Soziale Risiken Weltbank warnt vor ungebremster Erderwärmung

Eindringliche Warnung vor den sozialen Risiken: Die Weltbank bewertet in einem neuen Bericht die Folgen des Klimawandels. Würde sich die Erde um vier Grad erwärmen, wäre das demnach vor allem für arme Staaten verheerend.

Von Christopher Schrader

Von der Dürre aufgebrochene Erde in Kenia: Die Weltbank warnt in einem neuen Bericht eindringlich vor den Folgen der Erderwärmung.  

(Foto: dpa)

Die Weltbank warnt in einem neuen Bericht eindringlich vor den Folgen eines ungebremsten Klimawandels. Sollte sich die Welt bis zum Ende dieses Jahrhunderts um vier Grad Celsius gegenüber der vorindustriellen Zeit erwärmen, würde es gerade die armen Länder besonders treffen und ihre Chancen auf wirtschaftliche Entwicklung weitgehend zunichte machen.

"Ich hoffe, dieser Bericht schockiert uns genug, dass wir handeln", schreibt der neue Weltbank-Chef, der Amerikaner Jim Yong Kim, im Vorwort. "Zwar wird (der Klimawandel) jede Region der Welt berühren, aber die Armen und die am meisten Verletzlichen wird es am härtesten treffen."

Der 119-Seiten lange Bericht unter dem Titel "Dreht die Heizung herunter" ist im Wesentlichen in Deutschland entstanden, beim Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und der Forschergruppe Climate Analytics in Berlin. Er trägt nicht nur die neueste Forschung zur weiteren Erwärmung zusammen, sondern bewertet vor allem die dadurch ausgelösten sozialen Risiken.

Risiko ist dabei das Produkt des eintretenden Schadens und seiner Wahrscheinlichkeit. Daher können auch relativ unwahrscheinliche Entwicklungen große Risiken bergen. Das fängt schon mit der Temperatur-Steigerung von vier Grad selbst an: Die Autoren des Berichts erwarten einen Anstieg von deutlich mehr als drei Grad und beziffern die Gefahr, dass sich die globale Temperatur bis 2100 tatsächlich um vier Grad erhöht, jedoch nur auf 20 Prozent. Sie zeigen dann aber, dass die dadurch ausgelösten Veränderungen kaum zu bewältigen wären.

In Nordafrika, dem Nahen Osten, Tibet und am Mittelmeer dürften dann alle Sommer wärmer sein als bisherige Hitzewellen. In den Tropen, wo die ärmsten Staaten liegen, könnten die Temperaturen regelmäßig aus dem Bereich hinausklettern, im dem sich sämtliches Leben dort entwickelt hat. Außerdem dürfte der Meeresspiegel um den Äquator um 15 bis 20 Prozent stärker ansteigen als im Durchschnitt. Eine Intensivierung der tropischen Wirbelstürme würden die Länder am stärksten spüren.

Die Hitze könnte die Ernten gefährden, auch in großen Ländern wie Indien und selbst in den USA. Den armen, kleineren Staaten dürften die Mittel fehlen, die Krisen zu bewältigen oder sich mit wirtschaftlichem Wachstum aus der Armut zu lösen, warnt die Weltbank. "Es ist Zeit, dass die Welt anfängt über Klimagerechtigkeit zu sprechen und sich von Menschenrechten leiten lässt", sagt dazu Mary Robinson, die frühere Menschenrechtsbeauftragte der Vereinten Nationen.