Vulkanausbruch auf Island "Weniger gefährlich als Autoabgase"

Besorgniserregend hängt die Aschewolke am Himmel. Doch Experten halten sie für ungefährlich - außer für den Flugverkehr.

Von M.C. Schulte von Drach

Angesichts der Aschewolke, die den Himmel über den Köpfen der Nordeuropäer verdüstert, fragt man sich, welche Folgen der Ausbruch des Eyjafjalla-Vulkans auf Island für uns haben kann.

Dass der Flugverkehr durch die Vulkanasche in der Atmosphäre beeinträchtigt ist, ist klar, da die Maschinen die Wolke durchqueren müssten. Selbst bei einem relativ geringen Risiko für die Flugzeuge ist es ein Gebot der Vernunft, die Flughäfen zu schließen.

Doch stellt die Asche aus dem Eyjafjalla-Vulkans auch eine Gefahr für die Bevölkerung oder gar für das Klima dar?

Eine einfache Antwort darauf gibt es nicht, dafür spielen zu viele Faktoren eine Rolle. So kann niemand vorhersagen, wie lange der Vulkan noch Asche spucken und wie viel letztlich in die Atmosphäre gelangen wird. Ein anderer Faktor ist die Richtung, in die der Wind die Asche in fünf bis elf Kilometern Höhe treibt, und wie stark er weht.

So konnten die Experten am Freitag schon früh vorhersagen, dass Flugzeuge auch in Süddeutschland voraussichtlich am Boden bleiben müssten, da über Deutschland ein relativ starker Wind in Richtung Südosten weht. Und auch am Wochenende dürfte uns die Asche in der Atmosphäre voraussichtlich noch beschäftigen.

Allerdings erwartet man beim Deutschen Wetterdienst, dass sich die Wetterlage dann ändern wird. Selbst wenn der Vulkan weiter Asche spucken sollte, wird sie erst einmal nicht mehr in Richtung Mitteleuropa geweht.

Darüber hinaus ist die Asche über Deutschland so stark verdünnt, dass keine Gesundheitsgefahr besteht. Zwar enthält sie Schwefeldioxid, doch die Konzentration der gesundheitsgefährdenden Moleküle ist nach der mehrere Tausend Kilometer langen Reise durch die Atmosphäre nur noch gering.

Lediglich bei Menschen mit schweren Atemwegserkrankungen könnte sich der Gesundheitszustand wegen der zusätzlichen Feinstaubbelastung verschlechtern, erklärte Christian Witt von der Berliner Charité der Nachrichtenagentur Reuters.

Er rät den Betroffenen, nicht so viel aus dem Haus zu gehen und ihre Atemsprays bei sich zu tragen. Ein größeres Gesundheitsrisiko sieht Witt für die Bewohner Islands, der Färöer-Inseln sowie vielleicht in Nordschottland. Und Wolfgang Straff vom Umweltbundesamt erklärte, das Material aus dem Vulkan sei weit weniger gefährlich als Feinstaub in Autoabgasen.

Wenn also im Extremfall Aschepartikel auf den Erdboden sinken sollten, wäre das kein Grund zur Sorge, sondern nur ein spektakuläres Naturereignis, ähnlich dem roten Saharastaub, der hin und wieder als "Blutregen" über Europa niedergeht.

"Einfluss der Vulkan-Asche ist nicht der Rede wert"

Und was ist mit dem Klima? Schließlich können Vulkanausbrüche das Wetter regional oder weltweit für Monate oder sogar für Jahre verändern. Etwa wenn die Aschewolken die Sonne verhüllen und sich die Windströmungen verändern. So sank die globale Temperatur 1991 nach dem Ausbruch des Vulkans Pinatubo auf den Philippinen um ein halbes Grad. Und in den vergangenen Jahrhunderten kam es wiederholt zu Ernteausfällen und Hungersnöten nach Vulkanausbrüchen - mit Hunderttausenden von Toten.

Doch der Einfluss, den der Ausbruch des Eyjafjalla-Vulkans auf das Klima hat, ist nach Einschätzungen der Fachleute nur gering. "Dafür wurde die Asche nicht hoch genug in die Atmosphäre geschleudert", erklärte Hans Volkert vom Institut für Physik der Atmosphäre des Deutschen Zentrums für Luft und Raumfahrt sueddeutsche.de.

"Selbst wenn es in der nächsten Zeit kühlere Tage geben sollte, so spielen dabei eine Menge andere Faktoren eine wichtigere Rolle. Der minimale Einfluss, den die Vulkanasche haben könnte, ist nicht der Rede wert."

Wer also nicht von den Einschränkungen des Flugverkehrs betroffen ist, kann entspannt die zu erwartenden roten Sonnenuntergänge genießen, die der Staub in der Atmosphäre verursachen dürfte.

Alle anderen sollten froh darüber sein, dass heute früh genug gewarnt wird, um riskante Flüge zu vermeiden - und sich dann an den spektakulären Bildern aus Island erfreuen.