Soziale Roboter Niemand mag Roboter, die aussehen wie Tote

Was eine Maschine liebenswert macht, ist ihre Menschenähnlichkeit - im Verhalten ebenso wie im Aussehen. Doch müssen die Forscher genau wissen, wie weit sie gehen dürfen. Niemand mag einen Roboter, den man auf den ersten Blick mit einer realen Person verwechseln könnte. "Je perfekter die Imitation ist, umso mehr versuchen wir uns in die Maschine hineinzuversetzen und umso mehr erwarten wir, dass sie wie ein Mensch reagiert", sagt Frank Hegel. "Wenn diese Erwartung nicht erfüllt wird, bemerken wir jede kleine Abweichung."

Die Frau sähe gruselig aus, wie eine Tote, sagte eine Probandin in einer Studie, in der Karl MacDorman von der Osaka University dieses in der Fachwelt als Uncanny-Valley-Hypothese bekannte Phänomen untersuchte. Die Probandin hatte nicht gemerkt, dass sie das Bild eines Roboters betrachtet hatte.

Klein muss er außerdem sein, der ideale soziale Roboter, damit ihn niemand als Bedrohung empfindet. Am wichtigsten - und für die Entwickler am schwierigsten - aber ist der Kopf. Das Gesicht muss sympathisch erscheinen und Gefühle zeigen können, und gleichzeitig muss die gesamte Technik für die Sinneswahrnehmung wie Kameras und Mikrofone dort untergebracht werden - ohne dass von außen Anschlüsse oder sonstige Vorrichtungen sichtbar sind, die an das technische Innenleben erinnern.

Flobi erfüllt all diese Anforderungen. Der Roboterkopf aus dem Bielefelder Institut kann dank 15 Motoren Traurigkeit, Freude, Ärger, Überraschung und Angst so ausdrücken, dass die meisten Menschen die jeweilige Emotion spontan erkennen.

Sogar erröten kann der Roboter dank kleiner Lämpchen in seinen Wangen - wie sicher Menschen dies als Zeichen für Freude oder Scham interpretieren, testen Flobis Entwickler noch. Frank Hegel hantiert kurz an dem Roboterkopf, ersetzt die Lippen durch etwas rötere, tauscht das Modul mit den Haaren aus, und schon ist Flobi zu einem weiblichen Roboter geworden.

Probanden, die Flobi in dieser Ausrüstung sahen, trauten ihr eher Aufgaben zu, die oft von Frauen erledigt werden, etwa andere Menschen zu pflegen. Den männlichen Flobi assoziierten sie hingegen zum Beispiel mit dem Begriff "Schraubenzieher".

Flobis nächste Aufgabe steht schon fest. Im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrttechnik in Köln soll er Astronauten, die während ihrer Aufenthalte im All viel Muskelmasse verlieren, zum Fitnesstraining ermuntern: Der Roboter turnt vor und spornt mit ein paar freundlichen Worten an, die Astronauten machen mit, so lautet der Plan.

Frank Hegel hat sich in Fitnessstudios umgeschaut, um Flobi möglichst realistisch auf die Aufgabe vorzubereiten. Doch sollte der Roboter scheitern, wäre das keine Schande. Die Menschen aus ihrer Bequemlichkeit zu reißen, ist vielleicht die schwerste Aufgabe überhaupt, nicht nur für einen Roboter.