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Klimawandel:Mehr Treibhausgase als je zuvor

Trotz drohender Katastrophen hat die Menschheit kein Einsehen: Kurz vor der Weltklimakonferenz in Durban warnen UN-Meteorologen, dass die Treibhausgas-Konzentration in der Atmosphäre im vergangenen Jahr auf Rekordniveau gestiegen ist.

Gerade erst berichteten US-Wissenschaftler, dass die Kohlendioxidemissionen 2010 doppelt so hoch sind wie erwarte t, dann warnten die Vereinten Nationen davor, dass die globale Erderwärmung zu immer heftigeren Wetterkatastrophen führen wird - und nun das:

Wie soll es gelingen, die Erderwärmung auf zwei Grad bis 2100 zu beschränken, wenn wir nicht weniger, sondern immer mehr Kohlendioxid in die Atmosphäre blasen?

(Foto: AP)

Kurz vor dem UN-Klimagipfel in Durban berichtet die UN-Meteorologiebehörde (WMO), dass die Konzentration der Treibhausgase Kohlendioxid (CO2) und Methan in der Atmosphäre im vergangenen Jahr höher war als je zuvor gemessen wurde.

Die Belastung der Atmosphäre durch menschliche Aktivitäten habe "ein weiteres Rekordniveau seit der vorindustriellen Zeit erreicht", warnte Michel Jarraud, Direktor der World Meteorological Organization (WMO). Zudem sei das Volumen der für die Erderwärmung verantwortlichen Gase schneller gestiegen als im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre. Der Anstieg der Emissionen ist damit größer, als von den Experten prognostiziert.

Dementsprechend wird es noch schwieriger, eine Erwärmung der Atmosphäre auf maximal zwei Grad bis zum Jahr 2100 zu beschränken, wie Experten dringend empfehlen. Schon eine Erwärmung der Durchschnittstemperatur um zwei bis fünf Grad dürfte katastrophale Folgen für Umwelt und Menschen haben.

Der Anteil der CO2-Moleküle in der Atmosphäre ist der WMO zufolge von 2009 auf 2010 um 2,3 ppm (Parts per Million, Teilchen auf eine Million) auf eine Konzentration von 389 ppm gestiegen. Das ist der höchste Wert seit Beginn der Industrialisierung im Jahr 1750, hieß es in dem Papier. In den vergangenen zehn Jahren hatte die Konzentration im Schnitt um 2,0 ppm und in den 90er Jahren um 1,15 ppm zugenommen. Inzwischen ist die Konzentration 39 Prozent höher als bei den ersten Messungen.

Auch wieder Zunahme der Methan-Konzentration

Auch die Methan-Konzentration in der Atmosphäre habe nach einer Phase des relativen Stillstands (zwischen 1999 und 2006) wieder zugenommen, erklärte WMO-Direktor Michel Jarraud. Seit Beginn der Industrialisierung ist sie um 158 Prozent angewachsen.

Zu den Treibhausgasen zählt auch das Distickstoffmonoxid (N2O), dessen Konzentration im Vergleich zur vorindustriellen Zeit um 20 Prozent zugenommen hat. In den vergangenen zehn Jahren nahm die Konzentration jährlich im Schnitt um 0,75 ppm zu.

Die Wissenschaftler suchen noch nach den genauen Ursachen. Vermutlich hängen die Daten mit der Verfeuerung fossiler Brennstoffe, der Abholzung und der Verwendung von Stickstoffdüngern und Viehmist zusammen, hieß es in dem Bericht weiter. Die WMO nutzt für ihre Datenerhebungen Messstationen in mehr als 50 Ländern.

Ab dem 28. November wollen insgesamt etwa 15.000 Delegierte und Experten aus aller Welt auf der UN-Klimakonferenz im südafrikanischen Durban darüber diskutieren, wie sich vermeiden lässt, dass die Erderwärmung bis 2100 zwei Grad überschreitet. Insbesondere wird es dort um einen Versuch gehen, mit verbindlichen Verpflichtungen festzulegen, wie viel Treibhausgase einzelne Länder produzieren dürfen.

Bislang war dies durch das Kyoto-Protokoll geregelt, das jedoch nur von 37 Staaten unterzeichnet wurde und 2012 ausläuft. Wichtige Staaten wie die USA hatten sich daran gar nicht erst beteiligt. China war zwar beigetreten, hatte sich als Entwicklungsland aber nicht verpflichtet gesehen, Emissionen zu reduzieren. Beide Länder zusammen sind für fast die Hälfte aller Kohlendioxidemissionen weltweit verantwortlich. Andere Kyoto-Staaten wollen sich in Zukunft nicht mehr auf verbindliche Zahlen einlassen, solange die Amerikaner nicht mitmachen.

Das Ansteigen der Konzentration der Treibhausgase führt zu einer erhöhten Absorption der Sonnenstrahlung und damit zu einem Anstieg der Temperaturen. Zu etwa zwei Dritteln ist der Effekt auf die CO2-Belastung zurückzuführen.