Der Bundesrat wird sich aller Voraussicht nach erneut dafür aussprechen, die Haltung bestimmter Wildtiere im Zirkus zu verbieten. Das hat er 2003 schon einmal getan. Höchste Zeit, dass auch die Unionsfraktion im Bundestag ihren Widerstand gegen das Verbot aufgibt.
Staunend schauen wir zu, wie Elefanten mit Krönchen auf dem dicken Schädel auf zwei Beinen balancieren oder wie Tiger durch brennende Reifen springen. Was für ein Anblick - und was für eine großartige Leistung der Dompteure, wilden, häufig sogar gefährlichen Tieren den menschlichen Willen aufzuzwingen.
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Ein Elefant im Circus Krone in München. Auftritte wie dieser sind umstritten. Wer seinen Kindern Respekt vor anderen Lebewesen beibringen und ihnen Tiere nahebringen will, sollte mit den kleinen Arten im Garten oder Park beginnen, mit dem Nachwuchs in den Zoo gehen und gute Dokumentarfilme besorgen. (© AP)
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Gerade Kinder begeistert das Spektakel in der Arena, und sie sind von den Tieren tief beeindruckt. Und ihr Respekt vor den Tieren - so hoffen Befürworter solcher Auftritte - wächst. Es mag deshalb auf den ersten Blick plausibel erscheinen, dass Wildtiere im Zirkus so indirekt zum Erhalt der Artenvielfalt und dem Umweltschutz beitragen könnten.
Ergibt es also Sinn, dass der Agrarausschuss des Bundesrats nun für das vom Hamburger Senat beantragte Verbot von Wildtieren im Zirkus votiert hat? Lag der Bundesrat 2003 falsch, als er einen Antrag auf ein Haltungsverbot bestimmter Tierarten im Zirkus beschloss - das im Bundestag allerdings bis heute keine Mehrheit gefunden hat?
Der Bundesrat lag richtig. Was Kinder - und Erwachsene - im Zirkus lernen, ist gerade nicht der Respekt vor anderen Lebewesen. Jedenfalls nicht vor den Tieren, wie sie wirklich sind. Wir erleben, wie sie Dinge tun, die nicht ihrer Natur entsprechen. Sie werden in albernen Putz gezwungen und "zum Affen gemacht".
Völlig falsches Bild
Das Bild, das unser Nachwuchs hier entwickelt, hat wenig zu tun mit dem imposanten Auftritt einer Elefantenherde in der afrikanischen Savanne oder eines Tigers im indischen Dschungel. Vielmehr spielt sich hier der Mensch als Krone der Schöpfung auf. Auf diese Weise wird es uns kaum gelingen, unseren Kindern die Lebewesen auf unserem Planeten näher zu bringen. Dafür eignet sich der Zoo - bei aller angemessenen Kritik an den dortigen Haltungsbedingungen - besser.
Es wäre höchste Zeit, dass der Bundestag endlich dem Bundesrat folgt und sich nicht länger zufriedengibt mit dem bereits 2003 beschlossenen und 2008 endlich eingerichteten Zirkuszentralregister. In diesem wird lediglich festgehalten, welcher Wanderzirkus wann und wo unterwegs ist und ob die bestehenden Tierschutzgesetze eingehalten werden.
Dazu kommt, dass ehrlich gemeinter Tierschutz bedeutet, Tiere möglichst artgerecht zu halten. Und davon kann im Zirkus wirklich keine Rede sein. Affen, Elefanten, Großbären, Giraffen, Nashörner, Flusspferde und Großkatzen müssen weiterhin viel Zeit in engen Transportwagen ausharren und die Trainingszeit im Zirkuszelt kann man genauso wenig als angemessenen Auslauf betrachten wie die kleinen Gehege, in die sie zwischen den Vorstellungen eingesperrt sind.
Natürlich lieben Dompteure ihre Tiere in der Regel und quälen sie nicht fahrlässig. Auch die Tatsache, dass manche Wildtiere sich in Gefangenschaft vermehren, spricht dafür, dass sie nicht nur leiden. Und es ist eine eher romantische Vorstellung, dass Tiere, die sich in freier Wildbahn viel bewegen, dies gern tun. Sie tun es normalerweise, um Nahrung oder Partner zu finden. Stehen die ohne großen Aufwand zur Verfügung, so vermissen wilde Tiere die Bewegung möglicherweise gar nicht.
Andererseits kann Bewegungsmangel bei Tieren mit ausgeprägtem Bewegungsdrang ein Gesundheitsrisiko sein. Und Tiere wie Großbären, die in der Wildnis eher Einzelgänger sind, sollten nicht zu mehreren auf engen Raum und Herdentiere wie Elefanten nicht allein gehalten werden. Das bedeutet Stress und kann zu Aggressionen führen. Der Hamburger Senat stellt in seinem Antrag an den Bundesrat deshalb zu Recht fest: "Dadurch kommt es häufig zu schwerwiegenden Erkrankungen, Verhaltensstörungen und nicht selten zu Todesfällen." Nur durch eine generelle Regelung ließe sich verhindern, dass weiter Wildtiere in Zirkussen gezüchtet und gehalten werden. "Ein generelles Haltungsverbot ist dafür unumgänglich", fordert der Senat, wobei er für bereits vorhandene Tiere eine Übergangsfrist einführen möchte.
Im Bundeslandwirtschaftsministerium lehnt man das allerdings ab und weist auf das Recht auf Berufsfreiheit der Zirkusdompteure hin. Doch dieses Argument ist schwach. Schließlich kann jeder weiterhin versuchen, als Zirkusdompteur zu arbeiten - nur eben mit anderen Tieren, die sich auch in einem Zirkus artgerecht halten lassen. Und sollte ein Zirkus tatsächlich das Recht haben, Tiere zu Unterhaltungszwecken zu besitzen, die auf der Roten Liste stehen?
