SZ: Mal angenommen, jemand möchte ein besserer Mensch werden: Muss er dazu mehr von seinem Unterbewusstsein verstehen, also unbewusste Prozesse bewusst machen?
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Singer: Die Kapazität des Bewusstseins ist begrenzt. Sie können nicht auf beliebig viele Dinge Ihre Aufmerksamkeit lenken, und die Aufmerksamkeit brauchen Sie, um etwas ins Bewusstsein zu heben.
SZ: Meditation ist längst als Aufmerksamkeitstraining anerkannt. Sie haben selber mal an einem Schweigeseminar im Schwarzwald teilgenommen, oder?
Singer: Ja, ich bin in ein Sesshin, eine sehr strenge Zen-Praxis, geraten: also acht Stunden am Tag vor der weißen Wand sitzen. Kein Blickkontakt mit den anderen, kein Wortwechsel, vierzehn Tage lang: ein hartes Regime. Sie müssen mit der Situation fertigwerden, total isoliert zu sein. Und zwar lange. Erst nach ein paar Tagen begreifen Sie, was passiert. Man muss sich sehr stark konzentrieren, ist also weit weg davon, zu dösen oder einzuschlafen, und es geht einem vieles durch den Kopf.
SZ: Angeblich denken viele nur an Sex ...
Singer: Woran sie denken, darauf kommt es gar nicht an. Es geht vielmehr darum, alles kommen und gehen zu lassen, sodass sich ein Zustand von Gelassenheit einstellt.
SZ: Buddhisten nennen das "kühle Langeweile" oder "Erleuchtung".
Singer: Das Eins-Sein mit dem Universum habe ich nicht erfahren, so weit bin ich nicht gekommen. Was ich bemerkt habe, ist, dass sich meine visuelle Wahrnehmung verändert hat. Das mag jetzt etwas exotisch klingen, aber es gibt das sogenannte Ameisenhaufen-Phänomen: Wer so einen großen Ameisenhaufen betrachtet, und im Schwarzwald gibt's viele, der kann entweder seine Aufmerksamkeit auf die Ameisen selber richten, dann sieht er diese kleinen Krabbler mit den Beinchen und allen Details; oder aber, er öffnet die Aperture der Aufmerksamkeit und sieht nurmehr die großen Bewegungsströme auf diesem Ameisenhaufen, dafür nicht mehr die Details.
SZ: Womit erklären Sie sich das?
Singer: Das liegt daran, dass man für Bewegungsanalyse im Gehirn völlig andere Systeme verwendet als für die Formenidentifikation, die Detailauflösung. Normalerweise schaltet man zwischen den beiden Systemen hin und her, je nachdem, was man gerade braucht. Nach drei bis vier Tagen Meditation dachte ich: Donnerwetter, ich kann ja beides gleichzeitig sehen, die Ströme und die Tierchen. Die Mönche haben mir später bestätigt, dass diese Veränderung der Aufmerksamkeit einer der ersten Effekte ist, der sich nach intensiver Meditation einstellt.
SZ: Meditation dient auch der Wahrheitsfindung, wie Sie herausgefunden haben ...
Singer: Ja, zusammen mit meinem Freund Matthieu Ricard, dem Molekularbiologen und buddhistischen Mönch. Ich habe mit ihm zusammen ein Buch über Meditation und Hirnforschung geschrieben.
SZ: Darin sprechen Sie auch von "Demut"; eine ungewohnte Kategorie für einen Naturwissenschaftler. Es geht also bei Meditation nicht nur um Nabelschau.
Singer: Der Matthieu würde sagen, die Befreiung des eigenen Bewusstseins von Kontaminationen wie Neid, Missgunst, Hass, also Teufelskreisen, in denen man sich andauernd verfängt, schafft einen viel realistischeren, weniger ichbezogenen Blick auf die Welt.
SZ: Kann man dann auch toleranter sein?
Singer: Mehr noch: Dann kann ich leichter helfen, kann mich leichter einlassen auf andere.
SZ: Es gibt also einen Zusammenhang zwischen der Schärfung der Wahrnehmung und der Fähigkeit zur Empathie: Wenn wir lernen, uns selber zu beobachten, sehen wir auch eher, wenn es anderen schlecht geht?
Singer: Es gibt erste Untersuchungen, die das zu bestätigen scheinen. Wenn sich Menschen über kontemplative Verfahren wie Meditation sehr intensiv mit ihren Emotionen auseinandersetzen, sie differenzieren lernen, dann werden sie auch besser im Entschlüsseln der emotionalen Gestimmtheit des Gegenüber, können besser aus Gesichtern lesen, sauberer zwischen Emotionen unterscheiden. Bei einem aggressiven Menschen wird dann vielleicht zusätzlich erkennbar: Der hat eigentlich Angst und seine Aggressivität ist nur die Folge. Man kann dann wahrscheinlich differenzierter, nachsichtiger und verständnisvoller gegenüber diesem Menschen sein.
SZ: Weil ich mich im Anderen wiedererkenne?
Singer: Genau.
