World Ocean Review So wollen 200 Forscher die Weltmeere retten

Ein Buckelwal springt vor der Küste Ecuadors aus dem Wasser - bislang sind internationale Gewässer kaum vor dem Zugriff des Menschen geschützt, beklagen Experten.

(Foto: Jose Jacome/dpa)

Ozeane liefern Fisch und sehen auch noch gut aus. Doch der Mensch missbraucht die Meere bedenkenlos.

Von Tina Baier

Der Mensch fischt die Ozeane leer, plündert die dortigen Gas-, Öl- und Erzvorräte und lädt dann auch noch seinen Müll im Meer ab. Er benimmt sich, als seien die Meere eine Art Schlaraffenland, in dem sich jeder nehmen kann, was er will, ohne dass die Reserven je zu Ende gehen würden. Natürlich ist das nicht so. Und deshalb haben sich die Verfasser des vierten "World Ocean Review", der am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde, das Thema Nachhaltigkeit in den Fokus gerückt.

"Eine der zentralen Fragen ist, wie sich der Schutz der Meere mit ihrer wirtschaftlichen Nutzung vereinbaren lässt", sagt Martin Visbeck, Sprecher des Kieler Exzellenzclusters "Ozean der Zukunft", an dem mehr als 200 Wissenschaftler aus unterschiedlichen Disziplinen beteiligt sind. Die Forscher, die den Bericht gemeinsam mit dem International Ocean Institute und der Zeitschrift mare herausgeben, betrachten die Ozeane durchaus als Dienstleister des Menschen. Unter anderem liefern die Meere Fisch, stellen kostenlos Transportwege zur Verfügung, binden Kohlendioxid und wirken dadurch dem Klimawandel entgegen.

Außerdem sind sie schön - ein Wert, der nicht zu unterschätzen ist. "Etwa 50 Prozent der wirtschaftlichen Leistung der Ozeane stammen aus dem Tourismus", sagt Visbeck. "Das vergessen viele." Um zu begreifen, dass diese Schönheit ein wirtschaftlicher Wert ist, muss man sich nur klarmachen, wie viele Hotels für Zimmer mit Meerblick einen Aufpreis verlangen.

Auf der hohen See darf sich bislang jeder nach Belieben bedienen

Damit der Mensch all diese Dienstleistungen auch in Zukunft weiter nutzen kann, müssen die Meere nach Ansicht der Verfasser des Ozean-Reports besser geschützt werden. Dabei gibt es allerdings viele Hindernisse. Eines davon ist, dass keine Instanz existiert, "die ein internationales Meeresgebiet vom Meeresboden bis zur Wasseroberfläche komplett unter Schutz stellen könnte", schreiben die Wissenschaftler. Stattdessen gebe es viele verschiedene Institutionen und 600 Abkommen zwischen Staaten, die sich aber alle nur mit irgendwelchen Teilaspekten beschäftigen.

"Wir bräuchten eine unabhängige Institution, beispielsweise bei den Vereinten Nationen, die all diese sektoralen Aspekte zusammenführt", sagt Visbeck. Eine solche Institution könnte etwa die hohe See für den Fischfang sperren, wodurch eine Regenerationszone entstehen würde. Bislang gibt es für die hohe See, die anders als die Küstengewässer keinem Staat zugeordnet ist, wenige Regeln und viele Freiheiten. Im Prinzip dürfen sich dort alle kostenlos bedienen.