Es ist zu hoffen, dass die Unions- und FDP-Fraktionen im Bundestag und das Ministerium ihre Blockadehaltung gegenüber dem Verbot endlich aufgeben und dem Antrag aus Hamburg folgen, dem auch das Plenum der Länderkammer am 25. November vermutlich zustimmen wird.
Dabei wäre das nur ein erster Schritt. Dem Hamburger Papier zufolge soll zwar explizit die Haltung von Affen, Elefanten, Großbären, Giraffen, Nashörnern und Flusspferden verboten werden. Großkatzen wie Tiger und Löwen aber werden nicht erwähnt. Das Verbot sollte auf Raubkatzen ausgeweitet werden - und in Zukunft auf alle Wildtiere überhaupt, so wie es zum Beispiel in Österreich der Fall ist. Es ist völlig überflüssig, dass wir Tiere zu völlig unnatürlichen Verhaltensweisen zwingen, wenn dies einzig und allein unserer Unterhaltung dient.
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(sueddeutsche.de/grc)
Linke-Vize-Chefin Wawzyniak
Im Vergleich zur üblichen Haltung von Hühnern oder Schweinen geht es den Tieren im Zirkus vermutlich recht gut. Aber hier wird ein Exempel statuiert, weil die Lobby weniger mächtig ist, als die der Massentierhalter.
Sie waren vermutlich nie hinter den Kulissen von Circus Krone, wo aus gutem Grund auch selten ein Außenstehnder hindarf. Der "Zustand" der Tiere wird sicher kontrolliert, was die Gesundheit angeht. Aber Sie glauben doch nicht wirklich, dass z.B. Raubkatzen und Elefanten dort auch nur im geringsten artgerecht gehalten werden. Schauen Sie doch mal: http://www.youtube.com/watch?v=gWDD2M0GD80
Das Reden vom Zirkussterben gibt es schon so lange, wie es den Zirkus gibt. Fakt ist, dass auch in Zeiten medialer Reizüberflutung die Zelte der bekannten Unternehmen regelmäßig voll sind. Die Menschen wollen nach wie vor den klassischen Circus mit Tieren sehen. Gerade in Hamburg, der Stadt, aus der die im Artikel erwähnte Bundesratsinitiative stammt, hat der Circus Krone vor kurzem erst große Erfolge gefeiert.
Im übrigen: Eine tiergerechte Haltung ist im Circus für die zur Debatte stehenden Tierarten sehr wohl möglich. Das bestätigen anerkannte Verhaltensforscher, u.a. schon in einer Expertenanhörung, die bereits 2003 im Bundestag dazu durchgeführt wurde. Das Thema ist ein alter Hut und der Verbotsantrag heute genauso falsch wie damals. Sicher muss die Tierhaltung strengen Kontrollen unterliegen. Das ist aber eindeutig der Fall in Deutschland. Zirkusbetriebe sind die wahrscheinlich meistkontrollierten Unternehmen, da in jeder Gastspielstadt das zuständige Veterinäramt den Zustand der Tiere kontrolliert. Ich für meinen Teil gehe jedenfalls mit sehr ruhigem Gewissen und immer wieder gerne in den Circus MIT Tieren.
... was sich auf der ganzen weiten Welt bewegt, um sich ein Bild davon zu machen?
Nein, muß es ganz bestimmt nicht!
Und in manchen Fällen sollte es auch nicht dazu animiert werden.
In meiner Nachbarschaft wurde gerade ein Streichelzoo mit heimischen Tieren aufgebaut. Darunter auch solche, die eine relativ große Fluchtdistanz haben.
Die Kinder werden ohne vorhergehende Erklärung/ Einweisung ins Gehege gelassen und stürmen schrill schreiend auf die Tiere zu, welche sich dann umgehend versuchen, in Sicherheit zu bringen. Nicht immer erfolgreich und dann mit letalem Ausgang durch akuten Schock.
Die anwesenden Eltern - und das ist der eigentliche Skandal - fühlen sich in keinster Weise bemüßigt, mäßigend auf den eigenen Nachwuchs einzuwirken. Im Gegenteil, die Bewunderung der eigenen Brut ob ihrer Lebhaftigkeit und Stimmgewalt überwiegt.
"Das klingt sehr widersprüchlich. Ist der Zoo nun der "bessere" Ort zum Bestaunen von Wildtieren? Nein, ist er nicht. Man kann dort sehr gut eine Menge von Wildtieren sehen, die so wenig artgerecht gehalten werden, dass sie an Hospitalismus leiden, Elefanten, die stundenlang mit dem Kopf wackeln, Raubkatzen, die den ganzen Tag unruhig auf und ab schreiten. (Ich empfehle Rilkes "der Panther")."
Ich gebe Ihnen recht. Der Zoo ist bestimmt kein schöner Ort für Wildtiere. Allerdings gibt es auch Beispiele in denen Zoos das Überleben einer Art durch Zucht gesichert haben.
Um einen Kind zu Zeigen wie groß die Dickhäuter sind die sie im Fernsehen sehen finde ich einen Zoo - zwar nicht anständig, aber vertretbar.
Wie weit weg und uninteressant sind, selbst für Erwachsene, manche Meldungen aus aller Welt. Wen interessiert es schon, dass die Polkappen und Gletscher schmelzen. Genau so weit weg ist der Elefant in Afrika.
Paging