Downsizing bei Porsche Porsche schrumpft seine Motoren

Die nächste Generation des Porsche Cayman wird mit Vierzylinder-Turbomotor kommen.

(Foto: Porsche)

Vans mit drei Zylindern, Sportwagen mit vier Brennräumen: Die Motoren der Premiumhersteller werden immer kleiner, verlieren aber nicht an Leistung. Selbst Porsche folgt dem Downsizing-Trend.

Ist den deutschen Premiumherstellern denn gar nichts mehr heilig? Um immer neue Kunden zu erreichen und die strengen internationalen Abgasvorschriften einhalten zu können, investieren sie Jahr für Jahr Milliarden Euro in immer kleiner werdende Motoren. Dieses "Downsizing" ist längst mehr als ein Trend. Es zieht sich durch alle Modellreihen - nicht immer zur Freude der Stammkunden.

Jetzt schließt sich sogar Sportwagenhersteller Porsche an. Die Schwaben entwickeln seit Jahren eine neuen Motorengeneration mit vier Zylindern und Turboaufladung, die zunächst die nächste Generation der Einstiegsmodellreihen Boxster und Cayman antreiben sollen. Die neuen Triebwerke ergänzen die bekannten Sechszylinder-Saugmotor-Boxer und lehnen sich konstruktiv an den neuen Rennwagen Porsche 919 Hybrid an, der ab diesem Jahr unter anderem beim 24-Stunden-Rennen in Le Mans um den Sieg kämpfen wird. Dort leistet der Vierzylinder-Turbo mehr als 500 PS und wird beim Beschleunigen von einem über 250 PS starken Elektromotor unterstützt.

Ungewöhnliche Konstruktion

In diese Leistungsregionen wird das Aggregat in den Serienautos nicht vorstoßen. Die Topvarianten des nächsten Cayman oder Boxster sollen aber immerhin zwischen 350 und 400 PS leisten. Keine leichte Aufgabe angesichts des kleinen Hubraums von lediglich zwei Litern, weshalb Porsche bei der Konstruktion des neuen Triebwerks ungewöhnliche Lösungen verwendet. Die vier Brennräume sind grundsätzlich in V-Form angeordnet. Im Gegensatz zu den meisten anderen V-Motoren beträgt der Winkel zwischen den Zylindern jedoch nicht 90, sondern 180 Grad. Das heißt, jeweils zwei doppelte Brennkammern liegen sich flach liegend gegenüber, die V-Form wird zu einer Platte. Technische Dreingaben wie Benzindirekteinspritzung und Turboaufladung sorgen für den nötigen Leistungs-Output.

In seiner stärksten Variante wird der nächste Porsche Boxster zwischen 350 und 400 PS leisten.

(Foto: Porsche)

Mindestens genauso wichtig wie die Leistungsentfaltung ist inzwischen der Verbrauch. Im Normzyklus könnte der neue Porsche-Motor dank Downsizing und Aufladung unter sieben Litern verbrennen. Die sparsamsten Varianten der kleinen Porsche-Baureihen schaffen in dieser Disziplin aktuell 7,9 Liter. Zudem gäbe es einen nennenswerten Gewichtsvorteil, der sich bei den Mittelmotorsportlern fahrdynamisch überaus positiv bemerkbar machen dürfte.

Leistung satt aus vier Zylindern

Was Downsizing angeht, ist Porsche ein Nachzügler. Andere Premiumhersteller bauen längst kleinere Motoren in ihre Autos ein. Beispiel Mercedes: Die auf ihrer neuen Frontantriebs-Plattform basierenden Modelle A-, B-, CLA- und GLA-Klasse sowie den kommende CLA Shooting Brake rüsten die Schwaben ausnahmslos mit Vierzylindermotoren aus. Sogar die 360 PS starken AMG-Topmodelle müssen sich mit vier Brennräumen und maximal zwei Litern Hubraum begnügen.

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Konkurrent BMW geht noch einen Schritt weiter. Im Herbst kommt der neue Van namens 2er Active Tourer, der in zahlreichen Varianten auf Dreizylindermotoren mit Turboaufladung setzt. Bei Konzerntochter Mini gehören Dreizylinder-Triebwerke seit dem jüngst erfolgten Generationenwechsel längst dazu. Lediglich das Topmodell Cooper S sowie die in den Startlöchern stehenden Sportvarianten mit John-Cooper-Works-Logo können ihre Kraft noch aus vier Töpfen schöpfen. Bei dieseer Zylinderzahl sind längst auch große Modelle wie der 5er und der X5 angekommen, bei denen vor nicht allzu langer Zeit noch sechs oder acht Brennkammern zum guten Ton gehörten.

Vierzylinder sind nichts Neues

Audi und Volvo gehen aktuell den gleichen Weg. Die Ingolstädter sorgten kürzlich auf dem Genfer Autosalon mit der Studie TT quattro sport concept für Erstaunen. Der Ausblick auf den nächsten TT RS verfügt nicht mehr über ein Fünfzylinder-Turbo-Herz mit 2,5 Litern Hubraum, sondern einen ebenfalls turbogeladenen Vierzylinder mit nur noch zwei Litern Hubraum. Volvo wagt einen ähnlichen Schritt und ersetzt die bekannten Fünf- und Sechszylinder sukzessive durch Motoren mit vier Zylindern.

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Selbst der Ford Mustang kann sich des Downsizing-Trends nicht erwehren. Die amerikanische Ikone kommt in ihrer nächsten Generation, die Anfang 2015 erscheint, erstmals offiziell nach Europa. Und das konsequenterweise nicht nur mit einem klassischen Fünfliter-V8, sondern auch mit einem 2,3 Liter großen und 310 PS starken Vierzylinder-Turbotriebwerk.

Allerdings betreten weder Ford noch Porsche Neuland mit ihren zukünftigen Motoren. Sowohl im Mustang (zweite und dritte Generation) als auch in früheren Porsche-Modellen (914, 924, 944 und 968) kamen in den Siebziger bis Neunziger Jahren Triebwerke mit vier Brennräumen zum Einsatz. Hier wie da hielt sich der Erfolg der Vierzylinder-Sportwagen jedoch in Grenzen. Heute stehen die Chancen besser, denn die kontinuierliche Absatzsteigerung von BMW, Mercedes und Co. zeigt: Die meisten und vor allem neue Kunden definieren automobiles Premium nicht mehr über Hubraum und Zylinderanzahl. Mögen die Traditionalisten unter den Markenfans auch die Nase rümpfen - die Gewinne der Premiumhersteller gehen trotz Downsizing weiter nach oben.