UN-Konferenz in Durban "Man darf nicht resignieren"

Angesichts der Schuldenkrise ist ein drängendes Problem fast in Vergessenheit geraten: Die immer stärkere Erwärmung der Erde. Auf dem UN-Klimagipfel in Südafrika kann die Weltgemeinschaft jetzt zeigen, wo ihre Prioritäten liegen - im Wirtschaftswachstum oder dem Schutz des Klimas.

Im südafrikanischen Durban hat die 17. UN-Klimakonferenz begonnen. Etwa 20.000 Delegierte, Experten, Politiker, Funktionäre und Journalisten aus 194 Ländern haben von heute an zwei Wochen Zeit, zu demonstrieren, wie ernst sie es mit der Bekämpfung des Klimawandels meinen und wie wichtig es ihnen ist, die Menschen vor den langfristig drohenden negativen Folgen der Erderwärmung zu schützen.

Doch dass sie die Gelegenheit tatsächlich nutzen, ist fraglich. Zu unterschiedlich sind die Interessen der Staaten, die auf dem Klimagipfel miteinander verhandeln.

Dabei haben Klimaexperten aus aller Welt in der jüngsten Vergangenheit deutlich gemacht, wie dringend Maßnahmen ergriffen werden müssen: Bis zum Jahre 2100 könnte sich die Atmosphäre unseres Planeten sonst um bis zu fünf Grad Celsius erwärmen.

Dabei hatten sich die Länder auf den Klimakonferenzen im dänischen Kopenhagen 2009 und dem mexikanischen Cancún 2010 darauf geeinigt, dass es im Vergleich zur vorindustriellen Zeit maximal zwei Grad mehr sein dürften.

Und schon dieses Ziel war festgelegt worden, weil es erreichbar scheint, und nicht etwa, weil man damit alle Klimawandelfolgen verhindern könnte. Mit einer Zunahme von Tropenstürmen, Dürren, Überschwemmungen und mit einer Ausbreitung von Wüsten und mit Flüchtlingsströmen muss die Menschheit trotzdem rechnen.

Die Grundlage für die Fünf-Grad-Schätzung sind Messungen der Treibhausgase in der Atmosphäre. Deren Konzentration nimmt nicht, wie gehofft, ab, sondern wächst. 2010 waren es dem Global Carbon Project zufolge 33,5 Milliarden Tonnen CO2 - so viel nie zuvor. Wie die meteorologische Organisation der UN kürzlich berichtete, lag die mittlere Konzentration bei 389 Teilchen pro Million Luftmoleküle (ppm). Lediglich 280 ppm waren es vor der industriellen Revolution gewesen. Weiterhin werden also kräftig Treibhausgase ausgestoßen, und was mancherorts aufgrund guten Willens oder auch wegen der Finanz- und Wirtschaftskrise eingespart wurde, wurde durch die Zunahme andernorts weit mehr als aufgehoben.

Es ist also dringend notwendig, dass sich die Weltgemeinschaft jetzt auf der UN-Klimakonferenz im südafrikanischen Durban auf gemeinsame Maßnahmen einigt, um die Emissionen zu verringern. Noch gilt das 1997 ausgehandelte Kyoto-Protokoll, in dem sich etliche Staaten verpflichtet hatten, ihre CO2-Emissionen zu reduzieren. Doch zum einen haben die USA das Protokoll gar nicht erst ratifiziert, für Schwellenländer wie China und Indien waren keine Verringerungen vorgesehen. Lediglich 37 Staaten hatten sich verpflichtet, ihren CO2-Ausstoß zu vermindern oder die Zunahme zu bremsen.

Zum anderen läuft das Protokoll 2012 aus. Um den Klimawandel zu bremsen, muss es fortgeschrieben oder durch ein anderes verbindliches Klimaabkommen ersetzt werden.