Ozonschicht Rückkehr eines Killers

Ozonkiller aus unbekannter Quelle: Das Treibhausgas Tetrachlormethan strömt in großen Mengen in die Atmosphäre, obwohl es schon seit langem verboten ist. Woher es kommt, weiß niemand.

Von Alexander Stirn

Eigentlich sollte Tetrachlormethan längst vergessen sein. Die farblose, unangenehm riechende Flüssigkeit gilt als Treibhausgas und extrem starker Ozonkiller. Sie wurde in den vergangenen Jahrzehnten aus Feuerlöschern und chemischen Reinigungen verbannt. Doch nun taucht der krebserregende Stoff wieder auf. Aktuellen Berechnungen zufolge werden Jahr für Jahr große Mengen Tetrachlormethan in der Atmosphäre freigesetzt - als würde jemand knapp 1200 randvolle Kesselwagen mit der Substanz auskippen.

"Im Grunde dürften wir all das nicht sehen", sagt Qing Liang, Atmosphärenchemikerin am Goddard Space Flight Center der US-Raumfahrtbehörde Nasa in Maryland. Gemeinsam mit Kollegen berichtet Liang im Fachblatt Geophysical Research Letters, wie stark die globale Verschmutzung durch Tetrachlormethan noch immer ist - mit erschreckendem Ergebnis. In jedem Jahr tauchen demnach knapp zusätzliche 40 000 Tonnen des Kohlenwasserstoffs in der Atmosphäre auf.

Unbekannte Quelle für den gravierdenden Tetrachlormethan-Gehalt in der Atmosphäre

Die offiziellen Zahlen ergeben ein ganz anderes Bild. Bereits 1996 wurde der Klimakiller in den Industriestaaten verboten, seit 2010 müssen auch die Entwicklungsländer auf die Chemikalie verzichten. Sie darf in der Industrie zwar noch in geschlossenen Systemen verwendet werden, nach Berechnungen der Weltorganisation für Meteorologie ist der Ausstoß seit dem Jahr 2007 aber auf null zurückgegangen.

Da das Sonnenlicht den Ozonkiller nach und nach zersetzt, müsste der Tetrachlormethan-Gehalt in der Atmosphäre jährlich um vier Prozent abnehmen. Liang ermittelte allerdings nur einen Rückgang um ein Prozent. "Offensichtlich gibt es entweder unbekannte Lecks in Industrieanlagen, starke Emissionen von verschmutzten Landstrichen oder bislang nicht bekannte Quellen für Tetrachlormethan", sagt die Forscherin. Was auch immer die Ursache sein mag, der Ausstoß ist gravierend: Er liegt bei fast einem Drittel des Wertes aus den Spitzenzeiten der Tetrachlormethan-Produktion.