrbericht

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Sportwagenfahrer haben meist zwei Optionen: Soll es ein schnelles Reiseauto oder ein dynamischer Rennstreckenbolide sein? Mercedes vereinfacht die Entscheidung und führt beides im neuen AMG GT-S zusammen.   Von Joachim Becker

Der AMG GT-S ist ganz anders ausgelegt als der Elfer - weniger spitz, mehr auf Durchzug als auf hohe Drehzahlen bedacht, explosiv im Antritt und trotzdem mit gewaltiger Schubkraft gesegnet. Im Gegensatz zum Porsche, der für 440 Nm immerhin 5750/min bemühen muss, verwandelt der Mercedes sein maximales Drehmoment von 650 Nm in ein Hochplateau, das sich in Verbindung mit dem Dynamic-Plus-Paket von 1750 bis 5000/min erstreckt. Der V8 legt selbst jenseits von 200 km/h noch deutlich zu, empfiehlt sich aber gleichzeitig als Gleiter, der im großen Gang mit viel Verve und entsprechender akustischer Untermalung den Laufsteg Straße für sich einnimmt.