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Die Behauptung von Herrn Singer, dass es den Freien Willen nicht gibt, ist basiert auf einer Reihe von Experimenten (das erste und bekannteste von Libet et al.), in denen festgestellt wurde, dass es Ströme im Gehirn gibt, die auftreten noch vor dem Zeitpunkt an dem die Versuchsperson angibt, sich entschlossen zu haben einen Knopf zu drücken. In anderen Worten: Jedes Mal, wenn der Gehirnstrom messbar ist, drückt die Person Sekundenbruchteile später den Knopf und die Zeit des rapportierten Entschlusses liegt nach dem Gehirnstrom. Weitere Ausführungen des Experiments mit zwei Knöpfen (Entscheidung nicht nur wann gedrückt wird, sondern auch welcher Knopf gedrückt wird) und anderen Methoden als EEG (nämlich fMRT; Soon et al.) wurden durchgeführt. Mit übereinstimmendem Ergebnis.
Meiner Meinung nach ist das Problem bei allen Experimenten jedoch, dass gar keine wirklich freie Willensentscheidung vorliegt. Die Anweisung an die Versuchspersonen lautete, dass sie zu einem beliebigen Zeitpunkt einen von zwei Knöpfen drücken sollten (bei den schon verbesserten Experimenten). Was ist an dieser Anweisung noch frei? Man kann sich lediglich zwischen zwei völlig bedeutungslosen Knöpfen entscheiden. Der Zeitpunkt ist durch die Gesamtlänge des Experiments begrenzt. Die Versuchspersonen mussten schon eine stattliche Anzahl von Knopfbetätigungen zusammenbringen, um ein verlässliches Resultat zu erhalten. Doch wer wartet schon mehrere Stunden oder noch länger bis er das nächste Mal drückt. Nein, vielmehr drückt man als Versuchsperson alle paar Sekunden. Da der Knopfdruck aber bedeutungslos ist, ohne jegliche Konsequenz, hat das alles nichts mit freiem Willen zu tun, es ist lediglich eine zufällige Aktion. Ein Wille erfordert, dass man in irgendeiner Weise eine tiefere Bedeutung an ihn knüpft. Die Experimente sind also an und für sich überhaupt nicht valide.
Also wird auch nicht nachgewiesen, dass die Materie Herr ist über den Geist und der freie Wille nicht existiert. Vielmehr gibt es tausende und abertausende Berichte von Menschen, die ganz andere Erfahrungen gemacht haben. So etwa aus dem Buddhismus, schamanischen Kulten, Nahtoderfahrungen (http://www.stern.de/wissen/mensch/nahtod-erfahrungen-forschung-zwischen-leben-und-tod-1511460.html) und vielen vielen mehr...
empfehlen kann, ist ein Buch von
1. John C. Eccles: 'Das menschliche Gehirn' und ergänzend dazu eines von
2. Umberto Maturana: 'Der Baum der Erkenntnis'
Beide Bücher behandeln und beschreiben die Funktionen und Funktionsweisen von Neuronen und Synapsen, ohne die man die Argumente von Prof. Singer überhaupt nicht verstehen kann.
Wenn man nach der Lektüre dieser Werke dann noch Appetit auf eine geradezu geniale Spekulation hat, empfiehlt sich da Buch
3. Roger Penroe: 'Schatten des Geistes', ab Kapitel 6, wenn man sich der quantenmechanischen Implikationen der beiden Bücher 1. und 2. begeben will.
Denn eines ist klar: Die operationale Basis unserer geistigen Existenz ist Materie ... und sonst nichts weiß ...
Kuni
in der Lage bin, ist, wie sich ein Gehirn in den Händen anfühlt (ob mit oder ohne Formalyn)............ ist und bleibt jedoch ein subjektives Gefühl.......
Ansonsten kann ich dem Beitrag wenig abgewinnen...
dessen Behauptungen hübsch klingen und auch von einfach strukturierten Personen leicht verstanden werden. Wahrscheinlich ein Argumentationserfolg, der auf der Zersäbelung vieler Gehirne beruht.
Welche wissenschaftliche Begründung hat denn das Bewußtsein beim toten, zersäbelfähigen Hirn? Entscheidungen unbewußt? Macht der Herr Singer da nicht ein paar unerlaubte Anleihen bei einer anderen Teilwissenschaft, deren Sinnhaftigkeit er ansonsten vehement bezweifelt?
Ich finde den Artikel unwissenschaftlich und von Profilsucht geprägt. Leute es gibt wirklich bessere Themen, auch im Sommerloch...
Daß das Gehirn nicht das Zentrum des Menschen ist, kann nur erfahren und nicht mit Denken erfasst werden - man kann sich aber bildlich schon eine Vorstellung machen: ein riesiger Stapel von Programmen - das bin nicht ich. Wer aber bin "ich" dann? Es gibt keine Antwort aus dem Ärmel, aber es lohnt sich, sich auf die Suche zu machen . . .
Diese Erkenntnis hat (für unser Ego) so etwas von der Bedeutung wie seinerzeit die Entdeckung von Galileo Galilei, dass die Erde nicht das Zentrum des Universums ist.
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