Wissensnachrichten der WocheKlimawandel lässt nur kleine Fische übrig

Die Ozeanversauerung führt dazu, dass die "Ratten der Meere" dominieren, warnen Forscher. Außerdem in den Wissensnachrichten der Woche: Autos setzen gefährliche Kleinstpartikel frei, und die Stimmlage ändert sich mit dem Status einer Person.

Erderwärmung lässt nur kleine Fische übrig

Wahrscheinlich sind es kleine, aggressive Fische - man könnte sie auch als die "Ratten der Meere" bezeichnen - die die Versauerung der Ozeane überleben werden. Darauf deutet zumindest eine Studie australischer Meeresbiologen hin, die drei Jahre lang untersucht haben, ob und wie sich die Zusammensetzung der Arten verändert, wenn der pH-Wert des Wassers sinkt. Die Versauerung ist eine Folge des Klimawandels, weil die Meere zwangsläufig mehr CO₂ aufnehmen, wenn die Konzentration dieses Gases in der Luft ansteigt.

Für ihre Experimente haben die Wissenschaftler ein natürliches Ökosystem rund um eine kleine Insel gewählt, wo das Wasser heute schon extrem sauer ist, weil aus dem Meeresgrund aufgrund hoher vulkanischer Aktivität ständig CO₂ austritt. In dem sauren Wasser lebten rein zahlenmäßig sogar mehr Fische als in einem vergleichbaren Gebiet mit höherem pH-Wert, schreiben die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Current Biology. Doch es gebe dort viel weniger verschiedene Arten. "Ein oder zwei Spezies von vergleichsweise kleinen Fischen mit dominantem Verhalten setzen sich durch", sagt Ivan Nagelkerken, der die Studie geleitet hat. "Viele andere sind weg."

Ein Grund dafür ist nach Ansicht der Forscher, dass in den sauren Regionen kaum noch Seetang auf dem Meeresgrund wächst. Als Folge verschwinden mittelgroße Raubfische, die sich dort vor noch größeren Räubern verstecken. Die "Ratten der Meere" haben deshalb keine Feinde mehr und können sich ungehemmt vermehren. Von Tina Baier

Bild: AFP 9. Juli 2017, 20:162017-07-09 20:16:34 © SZ.de/dpa/chrb