UN-Konferenz in Durban Warum China zum Klimaretter werden könnte

Gemeinsam mit den USA hat China bislang den Widerstand gegen den Klimaschutz organisiert. Nun gibt sich Peking flexibel. So könnte die Konferenz im südafrikanischen Durban zum Schauplatz einer Machtverschiebung werden, die tatsächlich dem Kampf gegen die Erderwärmung zugutekäme.

Ein Kommentar von Michael Bauchmüller

Applaus zu Beginn seiner Rede, das hat Todd Stern auf einem Klimagipfel noch nie erlebt. Stern ist der Chef der amerikanischen Delegation bei der Konferenz in Durban und als solcher einer der größten Bremser in internationalen Klimaverhandlungen. Doch der Beifall galt ohnehin nicht ihm.

Die Delegierten applaudierten der jungen Frau, die sich weit hinten im Saal erhoben hatte, um die USA anzuprangern. "Ich fürchte um meine Zukunft", rief sie. Als man sie abführte, begleitete sie Beifall. Die Vereinigten Staaten beklatscht schon länger keiner mehr bei diesen Veranstaltungen.

Diese Konferenz kann zum Menetekel einer massiven Machtverschiebung werden. Über Jahre hinweg gelang es den USA, den Widerstand gegen den Klimaschutz zu organisieren, gemeinsam mit China. Weil keiner der beiden Staaten zu einem verbindlichen Klimaabkommen bereit war, konnte jeder stets auf die Untätigkeit des jeweils anderen verweisen. Stillstand in der Klimapolitik war so immer der Stillstand des anderen.

Durban ist anders. Die USA sind mittlerweile zum Stillstand verdammt. Das Klimagesetz Barack Obamas ist gescheitert, die demokratische Mehrheit im Kongress verloren: Unmöglich könnte Washington noch in ein verbindliches Klimaabkommen einwilligen. Das Beste, was die USA in Durban unternehmen können, ist schlicht, aus dem Weg zu gehen. Stattdessen scheut Sterns Delegation keine Mittel, den Fortschritt zu torpedieren.

China dagegen gibt sich flexibel, es hat schon erkennen lassen, dass es auch einem verbindlichen Abkommen zustimmen könnte. Bleibt China bei diesem Kurs, wären die USA vor den Augen der Weltöffentlichkeit isoliert. China stünde für Fortschritt, die Vereinigten Staaten für Blockade. Es wäre nur ein Vorgeschmack darauf, wie sich die Balance zwischen der alten und der neuen Wirtschaftsmacht noch verändern wird.

Der Schwenk folgt einer ziemlich einfachen Strategie. Zunehmend wird China von Energieimporten abhängig. Erst im Frühjahr, im jüngsten Fünfjahresplan, verpflichtete sich Peking darauf, Wachstum und Treibhausgasemissionen zu entkoppeln - mit 17 Prozent weniger Kohlendioxid je erwirtschaftetem Yuan bis 2015. In fünf Provinzen experimentiert die Regierung mit dem Emissionshandel. Unternehmen müssen dort Klimazertifikate erwerben, wenn sie Energie verbrauchen. Das bietet Anreize für mehr Sparsamkeit.