WWF-Bericht zur Umweltzerstörung Überraschende Top Ten der Umweltsünder

Der WWF hat eine Länderliste der Umweltsünder veröffentlicht - und die birgt Überraschungen. Zu den Top Ten der Länder, in denen die Menschen mehr Umweltressourcen verbrauchen, als ihr Land zu bieten hat, gehören Dänemark, die USA, Belgien, die Niederlande und Irland. Auch Deutschlands Position ist nicht gerade vorbildlich.

Von Christopher Schrader

Diesmal sind es nicht nur die üblichen Verdächtigen. Normalerweise weisen Umweltindizes die reichen Golf-Emirate, Amerika, Australien und Kanada als größte Umweltsünder aus.

Der Verbrauch der natürlichen Ressourcen der Erde ist so groß, dass wir bis zum Jahr 2030 zwei Erden bräuchten, um weiter so leben zu können wie bisher. Und drei Erden sind es im Jahr 2050.

(Foto: dpa)

Doch der Living-Planet-Report, den die Umweltgruppe WWF an diesem Dienstag weltweit veröffentlicht, listet auch Dänemark, und zwar vor den USA. Belgien, die Niederlande und Irland gehören zu den Top Ten. Die Mongolei steht auf Platz 15, Mauritius zwischen Deutschland und Italien auf Platz 31 von 149 bewerteten Ländern.

Die Messgröße, die der WWF auflistet, ist der ökologische Fußabdruck. Er wird in Hektar Fläche gemessen: für die Weiden und Felder, auf denen Nahrungs- und Futtermittel wachsen, und die Waldflächen, mit denen sich der Ausstoß an Kohlendioxid kompensieren ließe. Dabei werden Importe der Bilanz des Empfängerlandes zugerechnet.

In Deutschland zum Beispiel beträgt der Fußabdruck 4,57 Hektar, das Land bietet seinen Bürgern aber nur 1,95 Hektar pro Person. Die restliche Fläche nutzen die Deutschen anderswo, "und zerstören dort womöglich die Lebensgrundlage der lokalen Bevölkerung", sagte Eberhard Brandes vom deutschen WWF-Vorstand bei der Vorstellung des Reports in Berlin.

Generell verbraucht die Weltbevölkerung schon mehr, als der Planet der Methode zufolge hergibt. Im globalen Durchschnitt beträgt der Fußabdruck 2,7 Hektar, dem 1,8 Hektar Kapazität gegenüberstehen.

"Die Tropen spüren die Wucht der Zerstörung"

"Wir bräuchten also eigentlich anderthalb Erden", sagt Brandes, "2030 werden es zwei und 2050 drei sein, wenn es so weitergeht." Der Mehrverbrauch schlägt allerdings nicht voll in die Realität durch, weil zum Beispiel das Kohlendioxid, in vielen Ländern der größte Posten, unkompensiert bleibt.

Die Rechenmethode erklärt aber, wie Dänemark und andere Länder zu ihren unerwartet hohen Listenplätzen kommen. Die Dänen haben, vielleicht weil sie viele Schweine mästen und viel Bier brauen, den mit Abstand höchsten Bedarf an Ackerflächen.

Belgier, Niederländer und Iren haben in allen Kategorien hohe Werte. Katar stößt weltweit das meiste CO2 aus. Die Mongolen sind Spitzenreiter bei den Weidefläche, Mauritius beim Fischfang. Von diesen Ländern ist die Mongolei das einzige, das wenigstens in seinen Grenzen mehr Kapazität besitzt als sein ökologischer Fußabdruck ausmacht. Innerhalb der EU schaffen das nur Schweden, Finnland, Lettland und Estland.

Die zweite Messgröße im WWF-Bericht ist der Living-Planet-Index, den die Umweltgruppe seit 1970 ermittelt. Diesmal haben die Autoren die Lebensbedingungen von fast 2700 Tierarten untersucht. Sie haben sich in den gut 40 Jahren um 28 Prozent verschlechtert.

Dahinter verbirgt sich eine zweigeteilte Entwicklung: Während der Index für die Lebewesen in den Tropen um 61 Prozent gesunken ist, verzeichnen Tiere in gemäßigten Zonen eine Zunahme. "Dort war die Umwelt schon stark zerstört, als der WWF mit seiner Arbeit begann", erklärt Brandes das verblüffende Resultat, "jetzt wirken dort Schutzmaßnahmen. Die Tropen spüren die Wucht der Zerstörung."

Hier finden Sie den Report als pdf-Datei.

Hintergrund:

Der Ökologische Fußbadruck ist die Fläche, die ein Mensch verbraucht, um sich zu ernähren, zu kleiden, sich mit Energie zu versorgen und seinen Müll zu entsorgen.

Fachleute gehen davon aus, dass zur Versorgung der Menschheit pro Person 1,8 Globale Hektar (Gha) Erdoberfläche notwendig sind. Im weltweiten Durchschnitt wurden dem WWF zufolge 2008 jedoch 2,7 Gha pro Person verbraucht. Das bedeutet, es wird mehr genutzt, als die Biokapazität der Erde hergibt.

Die Top Ten der Staaten mit dem größten Ökologischen Fußbadruck:

Katar 11,7 Gha

Kuweit 9,7 Gha

Vereinte Arabische Emirate 8,4 Gha

Dänemark 8,3 Gha

USA 7,2 Gha

Belgien 7,1 Gha

Australien 6,7 Gha

Kanada 6,4 Gha

Niederlande 6,3 Gha

Irland 6,2 Gha

Für Deutschland liegt der Ökologische Fußabdruck bei 4,6 Gha