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Alfa Romeo 4c gegen Alpine A110:Der Alfa faucht, spuckt und poltert

Von elegant und fließend kann beim Alfa Romeo 4c hingegen nicht die Rede sein. Schon der Einstieg gestaltet sich als unbeholfene Kletteraktion über die breiten und sehr tief liegenden Türschwellen. Ist der Fahrer dann endlich reingerutscht, gibt es erstaunlich viel Platz. Wenngleich es sich in eng anliegenden Sportsitzen, die gefühlt direkt auf die Straße montiert sind, nie wirklich bequem sitzen lässt.

Das Starten des Motors wischt solche Wohlstandswehwehchen beiseite. Was ist das für ein infernalischer Lärm? Von gerade einmal 240 PS? Im Stand? Und das ist erst der Anfang. Auf der Straße kennt der 4c nur eine Maxime: immer mehr, immer extremer, noch viel lauter. Der kleine Motor des Alfa ist so ohrenbetäubend, dass sich Bewohner von verkehrsberuhigten Zonen fragen dürften, wie es dieses Auto durch die Zulassung geschafft hat.

Wer auch nur einen Hauch von Bequemlichkeit erwartet, wird sie hier nicht finden. Selbst eine Servolenkung gibt es nicht. Drei Runden Einparken mit dem Alfa ersparen eine Woche Hanteltraining. Der 4c liegt ultrahart auf der Straße, jede Bodenwelle reißt am Lenkrad, jedes Schlagloch trifft direkt den Körper. Hinzu kommt der Motor, der faucht, spuckt und poltert. Da ist selbst das antiquierte Radio vergessen. Spätestens wenn der 4c auf der Autobahn unterwegs ist, übertönt das Motorengeräusch sowieso die Musik.

Ein Auto ohne Kompromisse

Trotzdem oder genau deswegen ist das Fahrgefühl im 4c einzigartig. So viel Straßenkontakt vermittelt zur Zeit kein anderes Autos. Wie das Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe die Gänge nach oben drischt, ein weniger martialisches Wort beschreibt diesen Vorgang leider nicht annähernd adäquat, das ist zu keinem Zeitpunkt mühelos, sondern immer ein Kraftakt, der perfekt zum sonstigen Auftritt des Alfas passt und das erfüllt, was die Anhänger der Marke jahrelang vermisst haben: ein Auto ohne Kompromisse, bei dem man über die vielen Nachlässigkeiten wohlwollend hinwegsieht.

Genau das ist es auch, was letztlich die Alpine A110 als auch den Alfa Romeo 4c verbindet. Es sind Autos, die einzig allein zum Fahren konstruiert wurden. Und zwar so konsequent, dass alles andere hinten anstehen musste. Dass dies mit vergleichsweise kleinen Motoren bei relativ moderatem Verbrauch gelingt, ist umso beeindruckender. Selbst ein Porsche 911, der Inbegriff des Sportwagens, vermittelt nicht so ein Fahrgefühl. Er ist mittlerweile genauso vollgepackt mit Bequemlichkeiten und digitalen Spielereien wie jedes andere Auto. Keine Frage, das sorgt für einen perfekt ausbalancierten und modernen Boliden. Doch das bedeutet auch: Dem Fahrer wird in einem solchen Auto nie wirklich bewusst, wie schnell er ist. Tempo 100? 150? 200? Auf der Autobahn ist kein Unterschied zu bemerken. Das Fahrzeug signalisiert nie: Jetzt ist es genug. Stattdessen fordert es immer noch ein bisschen mehr und wiegt den Piloten in Sicherheit. Das ist natürlich ein Trugschluss.

Im Alfa und in der Alpine hingegen ist sich der Fahrer immer seiner Geschwindigkeit bewusst. Selbst geringe Beschleunigungen fühlen sich so unheimlich schnell an, dass er nicht dazu verleitet wird, es zu übertreiben. Das Gefühl für die Straße ist unverfälscht. Deswegen stellt sich die Frage Alpine oder Alfa eigentlich auch nicht. Sie lautet eher: Wie viel Restbequemlichkeit wünscht sich der Fahrer? Und wie tief kann er sich beim Einsteigen bücken?

Die Testfahrzeuge wurden von den Herstellern zur Verfügung gestellt.

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