Thunfisch vor der Ausrottung Sushi war sein Schicksal

Die weltweite Sushi- und Carpaccio-Manie hat den Thunfisch an den Rand seiner Existenz getrieben. Albert von Monaco geht mit einer delikaten Idee dagegen vor.

Von Patrick Illinger

Seit japanische Gerichte wie Sushi und Sashimi weltweit in Mode gekommen sind, kann man nicht mehr sagen, in welcher Darreichungsform der Thunfisch bekannter ist: ob als Dosenfisch im Salat Nizza oder als Rohware auf Reisbällchen mit Soja und Wasabi. Nachdem Roter Thunfisch mittlerweile auch auf Berghütten serviert wird, zum Beispiel im Hochzillertal auf Bananenbrot, ist jedoch sicher: Die meisten Menschen der industrialisierten Welt sind mit Thunfisch als Speise bestens vertraut. Ebenso sicher ist aber auch: Die wenigsten Menschen sind je einem lebenden Thunfisch begegnet.

Dabei könnte genau das dem in Millionen Tonnen verspeisten Fisch etwas mehr Respekt verschaffen. Ein ausgewachsenes Exemplar des im Mittelmeer laichenden Blauflossen-Thunfischs, aufgrund seiner Fleischfarbe auch Roter Thun genannt, ist ein wahrhaft majestätisches Tier: Viereinhalb Meter lang kann es werden und mehr als 600 Kilogramm schwer. Dank seines stromlinienförmigen Körpers, der kräftigen Muskeln und der sichelförmigen Flossen kann ein Thun auf 80 Kilometer pro Stunde beschleunigen. Doch die weltweite Sushi-, Tartar- und Carpaccio-Manie hat ihn an den Rand seiner Existenz getrieben.

Nun wendet sich Fürst Albert von Monaco, seit Jahren als Freund gefährdeter Spezies bekannt, mit deutlichen Worten an das Nachbarland Frankreich: "Die Durchschnittsgröße der im Mittelmeer gefangenen Roten Thunfische hat sich in zehn Jahren halbiert", warnt Albert in der Zeitung Le Parisien. Der einzige Weg zur Erneuerung der Bestände sei es, die Art zwei bis drei Jahre lang in Ruhe zu lassen. "Man kann nicht untätig bleiben, wenn das System der Fangquoten nicht funktioniert und die illegale Fischerei andauert", mahnt der Fürst.

Mit seiner Kritik spricht der Monegasse einen neuralgischen Punkt an. Denn einerseits schaffen es die Regierungen weder in der EU noch weltweit, die aus wissenschaftlicher Sicht nötigen Fangbeschränkungen zu beschließen. Und selbst wo es Moratorien gibt, wird deren Einhaltung kaum überwacht. Das gilt besonders im Mittelmeer, von wo aus erhebliche Mengen Thun nach Japan exportiert werden. Mehr als 600 Spezialschiffe orten dort teils mit (illegaler) Unterstützung aus der Luft die seit Jahren schrumpfenden Thunfischschwärme und umzingeln sie mit Spezialnetzen. Allein die Größe der Flotte lässt darauf schließen, dass weit mehr Thunfisch zwischen Tel Aviv und Gibraltar gefangen wird, als erlaubt wäre; von Fischerbooten und Sportfischern gar nicht erst zu reden.

Weil internationale Abkommen zu Fangquoten und deren Einhaltung in der Praxis meist scheitern, setzen Naturschützer nun auf einen anderen Hebel: Gelänge es, für den Roten Thun ein Handelsverbot im Rahmen des Washingtoner Artenabkommens zu erwirken, so wären plötzlich nicht mehr Fischer oder Fischereiaufseher zuständig, sondern der Zoll. Der Handel mit Thunfisch wäre dann ähnlich beschränkt wie die Ein- und Ausfuhr von Gorillas, Tigern oder exotischen Papageien. Eine solche Hürde könnte die globalisierte Thunfisch-Industrie empfindlich einschränken. Japanische Konzerne, die rund ums Mittelmeer an Mästanlagen für die dort gefangenen Thunfische beteiligt sind, hätten das Nachsehen.

Ein Antrag auf ein Handelsverbot für Roten Thun aus Mittelmeer und Ostatlantik steht bereits auf der Tagesordnung des nächsten Treffens der 175 am Washingtoner Abkommen beteiligten Staaten im März. Antragsteller: das Fürstentum Monaco.

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