Klimawandel Treibhausgase zu 74 Prozent für Erderwärmung verantwortlich

Noch immer zweifelt mancher daran, dass die vom Menschen ausgestoßenen Treibhausgase die Hauptursache der globalen Erwärmung sind. Gleich zwei Forschergruppen bestätigen diese Annahme jetzt noch einmal.

Von Christopher Schrader

Die vom Menschen ausgestoßenen Treibhausgase, vor allem Kohlendioxid, gelten als Hauptursache der beobachteten globalen Erwärmung. Zwei aktuelle Studien bekräftigen diese Annahme jetzt noch einmal, rechtzeitig zur wichtigen zweiten Woche der Klimakonferenz in Durban.

Die eine Untersuchung, angefertigt von Forschern aus Zürich, weist den Treibhausgasen zu drei Vierteln die Verantwortung für die steigende Globaltemperatur zu. Die andere, von einem deutsch-amerikanischen Team, zeigt, wie eindeutig die Wärmekurve nach oben weist, wenn natürliche Klimafaktoren aus den Thermometerwerten herausgerechnet werden. Beide beziffern die Erwärmung auf ein halbes Grad Celsius allein seit Mitte des 20. Jahrhunderts.

Markus Huber und Reto Knutti von der ETH Zürich haben ihrer Analyse die Energiebilanz des Planeten zugrunde gelegt. Diese wird von zyklischen Variationen des Sonnenlichts beeinflusst, von Vulkanausbrüchen, eher kühlenden Industrieabgasen und Treibhausgasen, welche Wärmeenergie in der Atmosphäre festhalten.

Rechnet man all diese Faktoren gegeneinander, so die Schweizer, hat die Erde seit der Industrialisierung eine gewaltige Menge zusätzlicher Energie aufgenommen: 1400 Milliarden Milliarden Kilojoule.

Huber und Knutti haben nun Tausende möglicher Entwicklungen des Klimas simuliert, die alle zwei Bedingungen erfüllten: Sie passten zur Energiebilanz und den bisherigen Klimabeobachtungen.

Mit diesem Ensemble an Modellen konnten die Schweizer den Einfluss der einzelnen Faktoren wie CO2, Vulkane, Sonne oder Abgase rechnerisch voneinander trennen. Dabei zeigte sich, dass die natürlichen Klimafaktoren höchstens 26 Prozent zur beobachteten Erwärmung beigetragen haben; die Forscher nennen es "extrem unwahrscheinlich", dass es mehr ist. Der Rest geht auf das Konto der Menschheit (Nature Geoscience, online).

Den Einfluss natürlicher Faktoren auf das Klima versucht auch das zweite Forscherteam zu beziffern, um deren Einfluss aus der Temperaturstatistik seit 1979 herauszurechnen (Environmental Research Letters, Online). Grant Foster, ein Statistikfachmann und Blogger aus Maine, und Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung entfernen nicht nur Vulkanausbrüche und Sonnenzyklen aus den Daten, sondern auch die El-Niño- und La-Niña-Phänomene, die dem Globus regelmäßig heißere oder kühlere Jahre bescheren.

Die beiden Forscher isolieren so aus den Temperaturkurven von fünf verschiedenen Institutionen von der Nasa bis zum britischen Wetterdienst die menschengemachte Komponente. Danach ähneln sich sich die Kurven viel stärker als zuvor, und alle zeigen einen nahezu ungebrochenen Anstieg von etwa einem Siebtel Grad pro Dekade. Dies sei "das wahre Signal der Klimaerwärmung" schreiben die Forscher. 2009 und 2010 sind in ihrer Statistik die wärmsten Jahre.